Mehr als 3000 Geburten? Geburtszahlen im Emsland steigen – massive Zunahme in Meppen

Von Markus Pöhlking

In Meppen explodieren die Geburtenzahlen, im Emsland steigen sie. Erstmals seit 2005 könnte die Zahl der Geburten wieder auf über 3000 steigen. Foto: Frank Leonhardt/dpa (Archiv)In Meppen explodieren die Geburtenzahlen, im Emsland steigen sie. Erstmals seit 2005 könnte die Zahl der Geburten wieder auf über 3000 steigen. Foto: Frank Leonhardt/dpa (Archiv)

Meppen. In der vergangenen Woche ist im Meppener Ludmillenstift das 1000. Kind im laufenden Kalenderjahr geboren. Für die Kreisstadt stellt das einen Rekord dar. In Meppen steigen die Geburtenzahlen damit in diesem Jahr in beträchtlichem Maße, doch auch andere Orte im Emsland verzeichnen Zuwächse: Bestätigt sich der Trend, dürften zum Jahresende mehr als 3000 Neugeborene im Emsland zur Welt gekommen sein.

Neben Meppen gibt es im Emsland aktuell noch drei weitere Standorte, an denen Krankenhäuser Entbindungsstationen betreiben. In Lingen, Papenburg und Sögel zeichnen sich in diesem Jahr ebenfalls Spitzenwerte ab. Besonders in der Kreisstadt hat die Zahl der erfassten Geburten im laufenden Jahr aber fulminant zugenommen. Zum 15. November zählte das Standesamt 968 beurkundete Geburten – im gesamten Jahr 2015 waren es 877. Bis zum Jahresende erwartet das Standesamt Meppen 1100 amtlich verzeichnete Geburten in der Kreisstadt, was eine Steigerung um mehr als 200 darstellt – das ist im Emsland-Vergleich stark überdurchschnittlich.

Konstante Zunahme in Lingen

In Lingen etwa steigt die Geburtenrate – wie in den Vorjahren auch in Meppen – eher kontinuierlich: Das dortige Standesamt verzeichnet für 2014 die Beurkundung von 1104 Neugeborenen, 2015 waren es dann 1109. Zum 31. Oktober waren 996 Kinder zur Welt gekommen. Hält die Entwicklung an, ist hier mit einer leichten Zunahme auf Jahressicht zu rechnen. Ähnliches lässt sich für Sögel und Papenburg prognostizieren: In Sögel verzeichnete das Standesamt zum 14. November 458 beurkundete Geburten, womit bereits fast der Jahreswert 2015 erreicht ist, als 464 Geburten zu Buche standen. Papenburg verzeichnete zum 10. November 530 Geburten. Der Gesamtwert aus dem Jahr 2015 betrug 595; 2015 waren es 578. Für Ende 2016 wird eine leichte Zunahme erwartet. (Weiterlesen: 1000. Geburt im Bonifatiushospital Lingen)

Mehr als 3000 Geburten im Landkreis

Im Landkreis Emsland dürften damit bis zum Ende des Jahres wahrscheinlich – im Zweifelsfall je nach Zählweise (siehe Infobox) – mehr als 3000 Geburten zu Buche stehen. Zum Vergleich: 2015 verzeichnete das Statistische Landesamt 2915 Geburten im Emsland, im Jahr 2015 waren es 2889. Die 3000er-Marke wurde zuletzt im Jahr 2005 geknackt, als es 3024 Geburten gab. Insgesamt liegt die Entwicklung im Bundestrend: Auch deutschlandweit ist die Zahl der Geburten zuletzt gestiegen . Die Gründe dafür sind vielfältig: Bessere Rahmenbedingungen machen Mut zum Kinderkriegen, außerdem bringen Migrationsbewegungen mehr Geburten mit sich.

Trend zum dritten Kind

Hella Siemer, leitende Hebamme des Marienhospitals in Papenburg, erkennt zudem eine Tendenz zum dritten Kind: „Wir beobachten hier, dass viele Familien mit zwei Kindern sich noch einmal Nachwuchs wünschen.“ Ähnliches schildert auch Rita Müßing, ihrerseits leitende Hebamme im Ludmillenstift Meppen.

Boom in Meppen hat mehrere Gründe

Der dort aktuell zu konstatierende Geburtenboom habe mehrere Gründe, erklärt Willi Schulte vom Standesamt Meppen: „Warum genau die Zahlen in Meppen in diesem Jahr so stark ansteigen, lässt sich anhand nur eines Faktors nicht erklären.“ Schulte vermutet eine Gemengelage aus einem zunehmenden Einzugsgebiet des Ludmillenstiftes , aus einem generellen Trend zu mehr Kindern sowie Migration als Ursache für die steigenden Geburtenzahlen. Aus den Daten des Standesamtes ergebe sich, dass „das Einzugsgebiet bei uns größer geworden ist“, sagt Schulte. Aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus verzeichne das Ludmillenstift als Entbindungsort Zuwächse – obschon, wie die Zahlen zeigen, an den anderen Standorten keine Einbrüche zu verzeichnen sind.

Einen weiteren Grund der starken Zunahme in Meppen sieht Schulte im Zuzug von Flüchtlingen und Arbeitsmigranten. Signifikant wirke sich die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus den östlichen EU-Ländern aus, die in Betrieben des mittleren Emslandes arbeiteten und in Meppen Nachwuchs zur Welt bringen.

Detaillierte Statistik 2017

Die genauen statistische Angaben, aus denen sich ein klares Bild der Ursachen und der Verteilung des Geburtenbooms ergibt, werden indes erst im nächsten Jahr verfügbar sein, wenn das Statistische Landesamt seine Erhebungen veröffentlicht.


Unterschiedliche Zählweisen

Tausend Neugeborene sind nicht gleich tausend Geburten – zumindest nicht im Krankenhaus. Kommen im Kreißsaal Zwillinge zur Welt, sind das unstrittig zwei Babys. Sie werden aber nur als eine Geburt dokumentiert. Im Standesamt hingegen wird jedes neue Baby einzeln beurkundet – somit würden Zwillinge als zwei Geburten erfasst. Dementsprechend ist das tausendste Baby in Meppen noch nicht die tausendste Geburt. Andererseits ist die tausendste Geburt im Lingener Bonifatius-Hospital vom 13. November bereits das 1017. Kind, das in diesem Jahr zur Welt kommt. Das Standesamt Lingen dürfte zu diesem Zeitpunkt aber bereits mehr Beurkundungsvorgänge abgeschlossen haben, schließlich werden in den Standesämtern auch Hausgeburten erfasst, die in den entsprechenden Erhebungen der Krankenhäuser naturgemäß keine Rolle spielen.

Ein weiterer Faktor, der zu unterschiedlichen Zahlen bei Standesämtern und Krankenhäusern führt: Ein Kind, das etwa kurz vor Jahresende 2016 zur Welt kommt, wird im Krankenhaus auch noch für 2016 verzeichnet – während die Beurkundung im Standesamt womöglich erst 2017 erfolgt, wodurch das Kind dementsprechend in die Statistik für 2017 eingeht. Welche Geburten letztlich in welcher Kommune der Bevölkerungszahl zugeschlagen werden und welche Trends sich en détail daraus ableiten lassen, darüber gibt letztlich das Statistische Landesamt jeweils im Folgejahr Auskunft.

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