Aber der Wolf bereitet Sorgen Schafhalter im Emsland feiern Zuchterfolge

Von Tobias Böckermann


Meppen. Die Schafhalter im Emsland und der Grafschaft Bentheim haben ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Gestiegenen Preisen und guten Exporten steht die Sorge wegen der Rückkehr des Wolfes gegenüber.

Bei der Regionalversammlung des Landesschafzuchtverbandes Weser-Ems in Meppen war das Raubtier immer mal wieder Thema – ohne allerdings die Versammlung zu dominieren. Im Mittelpunkt der vom Vorsitzenden Heiko Schmidt und Zuchtberater Michael Gertenbach geleiteten Veranstaltung standen züchterische und wirtschaftliche Fragen.

So berichteten beide, die Preise für Lammfleisch seien 2016 durchweg höher gewesen als 2015 und damit habe sich ein mittelfristiger Trend bestätigt. Bei Auktionen und Tierschauen seien die Emsländer und Grafschafter sehr erfolgreich gewesen – zuletzt habe man 270 Milchschafe aus der Region nach Russland exportiert.

Änderungen gibt es bei der Tierseuchenkasse, die bislang die zur Kennzeichnung der Tiere notwendigen Ohrmarken aus den Beiträgen der Schafhalter bezahlt hat. Nach Intervention der EU muss der Schafhalter nun zusätzlich zum Jahresbeitrag 60 Prozent der Ohrmarkenkosten selbst tragen.

Ausgezeichnet wurden Ursula Melbaum (Haselünne, Bentheimer Landschafe) und Christof Böving (Haren, Weiße Gehörnte Heidschnucke) für besondere züchterische Leistungen. Die Zahl der Schafhalter in der Region Weser-Ems ist auf 11.821 weiter leicht gesunken, die Zahl der Schafe liegt bei rund 233.000 einigermaßen konstant. Besondere Bedeutung im Emsland haben neben schwarz- und weißköpfigen Fleischschafen sowie Milchschafen vor allem das Bentheimer Landschaf und die Weiße Gehörnte Heidschnucke.

Wärmebox für Lämmer

Bevor Züchter Eberhard Masch den Anwesenden eine Wärmebox zur Rettung lebensschwacher Lämmer vorstellte, berichtete Michael Gertenbach über die aktuelle Situation beim Wolf. Demnach hat sich die Zahl der Rudel deutschlandweit gegenüber 2015 von 35 auf 46 erhöht, in Niedersachsen stieg sie von sieben auf acht. Außerdem gibt es mehrere ortstreue Wölfe, unter anderem bei Fürstenau und seit Jahren auch auf der WTD 91 sowie dem Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range. Von Letzterem fehlt zwar seit einigen Monaten ein sogenannter C1-Nachweis, also ein Foto oder eine Genprobe – mindestens ein Tier ist aber wiederholt beobachtet worden.

Die Schafhalter diskutierten nur kurz und sachlich über den Wolf – dies allerdings mit Sorge, da er Schafe, die nicht durch besondere Zäune oder Hunde geschützt sind, erbeutet und „damit die Schafhaltung an sich gefährdet“. Heiko Schmidt berichtete, das Thema habe man in der Politik immer wieder angesprochen und sehe inzwischen, dass die Landesregierung sensibler auf die großen Sorgen der Schäfer reagiere.

„Schutz ist schwierig“

Michael Gertenbach betonte, ein ausreichender Herdenschutz vor Beutegreifern sei zwar vorgeschrieben, aber in der Praxis schwierig. So dürfe man zum Beispiel die zur Wolfsabwehr geeigneten Herdenschutzhunde eigentlich gar nicht ohne Schutzhütte draußen halten, sondern verstoße damit gegen das Tierschutzgesetz. Aber Hunde, die in einer Hütte lägen, könnten keine Schafe bewachen. Dieses Problem habe die Politik inzwischen erkannt.

Kurz diskutierten die Anwesenden die sogenannte „ Dresdner Resolution “ von CDU und CSU, die nicht die Ausrottung des Wolfes, sondern ein „praxistaugliches Management der Bestände“ fordert. Darin wird die Frage gestellt, ob der aus dem Baltikum über Polen nach Deutschland eingewanderte Wolfsbestand eine isolierte Population bildet, die sich laut EU-Gesetzgebung noch nicht in einem „günstigen Erhaltungszustand“ befindet und deshalb zu schützen ist. Oder ob die deutschen und polnischen Tiere Teil einer größeren nordosteuropäisch-baltischen Population sind, die den günstigen Erhaltungszustand von 1000 erwachsenen Tieren erreicht hat und damit regulierbar wäre.

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