„... da werden Märchen wahr“ Zauberhaftes Kindermusical „Aladdin“ im Theater Meppen

Von Petra Heidemann


Meppen. Durch seine kindgerechte Inszenierung hat das Wiener Tournee-Ensemble „Theater mit Horizont“ mit seiner Musicalproduktion „Aladdin“ im Meppener Theater Erwachsene ebenso verzaubert wie das Kinderpublikum.

Orientalischer Bauchtanz führte die Fantasie des Publikums in die Stadt Agrabah, wo sich der leichtfertige junge Aladdin von seinem Freund Ali zum Obststehlen auf dem Basar anstiften und dann austricksen lässt. Dort trifft er auf den bösen Zauberer Dschafar, der ihn zu seinen Diensten erpresst, damit Alis Mutter nichts von dem Diebstahl erfährt. Für Dschafar soll Aladdin eine alte Öllampe aus einer Höhle bergen und wird aus Neugier dabei versehentlich zum Herrn des Lampengeistes – sehr zum Missfallen des die Weltherrschaft anstrebenden Zauberers.

Prunk und Reichtum

Als der in Armut lebende Aladdin der Prinzessin begegnet und sich in diese verliebt, meint er, ihr mithilfe des Lampengeistes Prunk und Reichtum bieten zu müssen. Doch solche Unehrlichkeit führt zu nichts Gutem, zumal der listige Zauberer die naive Gutwilligkeit der Prinzessin für seine Zwecke zu missbrauchen versteht.

Aber echte Liebe vermag mehr als schöner Schein, schließlich haben sich die beiden ineinander verliebt, ohne etwas vom Reichtum oder der Armut des jeweils anderen zu ahnen. Und so jagen Aladdin und Jasmin dem bösen Dschafar geschickt die Lampe wieder ab. Die Kraft des guten Lampengeistes Dschinn macht schließlich den Zauberer unschädlich, erlöst den Sultan und die diesem inzwischen herzlich zugetane Mutter. Dafür schenkt Aladdin dem Dschinn Freiheit und Selbstbestimmung.

Zeitgemäß

Seit fast 20 Jahren widmet sich das in Österreich erfolgreichste Kindertheater von Angela und Clemens Handler der zeitgemäßen Inszenierung von bekannten Märchen als Familienmusicals. Phantasievolle Kostüme und Bühnenbilder sowie mitreißende, ins Ohr gehende Musik zeichnen die Produktionen ebenso aus wie das nuancenreiche, das Publikum immer wieder direkt ansprechende Spiel der Darsteller.

Dabei stellen die anspruchsvollen Mehrfachrollen nicht nur an die Künstler selbst eine echte Herausforderung dar hinsichtlich ihrer schnellen und hoch konzentrierten schauspielerischen Wandlungsfähigkeit, sondern auch an die minutiöse Regie von Clemens Handler, die es ermöglicht, mit vier Schauspielern elf große Rollen glaubhaft zu besetzen. Buch und Musik stammen von ihm und Gernot Kugler, das eindrucksvolle Bühnenbild von Sigrid Frank.

Herrscherfigur des Sultans

Während Tobias Nessweda fast durchgängig der Titelrolle Aladdin überzeugend Gestalt gab und die Entwicklung vom Nichtsnutz zum Verantwortung Übernehmenden erlebbar werden ließ, glänzte der zunächst als Erzähler auftretende Jürgen Kapaun nicht nur als das Böse verkörpernder Zauberer Dschafar, sondern gab der Herrscherfigur des Sultans väterlich-liebevolle Würde und spielte seine komische Seite aus als flötenspielender und wuseliger Sultansdiener Eusebius.

Sultansdienerin

So wechselte auch Valentina Kratochwil von ihrem neckischen, aber sehr menschlich anrührenden Dschinn in die Rolle der liebevoll besorgten Mutter und wurde zwischendurch zur herrlich überzogen angelegten Sultansdienerin Miranda. Nach dem quirlig-kleinen hinterlistigen Tagedieb Ali bezauberte Patrizia Leitsoni als märchenhaft zarte, aber selbstbewusst-kluge Prinzessin Jasmin.

Klare Gesangsstimmen mit sauberer Artikulation sowie die orientalisch-wirbelnde Choreografie der Tanzeinlagen ließen keine Längen zu. Kurzweilig, aber ohne überladene Hektik gab das Spiel auf der Bühne den Kindern im Publikum ausreichend Raum zum Lachen, Nachdenken, Mitfühlen und Staunen.


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