Gläubige ohne Kirchen Wie 1946 in Meppen drei Gemeinden entstanden

Von Manfred Fickers

Unbenutzbar war die Propsteikirche St. Vitus in Meppen nach Artilleriebeschuss und Bombentreffern am 6. und 7. April 1945. Das Bild zeigt die notdürftige Absicherung des Gebäudes, die im Mai 1945 vorgenommen worden ist. Archivfoto: Meppener TagespostUnbenutzbar war die Propsteikirche St. Vitus in Meppen nach Artilleriebeschuss und Bombentreffern am 6. und 7. April 1945. Das Bild zeigt die notdürftige Absicherung des Gebäudes, die im Mai 1945 vorgenommen worden ist. Archivfoto: Meppener Tagespost

Meppen. Ebenso wie das Land Niedersachsen vor 70 Jahren aufgrund der Veränderungen durch den Zweiten Weltkrieg entstanden ist, entwickelten sich ab 1945/46 im Meppener Stadtteil-Esterfeld drei neue Kirchengemeinden, eine katholische, eine evangelisch-lutherische und eine evangelisch-reformierte.

Im März 1945 trafen Transporte mit evangelischen Flüchtlingen aus Pommern, Ost- und Westpreußen im Emsland ein, und wurden auf die Städte und Gemeinden verteilt. So bekam der Meppener Stadtteil Esterfeld, der vorher fast ausschließlich von Katholiken bewohnt wurde, einen evangelischen Bevölkerungsteil, der von der lutherischen Gustav-Adolf-Gemeinde in der Meppener Neustadt und der evangelisch-reformierten Gemeinde Schöningsdorf betreut wurde. Die Ankunft von Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten seit dem Frühjahr 1946 ließ die Bevölkerungszahl in Esterfeld schnell ansteigen.

Bei den Kämpfen am 6. und 7. April 1945 wurden die evangelisch-lutherische Gustav-Adolf-Kirche und die katholische Propsteikirche St. Vitus zerstört, der Wiederaufbau zog sich über Jahre hin. Am 10. Mai 1945 musste die Grenzzone zu den Niederlanden bis zum Süd-Nord-Kanal geräumt werden. Die evangelisch-reformierte Kirche in Schöninghsdorf lag im Sperrgebiet, den Gemeindegliedern wurden Unterkünfte in den östlichen Nachbarorten zugewiesen, auch in Meppen. Zwar wurde die Kirche in Schöninghsdorf ab dem 30. Oktober 1945 wieder zur Benutzung frei, aber erst am 1. Dezember 1946 durfte die Bevölkerung wieder in ihre Wohnungen zurückehren. Aber es lebten durch Zuzug schließlich mehr reformierte Christen in Meppen und der näheren Umgebung als in Schöninghsdorf. 1954 wurde die evangelisch-reformierte Gemeinde Meppen-Schöninghsdorf gegründet, mit dem Einzugsgebiet im mittleren Emsland. 1976 entstand in Esterfeld an der Kleiststraße ein Gemeindezentrum, das bereits 1982 durch einen Neubau Am Stadtforst/Stadtheidestraße ersetzt wurde.

Wegen der Brückensprengungen und der Zerstörung ihrer Kirchen in Meppen konnten die Gustav-Adolf-Gemeinde und die Propsteigemeinde St. Vitus ab Mitte April 1945 ihre Seelsorgearbeit in Esterfeld nur durch die längerfristige Entsendung von Geistlichen aufrecht erhalten. Gottesdiensträume waren der städtische Schießstand an der Versener Straße, später der kleine Saal der Gaststätte Kamp am Schullendamm. An der Jahreswende 1945/46 war bereits deutlich, dass diese Provisorien Bestand haben würden. Die Esterfelder Katholiken kauften in Voltlage, Kreis Osnabrück, eine Baracke, die nach ihrem Aufbau am 18. August 1946 als Kirche St. Maria-zum-Frieden geweiht worden ist. Damit entstand hier eine eigenständige katholische Kirchengemeinde unter der Leitung des am 15. Oktober 1946 zum Pfarrvikar ernannten Priesters Josef Orgaß (1910 – 2001). 1959/60 wurde die Baracke durch die heutige Kirche St. Maria-zum-Frieden ersetzt.

Die Gustav-Adolf-Gemeinde war in Meppen von 1100 im Jahr 1939 auf 3000 Seelen 1945 gewachsen, 550 von ihnen ließen sich schon vor 1950 dauerhaft in Esterfeld nieder, weitere kamen hinzu. Am 12. Dezember 1954 konnte die Bethlehemkirche am Albert-Schweitzer-Weg eingeweiht werden. Pastor der neuen Gemeinde wurde Gottfried Sallet, selbst ein Flüchtling. Die Kirche musste 1981 erweitert werden. Denn wie im ganzen Land Niedersachsen wuchs die Bevölkerungszahl auch in Esterfeld. Hier spiegelt sich eine konfessionelle Vielfalt wider, die alle Teile des Bundeslandes seit seiner Entstehung kulturell prägt.