Podiumsgespräch an Marienhausschule Politiker diskutieren Heilerziehungspflege in Meppen


asm Meppen. Die Fachklasse der Heilerziehungspflege III an der Marienhausschule in Meppen hatte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Politiker zur Diskussion eingeladen. Gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (CDU) und Markus Paschke (SPD) suchten sie nach Wegen und Lösungen, um den Beruf der Heilerziehungspflege aufzuwerten. Weitere Diskussionspunkte waren die Inklusion und das neue Bundesteilhabegesetz.

Beide Abgeordnete sprachen sich für eine Anerkennung der ausgebildeten Heilerziehungspfleger als Pflegefachkräfte aus. Ebenso würde eine Ausbildungsvergütung zur gesellschaftlichen Aufwertung beitragen.

Auch das auf Bundesebene diskutierte Bundesteilhabegesetz, das klare Gesetzesgrundlagen schafft und somit laut Connemann erst einmal etwas Gutes ist, wurde angesprochen. Beide Politiker äußerten identische Kritikpunkte. „Da wir zur Inklusion verpflichtet sind und vorherige Landesregierungen sich nicht ausreichend um die Umsetzung der Behindertenrechtskonventionen kümmerten, muss nun vieles in kurzer Zeit umgesetzt werden“, erklärte Paschke. „Wichtig dabei ist, dass es keine Verlierer gibt.“

Dreijährige Ausbildung

Die Abschlussklasse, bestehend aus 25 Schülerinnen und Schüler im Alter von 19 bis 30 Jahren, hatte mit dem Fachlehrer für Politik, Friedhelm Wolski-Prenger, die Podiumsdiskussion professionell vorbereitet. 80 Schüler und Lehrer folgten an den beiden Tagen den Diskussionen. (Weiterlesen: Informationstag zu Pflegeberufen an der Marienhausschule)

Lynn Thater und Corinna Schütte eröffneten die Gesprächsrunde mit der Frage: „Was ist Heilerziehungspflege?“ Sie stellten die in Niedersachsen geltende dreijährige, praxisintegrierte Ausbildungsform vor und die Aufgabenbereiche eines Heilerziehungspflegers (HEP): von der Frühförderung eines Säuglings bis zur ambulanten oder stationären Betreuung im Seniorenalter. Wiepke Timpe und Vivien Cäsar übernahmen die Moderation der Diskussionsrunde.

Neue Konzepte entwickeln

„Ein Beruf mit hohen Ansprüchen verdient eine angemessene Ausbildungsvergütung, ein angemessenes Gehalt und eine besondere Wertschätzung in der Gesellschaft“, betonte Paschke. Neue Ausbildungskonzepte müssten in enger Zusammenarbeit zwischen Schule und Träger entwickelt werden, in Absprache mit der zuständigen Landesregierung. Ebenso wäre ein bundeseinheitliches Ausbildungssystem nur im Zusammenhang mit allen Bundesländern möglich, betonte Connemann.

Im Emsland gibt es viele junge Menschen, die mit großem Engagement eine Ausbildung in der Heilerziehungspflege beginnen. Um das auch weiterhin zu erhalten, muss nach Worten der Schüler eine Profilierung des Berufs stattfinden, eine Aufwertung auch für künftige Generationen, was ohne politische Unterstützung nicht möglich sei.

Laute Stimme nötig

„Um in der Politik wahrgenommen zu werden braucht man eine laute Stimme, Multiplikatoren und Lobbyisten“, so Gitta Connemann. Betroffene und deren Angehörige sind selten laut, sie sind müde vom vielen Kämpfen. „Seien Sie laut“ war ihre abschließende Empfehlung an die Schüler.

Lambert Hackmann, Lehrer für Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege an der Marienhausschule, wies in diesem Zusammenhang auf den „Aktionstag Mensch“ hin, ein Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, jährlich am 5. Mai. Die Abschussklasse sah sich in ihren Anliegen bestätigt, erhielt neues Hintergrundwissen und wurde durch viele Anregungen ermutigt, Initiative zu ergreifen. (Weiterlesen: Protest in Meppen gegen Bundesteilhabegesetz)


0 Kommentare