Fall um Hundemisshandlung Ermittlungen eingestellt: Tierschützer kritisieren Veterinäramt Emsland

Die Ermittlungen um eine vermeintliche Hundemisshandlung im Emsland wurden eingestellt. Jetzt regt sich Kritik am Veterinäramt des Landkreises. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpaDie Ermittlungen um eine vermeintliche Hundemisshandlung im Emsland wurden eingestellt. Jetzt regt sich Kritik am Veterinäramt des Landkreises. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa

Meppen. Der Fall um eine vermeintliche Tierquälerei in einer Hundeschule im Emsland hat für Aufsehen gesorgt. Nach der Anzeige werden die Ermittlungen nun eingestellt. Tierschützer üben derweil scharfe Kritik am Veterinäramt.

Karin Sommer* ist enttäuscht, als sie von der Nachricht hört. „Das kann doch wirklich nicht wahr sein“, sagt sie. Jetzt ist das eingetreten, was sie schon befürchtet hatte: Die Ermittlungen werden eingestellt. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Osnabrück gegenüber unserer Redaktion. „Nach Angaben des Sachverständigen lag kein strafrechtlich relevanter Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor“, sagt Alexander Retemeyer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Dabei hatte Sommer im Mai dieses Jahres erschütternde Szenen beobachtet . In einer Hundeschule im Emsland soll ein Hundetrainer in sehr rüder Art und Weise mit den ihm anvertrauten Hunden umgegangen sein, teilte uns die 53-Jährige bereits vor einigen Wochen mit. Demnach habe der Mann versucht, einen Jagdhund mit einem Kettenwürgehalsband ohne Zugstopp zu erziehen. Das kann erhebliche Schmerzen und gravierende gesundheitliche Schäden verursachen. Konkrete Beweise für die Tat konnte sie allerdings nicht liefern.

Für Sommer aber ist das Veterinäramt mitschuldig an der Einstellung. Dort hatte sie Anzeige gestellt und ist davon ausgegangen, dass man sich gewissenhaften um ihre Vorwürfe kümmert, doch das Gegenteil war ihrer Meinung nach der Fall. Wochenlang sei sie hingehalten worden, eine wirkliche Kommunikation sei nicht zustande gekommen, stattdessen sei sie Zeugin einer schleppenden Arbeitsweise geworden. Zuerst habe sie es sich mit Veterinäramt nicht verscherzen wollen und habe still gehalten. Doch mittlerweile kann sie ihre Wut und Enttäuschung kaum noch im Zaum halten.

Nach der Veröffentlichung unserer Redaktion wurde laut Sommers Aussage sogar der Kontakt abgebrochen. Man habe ihr gesagt, dass dies nicht weiter gewünscht sei, so die 53-Jährige. Der zuständige Landkreis Emsland sagt, er sei nicht mehr „Herr des Verfahrens“ gewesen, als Sommer zusätzlich noch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt hat. „Auskunftsersuchen müssen somit an sie gerichtet werden“, sagt Pressesprecherin Anja Rohde.

Für Sommer ist das nur eine Ausrede. Sie stehe mit dem Veterinäramt schon seit Monaten in Kontakt und es sei ihr nur um eine einfache Nachfrage gegangen. „Dort werden Verantwortungen einfach hin und her geschoben“, sagt sie, „bis die Sache im Sand verläuft“.

„Ein ‚gutes‘ Veterinäramt nimmt die eingehenden Tierschutzanzeigen ernst und versucht alles erdenklich Mögliche, um den betreffenden Tieren schnell und langfristig zu helfen“, betont Dörte Röhl von der Tierschutzorganisation Peta. Im Sinne der Tiere wünsche man sich eine möglichst strenge Auslegung der „ohnehin unzureichenden“ Tierschutzbestimmungen.

Mit dem Veterinäramt des Landkreis Emsland hat Peta in der Vergangenheit häufiger schlechte Erfahrungen gemacht. 2014 wurde es als eine der „tierfeindlichsten“ Veterinärbehörden Deutschlands bezeichnet. Auch zwei Jahre später hat sich die Meinung nicht wesentlich verbessert. Peta habe dort weitere Fälle mit dem Verdacht des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gemeldet. „Eine Auskunft erhielten wir nicht in allen Fällen, teils erst nachdem wir nachgehakt haben“, so Röhl. Auf eine Anfrage unserer Redaktion antwortete der Landkreis, dass solche Auskünfte aus datenschutzrechtlichen Gründen generell nicht möglich sind.

Doris Schaffron, ehemalige Leiterin des Lingener Tierheims, kann ebenfalls von negativen Erfahrungen mit dem Veterinäramt erzählen. „Das Wohl der Lebewesen sollte dort eigentlich im Vordergrund stehen, doch das habe ich nicht einmal erlebt“, sagt die 62-Jährige. Die Mitarbeiter der Veterinärbehörde hätten meistens „unwillig reagiert“, sie hätten nur zusätzliche Arbeit gesehen.

Dabei war es Schaffron und ihren Kollegen immer um Kooperation gegangen und nicht um Konfrontation. „Wir sind professionelle Tierschützer und keine Hinterhoftierschützer“, sagt sie. Sie hätten immer wieder den Kontakt zum Veterinäramt gesucht, aber die häufigste Antwort sei gewesen: „Der Fall ist grenzwärtig“ – und dann sei nichts mehr passiert. Ihr Urteil fällt deshalb eindeutig aus: „Das Veterinäramt war während meiner beruflichen Laufbahn an keiner Zusammenarbeit interessiert.“

Mit diesen Worten bestätigt die ehemalige Tierheimleiterin den Eindruck von Sommer. Doch glücklich macht sie das auch nicht, der Fall ist eingestellt. Sie macht sich jetzt große Sorgen um das Wohl der Tiere in der Hundeschule. Denn der Hundetrainer kann erst einmal weitermachen wie bisher. „Ich rufe aber alle Menschen auf, bei Tierquälerei nicht wegzuschauen“, sagt sie. Der Fall habe zumindest etwas Staub aufgewirbelt.

* Name von der Redaktion geändert


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