Landeskirche reduziert Gelder Kirchenkreistag Emsland beschließt Sparbeschlüsse

Abgestimmt wurde über zahlreiche Anträge beim Kirchenkreistag Emsland-Grafschaft Bentheim. Foto: Ulrich HirndorfAbgestimmt wurde über zahlreiche Anträge beim Kirchenkreistag Emsland-Grafschaft Bentheim. Foto: Ulrich Hirndorf

Haren. „Ecclesia semper reformanda – Kirche ist immer zu reformieren.“ 64 Delegierte aus 26 Kirchengemeinden des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim haben beim Kirchenkreistag (KKT) in Haren eine strukturelle Neuausrichtung eingeleitet.

Bereits im Eröffnungsgottesdienst in der St. Johanniskirche stellte Pastor Torben Rakowski eine kleine Schatzkiste neben die Kanzel und konstatierte: „Auch 1517 ging es schon als Auslöser der Reformation um das liebe Geld, warum sollte das im Reformationsgedenkjahr anders sein?“

Im Laufe der Predigt legte er dann aber da, dass der wahre Schatz der Kirche nicht der Doppelhaushalt für die Jahre 2017/18 sei, sondern die Armen, um die es sich zu kümmern, gelte und die Worte des Evangeliums, die den Christen immer wieder Handlungsmaßstäbe für eine sich verändernde Welt an die Hand gäben.

65.000 Mitglieder

Trotzdem ließ es sich laut einer Pressemitteilung des Kirchenkreises „nicht vermeiden, dass die Delegierten zum Teil sehr emotional um die zukünftige Finanzausstattung der Kirchengemeinden mit ihren 65.000 Mitgliedern debattierten“. Zum neuen Zuweisungsrecht lagen gleich fünf unterschiedliche Vorschläge auf dem Tisch. Im Zuge der Abstimmung fanden jedoch die Vorschläge keine Mehrheit, die Mehrausgaben im Haushalt von bis zu einer Million Euro einkalkuliert hatten.

Die Vorsitzende des Finanzausschusses stellte während der Diskussion klar, dass ein Wandel eingeleitet werden müsse. Darum warb sie mit ihrem Konzept um die Chance eines übersichtlichen, zweckbindungsfreien und flexiblen Zuweisungsrechts: „Wir werden in Zukunft nicht alles erhalten können, was wir lieben und schätzen, denn definitiv werden wir von der Landeskirche ab 2022 weniger Mittel erhalten. Dafür bleiben uns nun diese Jahre, um uns darauf vorzubereiten, mit den Kirchenvorständen in den Gemeinden“, so die Vorsitzende Ute van Kampen. Ihr Vorschlag setzte sich durch.

Weniger Landesmittel

Ursache der Beratungen ist die Veränderung im landeskirchlichen Zuweisungsrecht. Die Landeskirche überweist Gelder nur noch nach Gemeindegliederzahl, Anzahl von Kirchengemeinden und zu einem geringen Teil für die regionale Entwicklungsstruktur. Ab 2022 dann mit dynamisch sinkenden Zuweisungen von jährlich 1,5 Prozent.

Sowohl die Vorsitzende der Mitarbeitendenvertretung, Annette Reinink, als auch Kirchenkreisamtsleiter Daniel Aldag betonten, dass trotz der geplanten Einsparungen Mittel für den bestehenden Personalaufwand der über 500 Beschäftigten gesichert seien und Änderungen nur im Zuge von Neubesetzungen in Abstimmung mit den Kirchenvorständen erfolgen werden. Mit dem neuen Zuweisungsrecht erhalten die 26 Gemeinden des Kirchenkreises eine Grundzuweisung, die unabhängig von der Größe der Gemeinde ist und eine Zuweisung, die sich an der Mitgliederzahl orientiert.

Auf dem Prüfstand

Superintendent Bernd Brauer freute sich, dass nach gut zweijähriger Beratung nun ein Beschluss feststeht: „Der Kirchenkreis stellt sich verantwortungsvoll den Herausforderungen der Zukunft. Wir haben demokratisch breit aufgestellt und transparent diskutiert bis zum heutigen Tage. Doch nun fängt die Arbeit erst richtig an.“ Um der Zukunft und den Bedürfnissen der Kirchenmitglieder und der Gesellschaft gerecht zu werden, werd vieles auf den Prüfstand kommen. Bereits jetzt gingen 88 Prozent der zugewiesenen Mittel direkt in die Gemeinden.

Wengier Schadstoffe

Um nicht nur als Gemeinde, sondern auch als Kirchenkreis mit seinen Werken und Einrichtungen wie beispielsweise der Diakonie handlungsfähig bleiben zu können, geht es nicht nur um Einsparungen, sondern auch um ein Steigern der Erträge durch grundlegendes Fundraising“, so Brauer.

Auf dem Programm der Kirchenkreistagssitzung standen weitere strukturgebende oder informative Themen. So referierte der Vorsitzende des Umweltausschusses des, Uli Spethmann über die Umweltziele der lutherischen Kirche in ihrem Vorbildcharakter. Bis 2030 sollen auf Kirchenebene 30 Prozent des CO² Verbrauchs eingespart werden. Das Umweltmanagement „Grüner Hahn“ werde in vielen bereits Gemeinden umgesetzt.


500 Jahre Reformation

pm Haren. Superintendent Bernhard Brauer berichtete auf dem Kirchenkreistag über den Verlauf des eingeleiteten 500-jährigen Gedenkjahres der Reformation.

Die Reformation habe 1517 den Wert eines jeden einzelnen Getauften erkannt und dadurch eine neue Sicht auf die Rolle und den Wert von Kirchengemeinden gelegt. 14 Kirchengemeinden haben mit Unterstützung des Kirchenkreises besondere Projekte in Gemeinden und Regionen angestoßen und geben ein buntes Bild kirchlichen Engagements. Von der Reise auf den Spuren des Ehepaares Luther bis hin zu ökumenischen Veranstaltungen, Feiern und Gottesdiensten.

Überhaupt sei die Ökumene eine wichtige Dimension dieses Jubiläumsjahres, so der Superintendent: „Dazu gehört die Präsentation der neuen Lutherbibel in der Ökumene Nordhorns genauso wie der Abschluss mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kreuzkirche Lingen.“ Als zentrale Aufgabe und größtes Projekt sehe er aber im Rahmen gerade der damaligen Bildungsoffensive, die mit der kirchlichen Reformation einherging, die Einbeziehung junger Menschen im Reformationsgedenkjahr durch den Schülerwettbewerb „Wir gestalten Reformation“. Dieses Projekt werde von den drei leitenden Geistlichen und der Schirmherrschaft beider Landkreise mitgetragen und animiere Lerngruppen aller Schulformen, sich mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft reformatorischer Ideen für die Gesellschaft auseinanderzusetzen. Ganz im reformatorischen Interesse „Ecclesia semper reformanda“ (Kirche ist immer zu reformieren).

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