Umbau für zwei Millionen Euro Polizei Meppen wieder zurück in der Bahnhofstraße

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. Nach eineinhalb Jahren sind die rund 80 Beschäftigten des Polizeikommissariates Meppen wieder in ihr altes Domizil in der Bahnhofstraße eingezogen. In dieser Zeit ist das Denkmal geschützte Höger-Haus von seinem Besitzer, der Stadt Meppen, aufwendig für rund zwei Millionen Euro saniert und modernisiert worden.

Während der Bauzeit vom 5. Mai 2015 bis jetzt waren die Polizisten im ehemaligen Kreiswehrersatzamt in rund 100 Meter Entfernung untergebracht. Polizeioberrätin Martina Schümers sagte in einem Pressegespräch: „Die unmittelbare Nähe der beiden Gebäude hatte für uns viele Vorteile.“ Zudem konnten auch die Bürger das Ausweichquartier der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben leicht finden. Auch die Büroflächen hätten allen Ansprüchen von der Größe her gereicht. Allerdings gab es dort keine Zelle. Hier mussten die Meppener Kollegen Häftlinge zu den Polizeikommissariaten nach Papenburg und Lingen fahren.

2212 Quadratmeter

Inzwischen haben die Mitarbeiter jedoch ihre neuen Räume auf einer Gesamtfläche von 2212 Quadratmetern bezogen und fast alle Umzugskartons sind ausgepackt. „Wir haben alle neue Möbel bekommen“, so die Kommissariatsleiterin. Polizeioberrätin Schümers ist stolz darauf, dass „wir ohne Unterbrechung weiterarbeiten konnten“. Dies gilt auch für die Computerarbeit in der Wache selbst.

Sven Kotthoff begleitete für die Polizei das Bauvorhaben. „Alle Kollegen sagen, dass es sehr schön geworden ist. Zudem ist das Gebäude sehr funktional.“ Als Leiter des Kriminaltechnischen Ermittlungsdienstes sagte Manfred Welling: „Wir haben nach dem Umbau auf jeden Fall bessere Büros bekommen.“ Der stellvertretende Kommissariatsleiter Raimund Brinkmann wies allein auf die komplett neue Beleuchtung hin: „Vorher hatten wir hier Neon-Röhren aus der 1980-er Jahren.“

Neue LED-Lampen

Laut Kotthoff gibt es nicht nur in allen Räumen LED-Lampen, sondern auch überall Präsenzmelder. Dabei dimmt sich das Licht in den Büros und Fluren automatisch ab, sobald sich über längere Zeit niemand mehr dort aufhält. Die Lichtleistung passt sich zudem den Außenlichtverhältnissen an. Überhaupt „ist keine Stromleitung im Gebäude mehr wie vorher“, so der Projektleiter. Es seien allein 34 Kilometer Netzwerkkabel über sechs Stränge pro Etage verlegt worden.

Über einen Lift können zudem jetzt auch Rollstuhlfahrer das Erdgeschoss des Polizeikommissariates erreichen. Zudem wurde eine behindertengerechte Toilette eingebaut.

Weiterhin hält die Polizei in Meppen drei Zellen vor. „In einer haben wir den Steinpodest entfernen lassen, um die Verletzunggsgefahr für die Insassen zu minimieren“, so Schümers. Gute Nachrichten auch für Alkoholsünder. Auch das Blutentnahmezimmer wurde modernisiert. Aber es gibt auch noch offene Baustellen. „Ein Videovernehmungszimmer soll noch kommen“, so Welling. Hier können dann später einmal „rechtswirksame erste Vernehmungen zum Beispiel von Sexualopfern oder Tätern“ durchgeführt werden.

Das Innere des Gebäudes wurde weitgehend saniert und modernisiert. Angefangen von der Heizung bs zu den Fenstern. Dabei mussten immer wieder die Belange des Denkmalschutzes bedacht werden. Dies gilt für die Farben ebenso wie für Türen oder Sichtblenden.

Zwei Millionen Euro

Zwei Millionen Euro fließen in die Baumaßnahme. Dabei ist das Höger-Haus in Meppen eines der wenigen Gebäude des berühmten Architekten Fritz Höger, das noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist. Das Gebäude in der Bahnhofstraße ist von Höger selbst in den Jahren 1937 und 1938 geplant und errichtet worden. Ursprünglich waren Sparkasse und Kreisverwaltung gemeinsam dort untergebracht, später dann auch das Landratsamt des Altkreises Meppen. Nach der Fusion der drei Altkreise zum Landkreis Emsland kaufte die Stadt Meppen das Gebäude 1982. Seit 1985 bewohnt die Polizei die Immobilie. Vertraglich hat sich das Land Niedersachsen verpflichtet, dort noch für 20 weitere Jahre das Polizeikommissariat Meppen vorzuhalten.

Innenminister kommt

Am 16. Januar 2017 wird Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius das Gebäude einweihen. Schon jetzt sagen Martina Schümers und ihre Kollegen der Stadt Meppen „ein herzliches Dankeschön für die hervorragende Kooperation“. Die Bürger können ihre Polizei beim Tag der offenen Tür am 7. Mai 2017 in Augenschein nehmen. Voraussichtlich danach wird zum Abschluss auch noch das Dach des historischen Gebäudes komplett erneuert. An den Gesamtkosten von 460.000 Euro für die Stadt Meppen will sich der Bund mit 230.000 Euro aus Mitteln des Denkmal-Schutzsonderprogramms beteiligen.


„Der Deutsche baut sich selbst“

tb Meppen. Keine Frage: Das Höger-Haus gehört zu den wenigen den Charakter der Stadt prägenden Gebäuden Meppens. Schon seine Planung und Errichtung fanden deshalb großen Widerhall in den Zeitungen – unterwürfige Deutschtümelei und Hitlerverehrung inklusive.

Im November 1935 berichteten die Neuen Volksblätter über das Ergebnis eines Architektenwettbewerbes. Er war von der Kreissparkasse Meppen und dem Landkreis ausgeschrieben worden und hatte sieben Architekten aus Meppen (Sanders und Deeken), Köln, Düsseldorf oder Hamburg dazu bewogen, einen Vorentwurf einzureichen. Am Ende lag Professor Fritz Höger vorn, damals bereits ein bekannter Mann. Högers Lösung sei ebenso einfach wie überzeugend gewesen, hatte die Jury entschieden – schlicht, sachlich und modern.

Im Mai 1936 erfolgte der erste Spatenstich – Landrat im Kreis Meppen war damals Werner Zimmermann. Er wurde später als Kreishauptmann ins besetzte Polen abgeordnet. Er wünschte sich, der Bau möge Kunde tun von der „Aufbauarbeit des Nationalsozialismus“. Ausschließlich heimische oder regionale Firmen erhielten Liefer- und Bauaufträge, 280000 Reichsmark sollte das neue Schmuckstück der Stadt kosten, das im Erdgeschoss die Sparkasse und in den oberen Räumen die Meppener Kreisverwaltung beherbergen sollte.

Im August folgte eine feierliche Grundsteinlegung. Architekt Höger erschien selbst zu diesem Termin, den führende Nationalsozialisten propagandistisch nutzten. Eine Urkunde beschreibt zum einen, dass der Landkreis Meppen ohne die Hilfe der Sparkasse nicht in der Lage gewesen wäre, einen Neubau zu finanzieren. Durch die Kostenteilung, wegfallende Mietzahlungen und Energieeinsparung durch Zentralheizung statt vieler Öfen, konnte der Landkreis Meppen mitbauen. Das repräsentative Grundstück hatte die Firma Krupp, die den Meppener Schießplatz betrieb, an die Bauherren verkauft.

Nazi-Propaganda

Wie die Nazi-Propaganda funktionierte, wird auch in der Urkunde deutlich. Erst durch die Machtergreifung Hitlers habe sich die Wirtschaft erholt und so der Sparkasse starkes Wachstum ermöglicht und einen Neubau notwendig gemacht, heißt es darin. Am Ende war Adolf Hitler selbst für den Neubau verantwortlich.

Die Urkunde wurde samt Bauplänen, Bildern der damals Verantwortlichen, einer Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ und dem Parteiprogramm der NSDAP an unbekannter Stelle eingemauert. Architekt Höger selbst sprach von einem „Zeichen deutscher Kultur in der Backsteinbaukunst“ und einem „Zeugnis niederdeutscher Art“. Auch zum Richtfest im November 1936 erschien Höger wieder selbst in Meppen. Deutsche Häuser hätten eine deutsche Seele, glaubte er, der Deutsche baue sich selbst.

Im Dezember 1937 dann war das Gebäude fertig. 2200 Quadratmeter Nutzfläche waren tatsächlich eine unerhörte Größe, die Architektur des Hauses gilt bis heute als wegweisend. „Handgestrichener Rasteder Klinker“ fand Verwendung, im Sonnenlicht glitzernde Butzenglasscheiben, eine Vertäfelung aus Kiefernholz. Das Tageslicht kam an allen Arbeitsplätzen im Gebäude von links, das Gedankengut aber noch stramm von rechts. Mehrere Hitlerstatuen, -büsten und Reliefs waren im Haus verteilt, der Keller als Luftschutzraum für kommende dunkle Zeiten vorbereitet.

42 Arbeitszimmer konnte allein das Landratsamt nutzen, 110 vollautomatische Telefonanschlüsse waren unter Putz verlegt. Die Tür des riesigen Geldschrankes wog 115 Zentner, ein eigener kleiner Aufzug ermöglichte den Geldtransport ohne Benutzung der Treppen. Am Ende war man mit 280000 Reichsmark nicht ausgekommen, sondern musste 300000 investieren. Einer populären Umrechnungstabelle zufolge könnte das heute rund 1,4 Millionen Euro entsprechen. Ein Angestellter verdiente damals 1850 Reichsmark pro Jahr.

Fritz Höger (1877–1949) gilt als einer der führenden Vertreter des norddeutschen Backsteinexpressionismus. Bekannt wurde er durch das Chile-Haus in Hamburg. In Meppen hat er neben der heutigen Polizei, dem Höger-Haus, auch die sogenannte Höger-Siedlung an der Fullener Straße in Esterfeld geplant. 3000 Gebäude hat Höger, der sich selbst „Baumeister“ nannte, nach eigenen Angaben geschaffen, darunter auch das Rathaus in Wilhelmshaven