Aufräumen nach der Flut Meppen und das Hochwasser 1946

Beim Hochwasser 1946 diente der Einmündungsbereich des Fuller Kirchwegs in die Stadtheidestraße in Meppen-Esterfeld als Hafen. Foto: Manfred FickersBeim Hochwasser 1946 diente der Einmündungsbereich des Fuller Kirchwegs in die Stadtheidestraße in Meppen-Esterfeld als Hafen. Foto: Manfred Fickers

Meppen. Als vor 70 Jahren das Land Niedersachsen gegründet wurde, stand die Stadt Meppen vor großen Problemen. Es waren nicht nur die Folgen der Kriegszerstörungen zu bewältigen, sondern auch die Schäden des Emshochwassers im Februar 1946.

Der damals neunjährige Heinz Thole, der mit seinen Eltern und seinem elfjährigen Bruder im Haus Fuller Kirchweg 13 in Meppen-Esterfeld lebte, sah die gewaltigen Wasserfluten, die am 11. Februar durch zwei Löcher im Schullendamm und ein Loch im Emsdeich bei der heutigen Grabbestraße in die tiefer gelegenen Gebiete des Stadtteils flossen. Das Wasser in der in der Ems und in der Flutmulde bei Rühle, Fullen und Versen machte Esterfeld zur Insel. Da traf es sich gut, dass die beiden Jungen ein Ruderboot besaßen, welches sie auf aus dem toten Emsarm beim Bergham durch den unter Wasser stehenden Teil des Esterfelder Forstes zum Rand des überfluteten Gebiets beim Elternhaus holten. Der Fuller Kirchweg war glücklicherweise nicht überschwemmt. Von hier aus transportierten sie Personen aus im Wasser stehenden Häusern zu trockenen Gebieten an der Versener Straße und halfen bei der Verteilung von Lebensmitteln, die die Militärverwaltung mit Booten der im Emsland stationierten polnischen Pioniere zur Einmündung Stadtheidestraße/Fuller Kirchweg bringen ließ. Dennoch „es reichte bei weitem nicht“, erzählt Heinz Thole. Immerhin war die Hilfsbereitschaft der Esterfelder untereinander einzigartig. „Jeder half so gut er konnte.“

Thole berichtet weiter: „Das Hochwasser ging langsam zurück, hinterließ aber ein Chaos. Jetzt war Aufräumen angesagt, und die Beseitigung der Schäden, so gut es ging. Jeder half nach seinen Möglichkeiten.“ Die Ems hatte dicke Lagen Sand auf Äcker und Wiesen geschwemmt. Die Stadtverwaltung Meppen gab im März bekannt, dass es sich um 4200 Kubikmeter handelte, die in Handarbeit beseitigt werden mussten, damit Landwirte wieder die dringend benötigten Lebensmittel erzeugen können. Dazu wurden Bürger zu Arbeitseinsätzen aufgerufen.

„Der Schullendamm wurde instandgesetzt, dabei wurde auch gleich die Fahrbahn erheblich erhöht. Der Sand wurde mit den Loren einer Feldbahn aus dem Wald nördlich vom Fuller Kirchweg geholt. Auf dieser Fläche befindet sich aktuell noch der Union-Sportplatz. Ebenfalls wurde ein Schutzwall vom Schullendamm bis zum Rühler Sommerweg gebaut. Der Deich links der Ems wurde von der Emsbrücke bis zur jetzigen Freilichtbühne verstärkt und erhöht. An der heutigen Grabbestraße wurde zur Entwässerung eine leistungsstarke Pumpenanlage installiert. Esterfeld ist dadurch sicherer geworden, eine solche Katastrophe wird sich hoffentlich nicht wiederholen“, sagt Thole.

Heinz Thole besitzt noch ein besonderes Andenken an das Hochwasser 1946. Monate nach der Flutkatastrophe bekam seine Familie Besuch von einem Mann, der sich mit einem selbst gemalten Bild bedankte. Denn mit dem Boot der Familie Thole waren der Mann und seine Frau aus ihrem überschwemmten Haus herausgeholt worden, das später teilweise einstürzte.


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