„Himbeereis und flotter Käfer“ Wirtschaftswunder-Revue im Meppener Theater

„Himbeereis und flotte Käfer“: eine Wirtschaftswunderrevue mit dem Duo Bellevue in Meppen. Foto: Heidemann„Himbeereis und flotte Käfer“: eine Wirtschaftswunderrevue mit dem Duo Bellevue in Meppen. Foto: Heidemann

Meppen. Als Duo Bellevue hat das Hunsrücker Künstlerehepaar Gabriele und Alexander Russ das Meppener Publikum mit seiner Nostalgie-Show „Himbeereis und flotter Käfer“, einer humorvollen Reise durch die deutsche Wirtschaftswunderzeit, einen erinnerungsträchtigen Retro-Kultabend beschert.

Mit dieser Show ist das Duo Gabriele und Alexander bereits seit zehn Jahren erfolgreich in ganz Deutschland unterwegs, nun wollten sie auch die emsländischen Theaterbesucher mit „handgemachter“ Livemusik aus den 50er und 60er Jahren zum Mitsingen hin- und mitreißen. Das Programm des Duos war durchaus mehr als eine wieder aufgelegte Schlagerparade für In-die-Jahre-Gekommene.

Multimedia-Leinwand

Zu ihrem Auftritt gehörte auch eine Multimedia-Leinwand, auf der 1950er- und 1960er-Jahre-Werbeclips sowie Eindrücke der damaligen Mode- und Autowelt die entsprechende Wirkung im Publikum nicht verfehlte, wie am geraunten vergnüglichen Erfahrungsaustausch im Theatersaal zu hören war. Und die Parodien, Geschichtchen und Anekdoten über die Stars der damaligen Film- und Fernsehwelt ließen eine ganze Epoche wieder aufleben, erzeugten. erinnerndes Nicken und Schmunzeln. Mit genießerischem  Amüsement lauschten die Theaterbesucher der Erwähnung „ihrer“ Wegbegleiter von früher - Heinz Erhardt, „Babba“ Hesselbach, Jürgen von Manger, Heinz Schenk. Und wie schön ist doch so ein Wiedersehen mit „Tante Tilly“ oder dem „Bärenmarke-Teddy“.

Rauschender Klang

Mit Gitarren, Mandoline, Konzertina und dem rhythmisch rauschenden Klang von Alexanders Schlagzeugbesen, die mit der entsprechenden Wischtechnik Gabrieles Gesang und ihrer Gitarre einen sustainen Hintergrundklang gaben, ging die musikalische Reise durch die Vielfalt der 1950er und 1960er. Mit junger frischer Stimme traf Gabriele ganz unverstaubt den Gesangstil von Connie Froboess ebenso wie von Caterina Valente, Heidi Brühl, Manuela oder Peggy March. Alexander glänzte mit Bill Ramsey, und seine „Motorbiene“ wurde stimmlich so anschaulich in Szene gesetzt, dass man die Auspuffgase förmlich zu riechen meinte. Ob „Mäckie Boogie“ oder „Zuckerpuppe“, ob „Mit 17 hat man noch Träume“, „Banjo-Boy“ oder „Ich will keine Schokolade“ – spritzig und beschwingt  hatte das Publikum seinen Spaß, und Mitsingen war eigentlich geradezu ein Muss, eben Kult, ob bei der krimilosen „Mimi“ oder „Baby, Baby, balla balla“.

Erinnerungsimpulse

Doch trotz mehrfacher Ermunterung seitens der Künstler war das Mitsingen seitens des Publikums eher ein leise verträumtes, was es den Künstlern nicht leicht machte, die beabsichtigte losgelassene Stimmung zu erzeugen. Auf großes Interesse stießen die Erinnerungsimpulse in Alexanders Moderation, aber vor allem die gut erzählten Blicke ins Leben der musikalisch zitierten Stars. Allerdings kam so mancher Witz, mancher Brückenschlag zwischen dem Heute und dem Gestern, manche Überleitung zur nächsten Nummer ein wenig mühselig daher, und so ganz war die Verbindung zwischen dem Dressurakt des mitgebrachten Familienhundes mit dem Fernsehliebling Lassie nicht nachzuvollziehen.

Mimische Qualität

Doch insgesamt erreichte die musikalische und mimische Qualität der beiden Künstler das Publikum , indem sie den Charme der 1950er und 1960er vielseitig und mit eigener Freude transportierten. So konnte es auch gar nicht anders sein, dass mit dem Programmende noch längst nicht Schluss war, sondern die Stimmung auf ihrem (leider noch immer leicht verhaltenen) Höhepunkt, was die Künstler gerne mit Zugaben, die Besucher mit anhaltendem Applaus honorierten, bevor sie sich auf dem Weg nach draußen allerdings weiter höchst angeregt über ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die 1950er und 1960er Jahre austauschten.


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