Preis mit Prestige Vater-Sohn-Gespann aus Meppen gewinnt Regatta in Boston

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Die Meppener Samuel (links) und Heiner Tieben traten in diesem Jahr gemeinsam bei der legendären Boston-Regatta an. Und landeten in ihrer Kategorie prompt auf dem ersten Platz. Foto:privatDie Meppener Samuel (links) und Heiner Tieben traten in diesem Jahr gemeinsam bei der legendären Boston-Regatta an. Und landeten in ihrer Kategorie prompt auf dem ersten Platz. Foto:privat

Meppen. Die Head of the Charles - Regatta in Boston ist der mutmaßlich größte Ruderwettbewerb der Welt. In diesem Jahr verewigten sich zwei Meppener in den Annalen des Wettbewerbes. Das Vater-Sohn-Gespann Sam und Heiner Tieben errang in der entsprechenden Kategorie den ersten Platz. Der Erfolg kam nicht ganz unerwartet: Sohn Sam zählt seit Jahren zu den besten deutschen Ruderern.

Rudern ist bei den Tiebens fast schon eine Art Familientradition. Seit Jahrzehnten zieht es den heute 60-jährigen Heiner aufs Wasser, zwischendurch war er auch als Rudertrainer tätig. Sein Sohn begeisterte sich dann ebenfalls irgendwann für den Sport. „Ich habe früher verschiedene Disziplinen ausprobiert, mich aber nirgendwo so richtig wiedergefunden“, erzählt der 26-jährige. Irgendwann habe er beschlossen, es mal mit der Passion seines Vaters zu versuchen. Da sprang der Funke dann über. Ausgebildet zunächst von seinem Vater, dann im Sportinternat Ratzeburg, trainiert Tieben seit seinem zehnten Lebensjahr. Aktuell wartet der Noch-Jurastudent in Meppen auf seine Examensnoten, zwei Mal täglich geht er rund anderthalb Stunden zum Rudern aufs Wasser. „In diesem Umfang habe ich in den letzten beiden Jahren praktisch täglich trainiert“, sagt Tieben. Die jährliche Distanz, die er dabei zurücklegt, schätzt er auf 10.000 Kilometer.

Zum dritten Mal in Boston

In Boston ging Tieben in diesem Jahr zum dritten Mal an den Start. Er spricht vom legendären Ruf der Regatta; schon Jahre zuvor habe sein Vater den Wunsch gehabt, ihn dort an den Start zu bringen. „Es sind immer viele Scouts vor Ort und für talentierte Ruderer werden Stipendien ausgeschrieben.“ Die Hürden für einen Startplatz bei der Regatta sind hoch, gute Platzierungen bei anderen Wettbewerben Pflicht. Nach dem zweiten Platz bei der Europameisterschaft der Hochschulen 2011 standen zwischenzeitliche Rückenprobleme der Teilnahme entgegen. Am Ende erwiesen sie sich zwar als harmlos - aber auch als langwierig genug, um eine erste Teilnahme erst 2014 zu ermöglichen. Damals belegte Tieben im Einzel in seiner Kategorie direkt den ersten Platz. Mit dem Resultat durfte er 2015 bei den Champions antreten - der höchsten Kategorie im Wettbewerb, in der auch Vertreter der Weltspitze an den Start gehen. Dort wurde Tieben fünfter, was ihn zur erneuten Anmeldung in diesem Jahr berechtigte. (Weiterlesen: Lingener Ruderer kehrt mit WM-Silber zurück)

Bis zu 400.000 Zuschauer

Besonders beeindruckend sei in Boston der Enthusiasmus des Publikums: „Bis zu 400.000 Zuschauer verfolgen am Flussufer das Rennen. Man wird schon beim Aufwärmen wahnsinnig angefeuert.“ Eine Begeisterung in dieser Dimension sei in Deutschland völlig undenkbar - genauso wie die Nahbarkeit internationaler Rudergrößen: „Am Samstag gibt es in Boston immer eine Party. Bei der kann man problemlos mit Olympiateilnehmern und Titelträgern in Kontakt treten.“ Eine derart unprätentiöse Atmosphäre unter Athleten sei hierzulande unüblich, das Miteinander noch stark von Hierarchien geprägt.

Geliehenes Boot

In diesem Jahr gingen Vater und Sohn gemeinsam an den Start. Zum Akklimatisieren blieb den Tieben in Boston nur wenig Zeit: Nur einige Tage hielten sie sich in den Staaten auf. Um einem Jetleg vorzubeugen, sei man vom Flieger direkt in die erste Trainingseinheit gegangen - ein unter Sportlern probates Mittel. Ein Boot lieh sich das Gespann vor Ort: „Das ist immer ein Glücksspiel. Wir hatten in diesem Jahr ein australisches Fabrikat, damit kamen wir ziemlich gut zurecht.“ - wie dann ja auch die Platzierung belegte. Im nächsten Jahr würde Tieben gerne wieder nach Boston fahren - so es zeitlich und finanziell möglich ist. Die 600 Euro Startgeld, der Trip nach und der Aufenthalt in Boston seien keine Kleinigkeit, Fördermöglichkeiten gebe es nur wenige:„Obschon Deutschland eigentlich eine Rudernation ist, hält sich die Unterstützung des Sportes in Grenzen.“ Tieben, der mit seinen Leistungen im Dunstkreis des Olympiakaders rangiert, wird ihm dennoch treu bleiben: „Rudern ist ein Sport, den man bis ins Alter ausüben kann. Mir persönlich gefällt zudem, dass ich man Rudern als Einzelsport ausüben kann.“


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