Unzumutbare Belastung befürchtet Meppen: Anwohner in Versen fordern Neuplanung für E233

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Meppen. Bewohner des Meppener Stadtteils Versen haben am Montag ein Protestbanner aufgestellt. Sie wehren sich gegen die aktuellen Planungen zum Ausbau der Europastraße 233 und befürchten eine stark zunehmende Verkehrsbelastung.

Gut 50 Erwachsene und 30 Kinder von der Frankfurter Straße, aus dem alten Dorfkern, aber auch aus anderen Ortsteilen wollten im Vorfeld einer Bürgerversammlung am Mittwochabend im Heimathaus Sorgen und Unmut kundtun. Ihnen geht es dabei nicht darum, den Ausbau der Europastraße zu verhindern. Sie wehren sich vielmehr gegen das Vorhaben, in Versen zwei Abfahrten der später quasi als Autobahn betriebenen Trasse zu bauen, eine davon in Verbindung zur Landesstraße 48, die in Versen selbst Frankfurter Straße heißt.

Zum Hintergrund: 2011 hatte der Landkreis Emsland noch den Bau zweier Anschlussstellen in Versen geplant –und zwar beim Euroindustriepark Versen (Süd-Nord-Straße) und an der Frankfurter Straße. Nach Prüfung des Entwurfes durch das Bundesverkehrsministerium musste diese Planung aber dahingehend geändert werden, dass die beiden Anschlussstellen zu einer zusammengelegt werden sollten. Es entstand die Planung für einen Anschluss an der Neuversener Straße (Tuntel), der die Aussiedelung zweier Höfe notwendig gemacht und den Euroindustriepark nicht direkt angebunden hätte.

„Geänderte Prognosen“

„Wegen geänderter Voraussetzungen und Prognosen zu den Verkehrszahlen für das Jahr 2030“, wie es beim Landkreis Emsland im Sommer hieß, soll nun aber doch wieder die erste Variante realisiert werden – für die Anwohner im Versener Dorfkern eine unliebsame Überraschung. Denn wie Monika Mai, Jürgen Herbers, Ulrike Krallmann und Jens Fischer stellvertretend für die Anwohner berichteten, fungiere die Frankfurter Straße dann als alleiniger Zubringer zur vierstreifigen E 233 im Ortskern Versen, da die Anschlussstelle beim Euroindustriepark viel zu weit entfernt sei.

Befürchtete Folge: Stark steigende Verkehrsbelastung durch Autos und Lkw, dadurch Lärmbelastung und extreme Gefährdung der Schüler und Kindergartenkinder, deren Einrichtungen direkt oder sehr nahe an der Straße liegen. Die Überquerung der L 48 werde deutlich riskanter als bisher schon ohnehin, befürchten die Anwohner. Sie hatten vor rund 20 Jahren bereits einen Versuch gestartet, die Verkehrssituation zu entschärfen – ohne Erfolg. Nun sehen sie den Zugang zum einzigen Bäcker vor allem für Kinder und ältere Versener gefährdet, befürchten neue Risiken für Veranstaltungen auf dem Schützen- und dem Sportplatz, lange Rückstaus im Falle einer Sperrung der E233 und Gefahren für Schüler an zwei Bushaltestellen.

All diese Sorgen und einige weitere hatten die Anwohner im August 2016 per Brief an Landrat Winter und Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein geschickt – kurz nachdem die alte Variante überraschend wieder aktuell geworden war. In der Hoffnung, mit der Eingabe Gehör zu finden warteten die Versener ab. Tatsächlich antwortete der Landkreis Emsland und verwies wegen ausstehender Planungen auf eine anstehende Bürgerversammlung. Weil aber bereits im September der Kreisentwicklungsausschuss des Landkreises einstimmig das neue Konzept befürwortet hatte, „offensichtlich ohne unsere Sorgen ernst zu nehmen“, fühlen sich die Versener ein wenig verschaukelt. „Man könnte vermuten, dass auf Zeit gespielt wird, um die Bürger von Versen vor vollendete Tatsachen zu stellen“, hatten die Versener in einem Leserbrief formuliert.

Die angekündigte Informationsveranstaltung findet am Mittwochabend um 19 Uhr im Heimathaus Versen statt. Dann wollen die Versener ihre Forderungen bekräftigen, nämlich: Beibehaltung der bisherigen Abfahrt am Industriegebiet am Goldbach, weil dort der meiste Lkw-Verkehr entsteht, Sperrung der Frankfurter Straße für Schwerlastverkehr und verkehrsberuhigende Maßnahmen.

Am Rande einer Veranstaltung in Meppen hatte Landrat Reinhard Winter erklärt, nach derzeitigem Stand koste der Ausbau der E233 800 Millionen Euro. Weil sich das Vorhaben aber noch eine Weile hinziehen werde, sei eine Steigerung auf eine Milliarde Euro denkbar.


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