Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Hochkarätiger Bühnenklassiker im Theater Meppen

Von Michael Potthast

Bekriegen sich bis zum Äußersten: Urs Stämpfli, Judith Hoersch, Felix von Manteuffel und Leslie Malton. Foto: Michael PotthastBekriegen sich bis zum Äußersten: Urs Stämpfli, Judith Hoersch, Felix von Manteuffel und Leslie Malton. Foto: Michael Potthast

pott MEPPEN. Mit „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ war im Meppener Theater eine solide inszenierte und treffsicher besetzte Fassung des modernen Bühnenklassikers zu sehen.

Martha (Leslie Malton) kommt mit ihrem Ehemann George (Felix von Manteuffel) spät nachts alkoholisiert zurück in das gemeinsame Haus auf dem Campus der kleinen Universität, deren Dekan ihr Vater ist. Erst hier offenbart sie, dass sie den jungen neuen Biologieprofessor Nick (Urs Stämpfli) samt seiner Frau Honey (Judith Hoersch) auf Anraten ihres Vaters eingeladen hat.

George ist nicht gerade amüsiert über diese Tatsache und beginnt einen Streit. Auch nach der späten Ankunft der Gäste führt er diesen ungeniert fort und auch Martha hält sich mit Vorwürfen und Anfeindungen nicht zurück. Zunächst nur Zeugen dieser Auseinandersetzung, werden die zunächst schüchtern erscheinenden Gäste aktiver Teil des gnadenlosen Kleinkriegs. Mit stetig steigendem Alkoholpegel werden immer neue Gräben ausgehoben. Allesamt offenbaren diese tief liegende Wunden und Schwachstellen. Im Falle von Martha und George letztlich sogar eine Lebenslüge, die die Beziehung bis dahin wohl zusammenhalten sollte.

Eine Lebenslüge

Spätestens seit der gleichnamigen Verfilmung des Theaterstücks aus dem Jahr 1966 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen darf das Werk von Edward Albee als moderner Klassiker der Bühnenliteratur gelten. In der aktuellen Fassung, die von Martin Walser und seiner Tochter Alissa neu übersetzt wurde, kommen gehässiger Humor und tiefe Menschlichkeit gleichermaßen gut zum Ausdruck.

Den Regisseuren Claudia Prietzel und Peter Henning gelang es nicht nur die Vorlage gut umzusetzen, sondern auch die Charaktere in gelungener Weise darzustellen. Sicher dürfte ihnen dies bei der in Meppen zu sehenden Besetzung auch nicht schwergefallen sein. Schließlich standen mit dem Ehepaar Malton und Manteuffel versierte Darsteller auf der Bühne, die die Tiefen der Vorlage gut auszuloten und wiederzugeben vermochten.

Judith Hoersch als teils naive Ehefrau konnte die Zerrissenheit des Bühnencharakters zwischen Fixierung auf ihren Ehemann und ängstlicher Abscheu bestens darstellen. Ach Urs Stämpfli konnte in der Rolle des Nick zu dieser insgesamt gelungenen Umsetzung beitragen.