Übergriffe gegen Stieftochter? Amtsgericht Meppen verhandelt sexuellen Missbrauch

Vor dem Meppener Amtsgericht ist ein 47-jähriger Mann angeklagt, seine Stieftochter sexuell missbraucht zu haben. Symbolfoto: dpaVor dem Meppener Amtsgericht ist ein 47-jähriger Mann angeklagt, seine Stieftochter sexuell missbraucht zu haben. Symbolfoto: dpa

Meppen. Weil ihm vorgeworfen wird, seine achtjährige Stieftochter sexuell missbraucht zu haben, muss sich ein heute 47-jähriger Mann seit Mittwoch vor dem Meppener Schöffengericht verantworten. Der Prozess wurde vertagt, da der Anwalt des Angeklagten ein weiteres psychiatrisches Gutachten forderte.

Die Vorfälle, um die es geht, liegen zwölf Jahre zurück, und die Beteiligten leben nicht im Emsland, sondern im nordrhein-westfälischen Sauerland. Verhandelt wird aber vor dem Meppener Gericht, da sich das erste der beiden Vergehen in dieser Region ereignet haben soll, genauer: in einem Ferienhaus in Haselünne.

Dort hielt sich der Beschuldigte mit seiner damaligen Frau und deren achtjähriger Tochter im Sommer 2004 auf. Laut Anklage soll der damals 36-Jährige an dem Mädchen sexuelle Handlungen verübt haben. Eines Morgens habe sich das Kind zu Mutter und Stiefvater ins Bett gelegt. Während die Mutter noch schlief, soll der Mann seine Stieftochter aufgefordert haben, Körperteile zu benennen, die er dann nacheinander an ihr berührte. Dabei soll er mit einem Finger in sie eingedrungen sein, worauf das Mädchen Blutungen erlitt.

Angeklagter schweigt

Die Situation soll sich wenige Monate später in der Wohnung der Familie im Sauerland wiederholt haben. Wieder habe der Stiefvater das Mädchen vorgeblich spielerisch berührt, auch im Intimbereich.

Während der Angeklagte zu den Vorwürfen schwieg, sagte die mutmaßliche Geschädigte, die vor Gericht als Nebenklägerin auftritt, zu Details unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Die inzwischen 20-Jährige hatte ihren früheren Stiefvater, der seit 2007 von ihrer Mutter geschieden ist, erst im August 2015 wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt.

Blut an der Unterwäsche

Warum das so war, versuchte das Schöffengericht auch durch Zeugenaussagen der Mutter, der Cousine sowie des Ex-Freundes der jungen Frau zu ergründen. Die Mutter schilderte, sie habe die Vorfälle nicht mitbekommen, sich aber über die Blutflecken gewundert, die sie an der Unterwäsche des Kindes entdeckt habe. Dies habe nach zwei oder drei Tagen aufgehört, weshalb sie der Sache nicht weiter nachgegangen sei.

Die Tochter habe erst Mitte 2013 ihr gegenüber geäußert, dass der Stiefvater „sie angefasst habe“, dann aber auf Nachfragen nicht reagiert. Sie selbst, so die Mutter, habe ihrer Tochter zunächst nicht geglaubt. Das habe sich geändert, als die junge Frau sich im vergangenen Jahr ihrer Cousine anvertraute und die Vorwürfe damit artikuliert wurden.

„Vergessen und Verdrängen“

Auf Drängen der Cousine erstattete die Nebenklägerin schließlich Anzeige gegen ihren Stiefvater. Zuvor hatte sie ebenfalls ihrem damaligen Freund von den Ereignissen erzählt. Dieser sagte aus, auch er habe ihr zur Anzeige geraten, doch sie habe Angst gehabt, „dass nichts dabei herumkommt“.

Ein als Gutachter hinzugezogener Kinder- und Jugendpsychiater hob hervor, dass hier ein „Prozess des Vergessens und Verdrängens“ eine Rolle spiele. Demnach hätten sich die Vorfälle zu einer Zeit ereignet, als das achtjährige Kind sie nicht habe einordnen können.

Schulisch nachgelassen

Wohl aber hätten sich Auswirkungen gezeigt: Die schulischen Leistungen des Mädchens ließen 2004 deutlich nach, sodass sie ein Schuljahr zurückversetzt wurde. Neuerlich ausgelöst worden seien die Erinnerungen während ihrer Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, als sie die Aussagen eines Kindes protokollieren musste, das Opfer sexuellen Missbrauchs geworden war.

Der Fachmann bescheinigte der jungen Frau Glaubwürdigkeit; eine psychische Erkrankung könne er ebenso ausschließen wie mögliche Rachetendenzen. Auch gebe es keine Anzeichen einer fälschlichen Projektion.

Gegengutachten gefordert

Dem widersprach der Verteidiger des Angeklagten: Er lehnte das Gutachten ab; die Möglichkeit, dass es sich um eine „Pseudo-Erinnerung“ und damit eine „irrtümliche Falschaussage“ handele, sei nicht geprüft worden. Daher fordere er ein Gegengutachten.

Der Prozess wird am 8. November 2016 um 14 Uhr fortgesetzt.


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