Vermeintliches Verbrechen Abgesägte Liedertafeln sorgen für Unmut in Meppen


trg/mpoe Meppen. Eine gewisse Aufregung herrscht derzeit bei der Seniorenwerkstatt der Seniorenvereinigung Meppen. Der Grund: Am vergangenen Samstag verschwanden im Esterfelder Forst die Tafeln entlang der Straße der Lieder, welche die Gruppe vor Jahren angelegt hatte. Mitarbeiter der Stadt haben die Schilder abgesägt, um sie auszubessern.

Seitens der Seniorenwerkstatt witterte man umgehend ein Verbrechen: In der Zeit zwischen Freitagabend und Sonntagvormittag musste jemand mittels einer Säge die neun Eichenholztafeln am Rundweg im Esterfelder Forst entfernt haben. Das zumindest gab die Gruppe bei der Polizei zu Protokoll, wo sie eine Anzeige wegen Diebstahls aufgab, welche die Polizei anschließend als Pressemitteilung an die Medien herausgab.

Über die Vorgehensweise der Täter besteht dabei kein Zweifel: Die Pfähle der Schilder sind eindeutig abgesägt, vor Ort fand unsere Redaktion am Dienstag noch Sägespäne im Laub. Allerdings: Um ein Verbrechen handelt es sich bei der Tat mitnichten. Mitarbeiter der Stadt hatten im Auftrag der Tourist-Information Meppen (TIM) die Schilder „abmontiert“, wie es in einer ersten Stellungnahme hieß.

Tafeln werden renoviert

Die TIM hatte den Weg vor Jahren in Kooperation mit der Seniorenwerkstatt angelegt – die Tafeln seien aktuell schlicht renovierungsbedürftig, erklärte TIM-Geschäftsführer Manfred Büter auf Anfrage. Er konkretisierte zudem die Vorgehensweise des „Abmontierens“: Da die hölzernen Pfähle der Tafeln „morsch“ gewesen seien, habe man sie absägen müssen, statt sie aus den entsprechenden Verankerungen zu ziehen. Nach Feststellungen unserer Redaktion wirkten die Pfähle freilich noch massiv und keineswegs brüchig.

Derzeit, so Büter, würden die Tafeln beim städtischen Bauhof wieder auf Vordermann gebracht. Einige werden in Kürze wieder an ihren alten Standort zurückkehren, andere werden durch neue Tafeln ersetzt – manche Lieder seien schlicht nicht mehr zeitgemäß und vielen Menschen unbekannt. „Daher werden wir einige neue Tafeln gestalten mit Texten, die auch jüngeren Menschen bekannt sein sollten“, erklärt Büter die Pläne eines „Drei-Generationen-Liederweges“. Büter betonte zudem, man habe entsprechende Kontakte bei der Seniorenwerkstatt über diese Maßnahme informiert. Weiterlesen: Neues Bushaltestellenhäuschen in Meppen muss wieder verschwinden

Seniorenwerkstatt verärgert

Die Gruppe selbst sieht das etwas anders: „Uns waren die Pläne nicht bekannt“, teilte Heinz Rehse, Sprecher der Seniorenwerkstatt, am Dienstag mit. Seines Erachtens ist eine Aufbesserung der Tafeln unnötig: „Man hätte sie vielleicht mal nachstreichen können, aber ansonsten war ihr Zustand noch gut.“

Seitens der TIM hätte sich Rehse ganz klar eine bessere Kommunikation gewünscht: „Wir haben die Straße der Lieder ehrenamtlich gestaltet, da hätte man uns wenigstens mal Bescheid sagen können.“ Die vermeintlich verschwundenen Liedtafeln seien aktuell in der Gruppe ein großes Thema, große Verärgerung habe geherrscht – und herrsche weiterhin, wie Rehse klarmachte. Die von der Gruppe veranlasste Anzeige bei der Polizei bleibt übrigens weiterhin aktuell: Auch wenn es sich hier möglicherweise um ein Missverständnis handele, müsse letztlich die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen über den Fall entscheiden, teilte die Polizei mit.


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