Zahlen des Statistischen Landesamtes Emsland Spitzenreiter bei erneuerbaren Energien

Von Daniel Gonzalez-Tepper

Mehr als 500 Windräder produzieren im Emsland Strom, bis Mitte 2017 werden es mehr als 600 sein. Unter anderem deshalb gehört der Landkreis zu den Spitzenreiter bei der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Foto: Andreas SchüringMehr als 500 Windräder produzieren im Emsland Strom, bis Mitte 2017 werden es mehr als 600 sein. Unter anderem deshalb gehört der Landkreis zu den Spitzenreiter bei der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Foto: Andreas Schüring

Meppen. Der Landkreis Emsland gehört in Niedersachsen zu den größten Produzenten von Strom aus umweltfreundlichen Quellen, also Windräder, Biomasse und Photovoltaik. Das geht aus Zahlen hervor, die das Amt für Statistik des Landkreises und das Landesamt für Statistik jetzt herausgegeben haben.

Insgesamt wurden in Niedersachsen 2014 25,23 Milliarden Kilowattstunden (kwh) elektrische Energie durch die Energieträger Wind, Biomasse, Photovoltaik und Sonstige ins Stromnetz eingespeist. Davon stammten 2,42 Milliarden kwh, also 9,59 Prozent, aus dem Emsland. Damit ist der Landkreis 2014 landesweit der mit Abstand größte Einspeiser von Strom aus erneuerbaren Quellen in die Energienetze gewesen. Platz zwei nimmt der Landkreis Aurich ein (1,65 Milliarden kwh), Rang drei der Landkreis Diepholz (1,42 Milliarden kwh). Auf Rang vier landete der benachbarte Landkreis Cloppenburg mit 1,27 Milliarden kwh.

Fasst man die Landkreise in Regionen zusammen, war die Region Weser-Ems, zu dem auch Osnabrück und im Norden Friesland oder Wesermarsch gehören, mit 11,360 Milliarden kwh (47 Prozent) unangefochten Spitzenreiter vor der Region Lüneburg mit 6,346 Milliarden kwh (26,46 Prozent).

Windenergie dominiert im Emsland

Die mit Abstand größte Energiequelle im Emsland sind dabei die Windräder, von den 2,42 Milliarden im Landkreis produzierten kwh Strom stammen 1,25 Milliarden kwh von Windrädern. Landesweit gesehen belegt das Emsland dabei aber „nur“ den zweiten Platz, größter Windstromproduzent ist der Landkreis Aurich mit 1,37 Milliarden kwh. Drittgrößer Windstromproduzent war 2014 der Landkreis Diepholz mit 887 Millionen kwh, der Landkreis Cloppenburg belegte in dieser Statistik Rang sechs mit 505 Millionen kwh. Im Jahr 2015 und 2016 wird sich die durch „Mühlen“ generierte Strom weiter erhöht haben.

Im August hatte der Landkreis bei der 3. Klimakonferenz in Lingen aktuelle Zahlen genannt. Demnach produzierten zum Zeitpunkt der Konferenz 510 Windkraftanlagen im Emsland Strom, weitere 134 Anlagen befanden sich in Genehmigungsverfahren oder in der Bauphase. „Wir sind damit aber auch an der Grenze, was der Raum gut vertragen kann“, stellte Dirk Kopmeyer, Kreisbaurat und Vorsitzende der Energieeffizienzagentur des Landkreises.

Landesweit Spitzenreiter bei Biomasse

Während der Landkreis Emsland bei der Windenergie landesweit Platz zwei belegt, ist er bei den Energiequellen Biomasse und Photovoltaik Spitzenreiter. Mit Biomasse, also der Vergärung von Produkten oder Abfällen aus der Land-, Forst- oder Fischwirtschaft, wurden 2014 im Emsland 831 Millionen kwh Strom produziert. Beim Zweitplatzierten des Rankings, dem Landkreis Rotenburg (Wümme), waren es „nur“ 700 Millionen kwh. Im benachbarten Landkreis Cloppenburg auf Platz drei sind es 574 Millionen kwh.

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Bei der Photovoltaik ist der Vorsprung des Emslandes auf den Zweitplatzierten sogar noch größer. Während in unserem Landkreis 341 Millionen kwh Strom 2014 mit Sonnenstrahlen produziert wurden, waren es beim Zweitplatzierten, dem Landkreis Cloppenburg 206 Millionen kwh.

Netzbetreiber stellen Daten

Ausgewertet wurden für die Statistik Daten, die die Stromnetzbetreiber Tennet, Amprion und 50 Hertz zur Verfügung gestellt haben. Diese werden mit einiger Zeitverzögerung von den örtlichen Verteilnetzbetreibern gemeldet, deshalb gibt es (noch) keine aktuelleren Zahlen als die von 2014. Klar ist allerdings, dass die Zahlen für 2015 deutlich höher sein werden. Alleine bei Tennet stieg die Zahl der Strommenge, die durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) gefördert wurde, im vergangenen Jahr von 45,383 auf 101,59 Millionen kwh .

Festzuhalten bleibt, dass im Emsland deutlich mehr Strom produziert wird, als von der hier lebenden Bevölkerung benötigt wird. Der aktuelle Stromversorgungsgrad aus regenerativen Quellen, also der Vergleich zwischen von der Bevölkerung benötigter und tatsächlich produzierter Strommenge, liegt im Emsland bei über 100 Prozent und damit weit über dem Bundesziel von 35 Prozent in 2020.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Allerdings ist die „neue Energie“ auch ein immer wichtiger werdender Wirtschaftsfaktor geworden. Nur auf Basis der EEG-Umlage, die 2014 6,24 Cent je kwh betrug, wurden mit den 2,42 Milliarden kwh im Emsland produzierten Strommenge rund 150 Millionen Euro EEG-Umlage generiert. Insgesamt gibt es mehr als 8000 Anlangen im Emsland, die von der EEG-Umlage profitieren. Die Erlöse fließen nicht nur an die Eigentümer, sondern auch auf die Konten von Grundstückseigentümern, des Landkreises oder der Städte und Gemeinden, beispielsweise als Pacht, Entschädigungszahlungen für den Schattenwurf von Windrädern oder als Gewerbesteuer. Die Umlage ist in die Diskussion geraten, weil sie stetig gestiegen ist. 2017 wird sie auf 6,88 Cent je kwh steigen .

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