Konstruktion wird entfernt Warum das neue Wartehäuschen in Meppen wieder verschwinden muss

Engpass von kurzer Dauer: In den nächsten wird das Bushaltestellenhäuschen bereits wieder abgebaut. Foto: Markus PöhlkingEngpass von kurzer Dauer: In den nächsten wird das Bushaltestellenhäuschen bereits wieder abgebaut. Foto: Markus Pöhlking

Meppen. Fast über Nacht erhielt die Bushaltestelle „Tulpenstraße“ an der Esterfelder Stiege in der letzten Woche ein neues Wartehäuschen. Davon war unter anderem auch die Stadtverwaltung überrascht. Die hatte das Bauprojekt zwar ausgeschrieben – aber ganz anders, als es dann realisiert wurde. Das Häuschen verschwindet daher bald wieder. Was bleibt, ist eine Schildbürgergeschichte mit gutem Ausgang.

Am Anfang der Geschichte steht ein Bürger, der sich Sorgen macht. Heinrich Faust ist Ingenieur im Ruhestand und wohnt unweit der Haltestelle „Tulpenstraße“, die er häufig mit dem Fahrrad passiert. Als in der vergangenen Woche dort zunächst Löcher im Fußweg klaffen und anschließend eine Aluminiumkonstruktion errichtet wird, wittert er Gefahr: Die Stützpfeiler des Daches stehen genau auf der Grenze von Fuß- und Radweg. Besonders jetzt, wo die Tage kürzer werden, sieht er hier ein Unfallrisiko. Seine Bedenken teilt er per Telefon am Freitag zunächst der Stadtverwaltung, anschließend unserer Redaktion mit: „Die Strecke wird morgens von vielen Schülern genutzt. Wenn man da im Halbdunkel mal ausweichen muss oder an den Rand des Radweges gerät, ist eine Kollision mit den Dachstützen vorprogrammiert“, teilt er seine Einschätzung mit und spricht von einem „Schildbürgerstreich“. Was ihm besonders aufstößt: Die noch in Bau befindliche Konstruktion ist zu diesem Zeitpunkt durch keinerlei Schutzvorrichtung gesichert, nichts weist auf die Baustelle hin. Das mit den Arbeiten beauftragte Unternehmen wird später über die Stadt mitteilen, entsprechende Baken seien teils entwendet, teils mutwillig zerstört worden.

„Haltestelle ist ein Unding“

Die entsprechenden Stellen bei der Stadt Meppen reagieren schnell: Noch am Freitagvormittag postieren Mitarbeiter der Stadt neue Baken. Damit ist die Situation zunächst mal etwas entschärft. Trotzdem wirft die Konstruktion weitere Fragen auf: Die Seitenwände der Haltestelle sollen noch verglast werden. Damit wäre der Fußweg an dieser Stelle blockiert und unpassierbar, Fußgänger müssten auf den Radweg ausweichen. Der ist an dieser Stelle gleichzeitig auch schon Ein - beziehungsweise Ausstiegsbereich für Busnutzer - eine riskante Engstelle. „Die Haltestelle ist ein Unding“, urteilt Bernd Irrgang, Vorsitzender des Bundes für Fußgänger. Zwar sei ihre Errichtung an dieser Stelle aufgrund einer unklaren Rechtslage möglicherweise sogar zulässig. Aber „für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle ist sie sicherlich unpassierbar.“

Errichtung kam überraschend

Tatsächlich hat die Stadt Meppen in der entsprechenden Ausschreibung Irrgangs Kritikpunkte berücksichtigt. Die dortigen Maße versprechen eine deutlich schlankere Haltestelle - nur einen Meter sollen demnach die Seitenwände betragen. Tatsächlich sind sie 1,46 Meter breit. Bei der Stadt zeigt man sich daher über das Resultat der Bauarbeiten zunächst überrascht - genauso wie über die Tatsache, dass diese überhaupt schon durchgeführt wurden. Es sei richtig, dass man ein Wartehäuschen im entsprechenden Bereich ausgeschrieben und ein Unternehmen mit dessen Errichtung beauftragt habe, erklärt Joseph Hogg, der Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Meppen. „Es wusste aber keiner, dass das Unternehmen die Arbeiten auch schon durchgeführt hat“, so Hogg weiter. Tatsächlich steht in der städtischen Ausschreibung der Satz: „Die Position des Unterstandes ist im Vorfeld mit dem Auftraggeber abzustimmen“. Darüber habe sich das Unternehmen schlicht hinweggesetzt, sagt Daniel Jansen vom Stadtbauamt.Weiterlesen: Stadt Meppen lässt Bürger über Kita-Trägerschaft abstimmen

Konstruktion wandert an neuen Standort

Bei der ausführende Firma - ein Landschaftsbauunternehmen aus Haren - spricht man von einem Fehler. „Wo Menschen arbeiten, passiert so etwas nun einmal“, sagt der Inhaber des Unternehmens, mehr könne und wolle er dazu nicht sagen. Warum die Arbeiten ohne Rücksprache mit der Stadt begonnen wurden, bleibt somit letztlich unklar. Klar ist hingegen, wie die Stadt Meppen mit dem Wartehäuschen umgehen wird: „Die Konstruktion kommt da wieder weg“, verkündete Ordnungsamtsleiter Hogg gestern. Sie werde demnächst ein paar hundert Meter weiter an einer Haltestelle vor einem Supermarkt wieder errichtet. „Es gab für den entsprechenden Standort schon länger Anfragen, allerdings haben im letzten Jahr die Mittel nicht mehr gereicht.“

Kein finanzieller Schaden für die Stadt

An der Tulpenstraße werde indes demnächst ein neues Häuschen gemäß der Ausschreibung entstehen. Ein finanzieller Schaden erwachse der Stadt Meppen aus der Geschichte jedenfalls nicht - für etwaige Mehrkosten hafteten die Vertragspartner, teilte Hogg mit.


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