Vorwurf einer Tierfreundin Würgehalsbänder: Werden in einer Hundeschule im Emsland Tiere gequält?

Von Benjamin Havermann

Eine Hundeschule im Emsland soll Hunde mit militärischem Drill drangsalieren, sagt eine Tierfreundin und hat Anzeige erstattet. Symbolfoto: ColourboxEine Hundeschule im Emsland soll Hunde mit militärischem Drill drangsalieren, sagt eine Tierfreundin und hat Anzeige erstattet. Symbolfoto: Colourbox

Meppen. Eine Hundeschule im Emsland soll Hunde mit militärischem Drill drangsalieren, sagt eine Tierfreundin. Sie zeigt den Hundetrainer an, doch monatelang passiert nichts. Jetzt ermittelt die Polizei.

An einem Abend im Mai dieses Jahres wird Karin Sommer* Zeugin eines erschütternden Ereignisses. Auch mehrere Monate danach kann sie die Szene nicht vergessen. Deswegen hat sie sich jetzt an unsere Redaktion gewandt.

Zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Dobermann-Hündin war Sommer bei einer Hundeschule im Emsland, um dort an einem Probetraining mitzumachen. Sie war zum ersten Mal dort und traute ihren Augen nicht. „Im Gehege kam es zu mehreren heftigen Auseinandersetzungen“, erzählt die 53-Jährige. Viele Hundehalter seien den Hunden mit Gebrüll und Grobheit begegnet. Insgesamt habe während der Trainingsstunde ein „militärischer Drill“ geherrscht.

Besonders geschockt hat sie aber der Einsatz eines Kettenwürgehalsbandes. Dabei wird den Hunden mit kräftigen Zügen der Hals zusammengedrückt, sodass sie keine Luft mehr bekommen. Der Besitzer der Hundeschule habe diese Methode an einem Jagdhund angewandt, so Sommer. Es sei ein grausamer Anblick gewesen.

„Keine geeignete Erziehungsmethode“

Tierschützer raten schon seit geraumer Zeit von solchen Halsbändern ab.„Der Gebrauch eines Würgehalsbandes ist in keinem Fall eine geeignete Erziehungsmethode für Hunde“, sagt Dörte Röhl von der der Tierschutzorganisation PETA. Der Einsatz von Kettenwürgehalsbändern und anderer „Hilfsmittel“ wie Teletakter oder Stachelhalsbänder bei Hunden sei generell abzulehnen, da diese bei den Tieren erhebliche Schmerzen und gravierende gesundheitliche Schäden verursachen können und somit als tierschutzwidrig einzustufen seien. „Würgehalsbänder führen nicht zu gut sozialisierten, lebensfrohen und gesunden Hunden“, sagt Röhl weiter, „sondern können zu kranken, verängstigten und mitunter sogar potenziell gefährlichen Tieren führen.“

Laut Röhls Meinung arbeiten gute Hundetrainer niemals mit Bestrafung, sondern bauen auf positive Bestärkung. Würge-, Stachel- oder Elektrohalsbänder seien absolut unseriös, weil sie die Tiere quälen. „Ein guter Hundetrainer duldet auch nicht den Einsatz solcher Methoden von anderen Besuchern des Übungsplatzes“, sagt die gelernte Tierärztin. Anstelle von herkömmlichen Halsbändern rät sie zum Brustgeschirr, es schone die Gesundheit des Hundes und biete im Alltag mehr Sicherheit. (Weiterlesen: Tierschutz – Im Emsland gehen Enten bald wieder baden)

Hundetrainer weist Vorwürfe zurück

Der betreffende Hundetrainer weist auf Nachfrage unserer Redaktion die Vorwürfe zurück. „Wir verwenden ganz normale eingliedrige Kettenhalsbänder, wie sie Millionen von Hunde tragen“, sagt der Besitzer der Hundeschule, der lieber anonym bleiben möchte. Das, was Sommer ihm vorwerfe, stimme schlichtweg nicht. Allerdings gibt er offen zu, dass er von einem Laissez-faire-Umgang mit Hunden nichts hält. „Antiautoritäre Erziehung hat schon bei Kindern nicht funktioniert, warum soll das dann bei Hunden funktionieren“, erklärt der Hundetrainer.

Er wisse auch nicht, was schlecht an seinem Verhalten gegenüber den Hunden sei. Er habe bereits langjährige Erfahrung, seit rund 50 Jahren betreibt er Hundesport. Auch von seinen Hundehaltern habe er bisher überwiegend Positives erfahren. „Ich habe eine breit gefasste Klientel, vom kleinen Mann bis zum Anwalt ist alles vertreten“, sagt er. Warum sollen die alle kommen, wenn die Trainingsmethoden so schlecht sind, fragt er sich. Nun erwägt der Hundetrainer, Anzeige wegen übler Nachrede zu stellen.

Sommer ist schon einen Schritt weiter: Sie hat den Hundetrainer bereits wegen Tierquälerei beim Veterinäramt angezeigt. „Tierschutzwidriges Verhalten muss an die Öffentlichkeit“, sagt sie. Bislang ist aber nicht viel passiert. Nur zögerlich nahm sich das Veterinäramt der Sache an.

Veterinäramt sah keine erheblichen Schmerzen

Anja Rohde vom zuständigen Landkreis entgegnet: „Aus den Schilderungen der Anzeigeerstatterin ergab sich nicht, dass dem Hund erhebliche Schmerzen zugefügt wurden.“ Ebenso hätten sich keine Hinweise auf eine Straftat ergaben, die zu einer Abgabe des Vorgangs an die Staatsanwaltschaft hätte führen müssen. Das Ergebnis der daraufhin durchgeführten Ermittlungen stehe in erheblichem Widerspruch zu den Angaben der Anzeigeerstatterin, so die Pressesprecherin.

Ganz aus der Luft gegriffen können Sommers Angaben jedoch nicht sein. Denn mittlerweile ist der Fall bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück gelandet, die nun die Polizei beauftragt hat, Ermittlungen anzustellen. Drei Monate sollen diese dauern.

Für Sommer ist das bereits ein Erfolg. Allein die Ermittlungen würden dazu führen, dass diese Hundeschule und die dort praktizierten Methoden genauer unter die Lupe genommen werden. „Man muss nur beharrlich sein“, sagt die 53-Jährige. Sie hoffe nun, dass sich mehr Tierhalter ermutigt fühlen, ähnliche Missstände zu melden. (Weiterlesen: Erste Hundemesse in Twist begeistert Publikum)

* Name von der Redaktion geändert