Gelungene Aufführung Großer romantischer Klangrausch in Meppen

Der Städtische Musikverein, der Kinderchor der Propsteikirche und die Kammerphilharmonie Emsland haben in Meppen ein umjubeltes Konzert gegeben. Foto: Daniel LöskerDer Städtische Musikverein, der Kinderchor der Propsteikirche und die Kammerphilharmonie Emsland haben in Meppen ein umjubeltes Konzert gegeben. Foto: Daniel Lösker

Meppen. Der Städtische Musikverein, der Kinderchor der Propsteikirche und die Kammerphilharmonie Emsland haben in Meppen ein umjubeltes Konzert gegeben.

Dirigent Balthasar Baumgartner senkt die Arme nach dem letzten verklungenen Ton und der Applaus braust los. Zweieinhalb Stunden Höchstleistung liegen hinter ihm. Eine lange Zeit, in der die Solisten, sein Städtischer Musikverein, der Kinderchor der Propsteikirche und die Kammerphilharmonie Emsland seinem Dirigat gefolgt waren. Eines vorweg, der tosende Beifall war absolut berechtigt. Schaffen es doch alle Protagonisten, einen für viele erfüllten Abend voller musikalischer Höhepunkte zu gestalten.

Da ist zuerst der Chor zu nennen, der unter gelegentlicher Unterstützung des Kinderchores – eine gelungene Sache – mitunter zu Höchstform aufläuft. Nicht immer gelingt alles produktionsreif, aber beeindruckend ist, mit welchem Einsatz und mit welcher musikalischen Reife die knapp 70 Sängerinnen und Sänger agieren. Die großen Eingangs- und Schlusschöre werden zumeist souverän bewältigt, die Choräle angenehm schlicht interpretiert und die durchaus heiklen Turba-Chöre ergreifend gestaltet. Erstaunlich ist dies umso mehr, da der Chor zumeist aus Laien besteht. Großes Lob dafür.

Ausgezeichneter Klangkörper

Die Kammerphilharmonie Emsland ist ja für ihre guten Leistungen bereits bekannt. Unter der Stabführung von Baumgartner zeigen sie auch hier wieder, zu welch ausgezeichnetem Klangkörper sie gewachsen sind. Bereits in den Anfangstönen der Ouvertüre mit ihrem das Werk bestimmenden Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ zeigt Baumgartner, wo er mit dem Instrumentalisten hin will. Großer romantischer Klangrausch bestimmt den Abend. Selten hört man kammermusikalisches. Man erliegt der Versuchung des Zeitgeistes Mendelssohns. Dies ist etwas gegen den heutigen Trend, Werke zu entschlacken, um filigranere Passagen herauszuarbeiten, hat aber durchaus eine gelungene Wirkung.

Die Solisten des Abends sind allesamt Meister ihres Fachs. Während Sopranistin Meike Leluschko, Isabel Baumgartner (Alt) und der Tenor Wolfgang Klose in der Region nun wirklich keine Unbekannten sind, ist der Bassbariton Thilo Dahlmann eine große Entdeckung. Mit gewaltiger Stimme, die er gewinnbringend einsetzt, meistert er selbst die größten Klippen eindrucksvoll. Mendelssohn verstand es aber auch, gerade dieser Partie eine sogenannte „Wohlfühllage“ zu bescheren.

Brillante Breite in der Stimme

Leider gelingt dem Komponisten dies im Falle des Tenors nicht ganz so. Doch Klose ist genug Profi, um dennoch viel herauszuholen. Sein geschmeidiges Timbre ist gerade in der Cavatine des zweiten Teils unter der Begleitung vom Solocello von großem Vorteil. Leluschko verfügt über eine große Breite der Stimmfärbung, die sie brillant abruft. Baumgartner kann leider nur an wenigen Stellen beweisen, wie wunderbar ihre schöne warme Altstimme den Kirchenraum füllt, da der Komponist der tiefen Frauenstimme erstaunlich wenig Gelegenheit dazu gibt.

Mitunter hätte man sich gerade bei den Rezitativen einen etwas leiseren Orchesterapparat gewünscht, der es den Sängern ermöglicht hätte, noch besser zu deklamieren. Vielleicht wäre es mit einer Reduzierung der Instrumentenquantität an gesagten Stellen bereits getan. Überhaupt liegt hier auch die Schwäche der Partitur des großen Frühromantikers Mendelssohn-Bartholdy. Zu sehr orientiert er sich an den großen Bach-Passionen, ohne an diese heranzukommen. Er ist immer dann stark, wenn er seine eigene Klangsprache formt, nicht dann, wenn er quasi „kopiert“.

Doch Baumgartner und die seinen können an diesem Abend solche kompositorischen Verwicklungen absolut souverän überspringen. Dafür und für einen musikalischen Abend mit Hochgenuss ist ihnen der gewaltige Applaus gewiss.


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