Schutz vor häuslicher Gewalt Frauen- und Kinderschutzhaus Meppen 25 Jahre alt

Mitarbeiterinnen des SkF wurden beim Jubiläumsempfang geehrt. Rechts Propst Dietmar Blank. Foto: Heiner HarnackMitarbeiterinnen des SkF wurden beim Jubiläumsempfang geehrt. Rechts Propst Dietmar Blank. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Das Frauen- und Kinderschutzhaus bietet seit 25 Jahren bedrohten und physisch wie psychisch misshandelten Frauen und Kindern Zuflucht. Besonders die Arbeit des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SkF) wurde während der Feierstunde im Propstei-Gemeindehaus gewürdigt.

Bei den Ehrengästen herrschte große Irritation, als „Heinz“, Ehemann und Familienvater, inmitten des Publikums verbal ausrastete, weil seine Tochter nicht erschienen war. Dann wurde klar, dass die Szene mit Schaupielern des TPZ das Thema „Häusliche Gewalt“ darstellte.

Walburga Nürenberg, Vorsitzende des SkF, sagte, dass die Szene nur ein Beispiel für den angstmachenden Alltag von Frauen und Kindern darstelle. „Oft werde ich gefragt, ob wir überhaupt ein solches Haus benötigen, da es doch hier im Emsland so beschaulich ist“, sagte Nürenberg. Aber die Realität erfordere diese Einrichtung. Insgesamt habe man im zurückliegenden Zeitraum rund 1200 Frauen und fast 1400 Kinder im Haus aufnehmen müssen, sagte die SkF-Vorsitzende. „Pro Jahr zwischen 40 und 50 Personen.“

„Frauen sind körperlicher oder sexueller, aber auch subtiler psychischer Gewalt ausgesetzt, die tiefe, seelische Wunden hinterlassen“, sagte Nürenberg. Kinder seien immer Leidtragende der Situation.

Neben einem schriftlich übersandten Grußwort des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil zollte der CDU-LAndtagsabgeordnete Bernd-Carsten Hiebing, seinen Respekt für die Leistung der Mitarbeiterinnen. Es sei weit gefehlt, wenn man annehme, im Emsland sei alles in Ordnung, da auch hier Frauen vor Gewalt fliehen müssten, sagte Hiebing.

„Gewalt zertört Leben“

Landrat Reinhard Winter meinte: „Häusliche Gewalt betrifft uns alle. Sie zerstört Leben.“ Darum habe der Landkreis das Angebot auch von Anbeginn mit hohen Summen unterstützt. Der SkF sei an seinem Platz mit dafür verantwortlich, dass es den Menschen im Emsland so gut gehe, so Winter in seinem Resümee. Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein meinte, dass mit dem Jubiläum auch gemischte Gefühle hervorgerufen würden, da die Notwendigkeit der Anlaufstelle doch sehr deutlich werde. „Ich weiß aus meiner persönlichen Erfahrung als Polizeibeamter, was in Familien so vor sich gehen kann“, sagte Knurbein. Leider sei die Zahl der Taten im Bereich der häuslichen Gewalt im vergangenen Jahr angestiegen.

Leitender Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann sagte, dass man den Schläger mit dem neuen Gewalt-Schutzgesetz auch gegen dessen Willen aus der Familie verweisen könne. Das gehe selbst dann, wenn die Frau keinen Strafantrag gestellt habe. „Durch die Sensibilisierung und die Angebote der Hilfsorganisationen entscheiden sich immer mehr Frauen, den Mund aufzumachen“, sah Brüggemann hier ein positives Signal.

„In frühester Kindheit“

Katrin Hildebrand, psychologische Leiterin der Trauma-Ambulanz der Euregio-Klinik Nordhorn, meinte in ihrem Festvortrag, dass häufig in frühester Kindheit Traumata durch sexualisierte Gewalt im häuslichen Umfeld begännen. „Die Täter kommen häufig aus der näheren Umgebung und so können die Opfer keinen Schutz erfahren.“Die Betroffenen entwickelten so mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine psychische Störung. Dazu komme dann ein sozialer Rückzug, sagte die Expertin, die daran erinnerte, dass die Opfer allzu oft wieder in neuen Beziehungen landeten, in denen ebenfalls Gewalterfahrungen gemacht würden. „Viele Frauen fragen sich, wer bin ich eigentlich und fühlen sich auch noch schuldig“, bilanzierte Hildebrand die späteren Konsequenzen.


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