30 Jahre Nachrichten Wie aus einem Meppener Brief Freundschaft wurde

Von Ann-Christin Fischer


Meppen. Alles begann am 14. Februar 1986. Petra Peters, damals hieß sie noch Petra Bömeke, schrieb im Rahmen des französischen Schüleraustauschs einen Brief an Stefania Benedetti. Tausende sollten folgen, bis heute sind die beiden Frauen unzertrennlich.

„Chère Stefania“, so begannen Dutzende Briefe, die Petra Peters aus Meppen in den 1980er Jahren nach Frankreich schickte. Immer höflich waren ihre Worte, doch bei ihrem ersten Brief hatte sie einen Hintergedanken: „Jeder aus unserer Klasse hatte einen Briefpartner aus der Partnerschule in Douai, dem Collège Streinger. Und Stefania wohnte etwas außerhalb der Stadt, in Lewarde. Ich wollte aber unbedingt in die Stadt und habe sie ausgefragt, wie es dort aussieht und ob es sehr klein ist.“

Heute kann Petra Peters darüber lachen, all ihre Angst war umsonst. Die Freundschaft ist geblieben – über 30 Jahre lang. Seit drei Jahrzehnten gibt es in dem Leben der beiden Frauen keinen Tag, an dem sie nicht kurz an die andere denken. „Wir haben uns noch nie gestritten, waren nie unehrlich zueinander und verstehen uns blind“, sagt die Meppenerin. Die Französin sagt auf deutsch: „Wir haben die gleichen Vorstellungen von Werten und lieben die Bodenständigkeit des anderen.“

Der erste Besuch

Erst heute wissen die Freundinnen, wie viel Mühe ihre Eltern auf sich genommen haben. Sie brachten die bis zu 26 Seiten langen Briefe zur Post, weil sie durch den normalen Briefschlitz nicht passten. Sie fuhren stundenlang zwischen Deutschland und Frankreich hin und her, damit ihre Kinder sich sehen konnten.

Denn irgendwann beschlossen Petra und Stefania, dass eine Brieffreundschaft eigentlich nicht genug sei und machten sich auf den Weg. „Meistens waren wir im Sommer in Deutschland und zu Ostern in Frankreich.“ Aus Briefen wurden mit der Zeit Faxe. Dann kam das Internet und sie entdeckten E-Mails. Es folgten SMS, heute läuft alles über den Nachrichtendienst Whatsapp. „Es ist so einfach, eigentlich haben wir jeden Tag Kontakt“, meint Stefania.

Lageberichte aus dem Urlaub

Früher schrieben sie sich Romane, die bis zu 26 Seiten lang waren und brauchten dafür mehrere Tage. „Wenn wir zum Beispiel im Urlaub waren, haben wir danach einen kompletten Lagebericht verfasst“, erinnerte sich Stefania. Letzten Endes studierten beide die Muttersprache des anderen, um sich auf beiden Sprachen unterhalten zu können. Noch heute kommt ihnen das zu Gute: „Wir arbeiten beide in Berufen, wo wir viel übersetzen müssen, die Sprachkenntnisse schätzen selbst unsere Arbeitgeber sehr.“

Übrigens hat das Duo sich für eine sehr lange Zeit aneinander gebunden: Stefania ist die Trauzeugin von Petra und Petra die von Stefania. „Unsere Freundschaft ist etwas Besonderes, das wissen wir“, sagen beide und nehmen sich in den Arm.


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