Berufsbildungskommission tagte 849 unbesetzte Ausbildungsplätze im Emsland

Großes Angebot, geringe Nachfrage: Aktuell sind 849 Ausbildungsstellen im Emsland unbesetzt. Die Zahl der unversorgten Schulabgänger liegt in diesem Jahr bei 19. Foto: Archivbild/Thomas OsterfeldGroßes Angebot, geringe Nachfrage: Aktuell sind 849 Ausbildungsstellen im Emsland unbesetzt. Die Zahl der unversorgten Schulabgänger liegt in diesem Jahr bei 19. Foto: Archivbild/Thomas Osterfeld

Meppen. Zum September gab es im Emsland noch 849 unbesetzte Ausbildungsplätze. Denen standen 19 unversorgte Jugendliche gegenüber. Diese Zahlen veröffentliche die Berufsbildungskommission auf ihrer jüngsten Sitzung. Große Herausforderung werde künftig die Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungsbereich, so der Tenor.

  • Zum September gibt es im Landkreis Emsland 849 unbesetzte Lehrstellen - fast die Hälfte davon entfällt auf die Industrie
  • Zeitgleich sind von den diesjährigen Schulabsolventen noch 19 Jugendliche unversorgt
  • Die Integration von Flüchtlingen ist für den Ausbildungsbereich aktuell die größte Herausforderung

Eingangs der Sitzung skizzierte Kreisrat Martin Gerenkamp zunächst die generelle Entwicklung in der Region: Die Schülerzahlen werden in den nächsten Jahren sinken, dementsprechend auch die Zahl der Absolventen. „Berücksichtigt man zudem die Tendenz, möglichst hohe Schulabschlüsse zu erzielen, werden künftig weniger Abgänger dem Weg in die Berufsausbildung finden“, sagte Gerenkamp. In der Folge blieben Lehrstellen unbesetzt, was auch die aktuellen Zahlen widerspiegelten: Im Vergleich zum Vorjahr, als an gleicher Stelle 888 unbesetzte Ausbildungsplätze verzeichnet wurden, sank die Zahl zwar leicht auf 849 ab. Im langjährigen Mittel allerdings ist der Trend eindeutig: Nach den Sommerferien 2010 hatte die Zahl offener Lehrplätze noch bei 283 gelegen und war seitdem konstant gestiegen.

Erfreuliche Situation für Abgänger

Erfreulicher gestaltet sich die Situation für Schulabgänger: Die Zahl unversorgter Absolventen liegt in diesem Jahr bei 19 und ist damit rückläufig - im Vorjahr waren es noch 25 gewesen. Seit 2010 schwankte die Zahl hier zwischen 12 und 25. In der aktuellen Erhebung entfielen insgesamt 12 Jugendliche mit ungeklärter Perspektive auf das Mittlere Emsland. Vier wurden im Nördlichen Emsland erfasst, im Südlichen Emsland waren es drei. Das Gros von ihnen hat entweder einen Haupt- oder Realschulabschluss, nur einer von Ihnen ist ohne jegliche Qualifikation. „Diese Jugendlichen werden wir uns handverlesen vornehmen müssen“, sagte Gerenkamp und zeigte sich optimistisch, hier Lösungen zu finden.

Gesamte Bewerberzahl höher

Den größten Bedarf an Auszubildenden hat der gewerblich-technische Bereich, in dem derzeit 413 Stellen unbesetzt sind. 290 freie Stellen gibt es in kaufmännischen und administrativen Berufen. In den anderen relevanten Branchen liegt die Zahl unbesetzter Stellen jeweils im zweistelligen Bereich. Der Bericht der Berufsbildungskommission erfasst lediglich Schulabgänger und offene Lehrstellen aus dem laufenden Jahr. Insgesamt liegt die Zahl unversorgter Jugendlicher im Emsland höher: Die Bundesagentur für Arbeit in Nordhorn verzeichnet derzeit 237 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, die kein Ausbildungsverhältnis in Aussicht haben.

Flüchtlinge Herausforderung

Eine wesentliche Herausforderung für den Ausbildungsbereich wird künftig die Integration von Flüchtlingen. Sie seien für die Unternehmen zwar potenziell interessant, aber nicht immer unproblematisch: „Wir haben derzeit 45 Flüchtlinge in unseren Klassen “, sagte Ralf Schmitz von der Oberschule Haren. „Davon sind aber nicht immer alle ausbildungsreif.“ Schmitz betonte eine aus schulischer Sicht gute Entwicklung der Flüchtlinge. Seitens vieler Betriebe sei die letztjährige Euphorie etwas abgeklungen, sagte Horst Hagemann von der Kreishandwerkerschaft Emsland. Gründe seien etwa mangelnde Sprachkenntnisse oder unzureichende Qualifikationen ausländischer Bewerber.

Langer Atem erforderlich

„Wir müssen hier einen langen Atem haben“, erklärte Kreisrat Gehrenkamp und verwies in diesem Zusammenhang auf die gelungene Integration der Spätaussiedler nach dem Ende der Sowjetunion. Mit Maßnahmen wie den an den Berufsbildenden Schulen in Lingen geschaffenen „Sprint - Klassen“ bestehen bereits erste Integrationskonzepte. Deren Ansatz ist die Kombination von Arbeit im Ausbildungsbetrieb und schulischer Bildung außerhalb eines Ausbildungsvertrages. Flüchtlinge sollen damit gleichermaßen an die Berufspraxis wie auch an den Spracherwerb herangeführt und anschließend in ein reguläres Ausbildungsverhältnis übernommen werden. Weiterlesen: Den Neuanfang im Artland gewagt - als die ersten Aussiedler kamen


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