Kunst aus Gummibärchen Bilder aus Meppen nicht zum Verzehr geeignet

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Meppen. Johannes Cordes ist Großkunde bei Haribo: Für ein Porträt des Rocksängers David Bowie zum Beispiel verarbeitet er über 9000 Gummibären. Die einzigartigen Kunstwerke, die in seinem Meppener Atelier entstehen, sind auf der ganzen Welt gefragt.

Wenn man nicht genau hinschaut, fährt man vorbei: an dem Atelier von Johannes Cordes in einem Gewerbegebiet am Rande von Meppen . Zwischen Tankstelle und Großdiscounter hat er seinen Arbeitsplatz, der Künstler, der mit Gummibären arbeitet. Auf einem riesigen Tisch liegt dort der Entwurf mit dem Antlitz des im vergangenen Jahr verstorbenen Sängers David Bowie. Er dient als Grundlage für die 1,50 mal 1,80 Meter große Collage, die gerade entsteht: aus eingefärbten Gummibären. Um den beliebten Bären den richtigen Farbton zu verpassen, bearbeitet Cordes sie mit Spezial-stiften, Acrylfarben und mit dem Pinsel. „Bis zu 45000 Einfärbungen brauche ich für dieses Porträt“, sagt Cordes. Eine Fummelarbeit, die viel Geduld erfordert – aber letztendlich zum Erfolg führt. Die Gummibärchen-Kunst des Emsländers ist mittlerweile auf der ganzen Welt gefragt.

Galeristen in Griechenland und Spanien

„Ich verkaufe meine Arbeiten in ganz Europa, und ich habe auch Kunden in Amerika“, sagt Cordes. In Griechenland und Spanien wird er von Galeristen vertreten. Nur mit der Firma, die den ungewöhnlichen Grundstoff für seine Kunst herstellt, kommt er nicht auf einen Nenner.

Zwar entstehen Auftragsarbeiten für Haribo zur Porträtserie des Firmengründers Hans Riegel, seiner Frau Gertrud sowie der Söhne Hans und Paul Riegel. Außerdem erwarb die Firma das Porträt des damaligen Werbeträgers Thomas Gottschalk. Für eine geplante Wanderausstellung bekam Cordes auch schon mal Unterstützung und eine halbe Tonne Gummibären umsonst. Ansonsten erwirbt er sein „Arbeitsmaterial“ aber regulär im Einzelhandel.

„Das war eigentlich ein Gag“

Angefangen hatte alles 2003 in Nürnberg: „Das war eigentlich ein Gag. Ich betrieb dort eine kleine Galerie, die sich auf hochwertige, individuelle Rahmung von Bildern spezialisiert hatte. Ein Kunde brachte mir eines Tages eine Marilyn Monroe von Andy Warhol zur Rahmung vorbei. Weil es mir die Pop-Art sowieso angetan hat, dachte ich: Wenn schon die Verbindung von Kunst und Konsum, dann richtig.“ Also legte er ein Abbild des Warhol-Werkes aus Gummibärchen zusammen und nannte es „Bärilyn“. Die Idee kam in seinem Bekanntenkreis so gut an, dass er sie weiterverfolgte. Es entstanden weitere „Bärilyns“ in den unterschiedlichsten Farbschattierungen sowie Gummibärenabbil-der von den legendären comicartigen Kunstwerken Roy Lichtensteins.

Zum Durchbruch kam es, als Johannes Cordes 2004 als Nebenaussteller zu „100 Jahre Salvador Dalí – Das goldene Zeitalter“ ins Schloss Bruchsal bei Karlsruhe eingeladen wurde. Es war mit über 900 Exponaten des 1989 verstorbenen spanischen Surrealisten die damals größte Dalí-Retrospektive in Europa. Hier zeigte Cordes nicht nur seine „Bärilyns“, sondern auch eine großflächige Hommage aus Goldbären an den Spanier.

Mona Lisa und Amy Winehouse

Seither lässt ihn die Gummibärchen-Collage nicht mehr los. Ob Micky Maus, die einzigartigen Männchen von Keith Haring, ob Mona Lisa oder Amy Winehouse: Comics – Kunst und Popmusik faszinieren den 61-Jährigen. Das schlägt sich nicht nur in seinen Porträts nieder, sondern auch in seinen Objektkästen, mit denen er künstlerisch und mit einem Augenzwinkern Zeitgeistthemen behandelt: „Rauchen verkürzt ihre Zigarette“, verhohnepipelt er die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Oder er widmet dem Künstler Günther Uecker einen Nagel.

Auf die Idee, seine Lebensmittel-Kunst mal biologisch-vegan anzugehen, ist Cordes auch schon gekommen. „Doch dann habe ich mir die Preise für Bio-Gummibärchen angeschaut und habe gedacht: Das lässt sich nicht finanzieren.“ Also bleibt er treuer Kunde von Haribo.

Dieser Text erschien zuerst in „Die Wirtschaft“, der Wirtschaftszeitung der NOZ Medien. Die Themen der aktuellen Ausgabe finden Sie hier.


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