Simulation des G20-Gipfels Student aus Meppen in China am Verhandlungstisch

Von Markus Pöhlking

Am Verhandlungstisch: Thomas Reinert aus Meppen war Teil der Delegation, die Deutschland in diesem Jahr auf dem Y20-Gipfel, einer Simulation des G20-Treffens, vertrat. Foto: All-China Youth FederationAm Verhandlungstisch: Thomas Reinert aus Meppen war Teil der Delegation, die Deutschland in diesem Jahr auf dem Y20-Gipfel, einer Simulation des G20-Treffens, vertrat. Foto: All-China Youth Federation

Meppen. Im Juli reiste Thomas Reinert als Mitglied der deutschen Delegation zum Y20-Gipfel nach China. Bei der Simulation des G20-Gipfels nahm er an internationalen Verhandlungen teil, erhielt Einblicke in die Welt der Diplomatie und sammelte viele Eindrücke einer anderen Kultur.

Für Thomas Reinert war der Trip nach China nicht der erste Auslandsaufenthalt. Aber der erste in diplomatischer Mission: Als Mitglied der deutschen Delegation traf er in Peking und Shanghai auf Jugendliche aus den anderen G20-Staaten, um ein gemeinsames Communiqué zu erarbeiten. Bereits Monate zuvor hatten sich die Teilnehmer aus Deutschland auf das Treffen vorbereitet, ihre Positionen und Ziele formuliert: „Kernanliegen unserer Gruppe waren zum Beispiel eine nachhaltige Meereswirtschaft oder die Rechte von Homosexuellen“, sagt Reinert. Er selbst war bei den Verhandlungen, die nach einem Empfang in Peking in Shanghai stattfanden, dem Komitee für Armutsbekämpfung und gemeinsamer Entwicklung beigeordnet.

Wortfeilschereien

„Konkret ging es zum Beispiel darum, einen grundsätzlichen und freien Zugang zu Bildung grenzüberschreitend zu gewährleisten“, beschreibt der 26-jährige einen der Punkte auf der Agenda - und verdeutlicht daran, welche Wortfeilschereien mitunter die Verhandlungen prägten: „Grundlage unserer Vorstellungen zum Bildungszugang war ein freies Internet. Manche Staaten bevorzugten aber in Abgrenzung dazu den Begriff ‚offenes Internet‘“ - so etwa China. Der Hintergrund: „Auf einen offenen Zugang zum Internet konnten sich auch autoritärere Systeme verständigen. Mit einem - auch inhaltlich - freien Internet hatten sie hingegen Probleme“, erklärt Reinert.

Positionen abwägen, gleiche Interessen suchen

Es sei spannend gewesen, Positionen abzuwägen und nach Delegationen mit gleichen Interessen zu suchen: „Das waren für uns in den meisten Fällen andere Staaten der EU, die uns da kulturell einfach näher standen“, sagt Reinert. Er und seine Mitstreiter seien bei der Formulierung ihrer Positionen frei von etwaigem politischen Einfluss gewesen - ob das auch die 19 anderen Gruppen zutreffe, könne er nicht genau beurteilen. „Es war aber schon auffällig, dass etwa die Delegierten aus China, der Türkei oder auch Australien sehr staatsnah argumentiert und verhandelt haben.“ Weiterlesen: Nachrichten und Berichte aus Politik und Wirtschaft auf noz.de

Gemeinsame Forderungen verschriftlicht

Am Ende der Verhandlungen in Shanghai verabschiedeten die zwanzig Delegationen ein Communiqué, in dem sie ihre gemeinsamen Positionen festhielten - in manchen Punkten nicht viel mehr als ein Minimalkonsens: „Unsere Vorstellungen vom Umgang mit Homosexualität und Transgender konnten wir so nicht umsetzen. Da waren die Widerstände zu groß.“ In anderen Punkten - etwa Entwicklung und Armutsbekämpfung - konnte die deutsche Gruppe ihre Anliegen besser verwirklichen.

Exquisites Rahmenprogramm

Neben den Verhandlungen war der Rahmen der Veranstaltung ein weiterer Höhepunkt: In Peking Empfang durch den chinesischen Vizepräsidenten und hochrangige Diplomaten, dann mit einem Schnellzug nach Shanghai - „dort hatte die Polizei die Straßen abgeriegelt und uns in unsere Unterkunft eskortiert“, schildert Reinert, der nicht sicher ist, wie stark die ausländischen Gäste unter Beobachtung chinesischer Behörden standen: Manchmal habe das Rahmenprogramm gewirkt, als sei er bis ins letzte Detail durchinszeniert „zudem wurde ständig gefilmt und fotografiert und wir waren fast nie ohne Begleiter.“

Kontakte mit chinesischer Kultur

Mehr Kontakt mit den Menschen in China und ihrem Alltag sammelte Reinert erst im Anschluss des Gipfels, als er privat durchs Land reiste. „Ein sehr buntes, wuseliges Land voller liebenswürdiger Menschen“, fasst er seine Eindrücke zusammen. Die Chinesen auf der Straße seien interessiert und hilfsbereit gewesen. Die Kommunikation indes blieb aufgrund sprachlicher Barrieren meist oberflächlich. Weiterhin beeindruckend - die negativen Folgen der rasanten Entwicklung des Landes: „Der Smog in Peking etwa war unglaublich.“

Internationale Zusammenarbeit bleibt Thema

Seit September ist Reinert zurück in Deutschland. Das Masterstudium der Internationalen Beziehungen an der Uni Bremen hat er gerade abgeschlossen, schreibt jetzt Bewerbungen. Ein denkbarer Einstieg in die Berufswelt: Am nächsten G20-Jugendgipfel im Organisationsteam mitzuarbeiten. Perspektivisch würde er jedenfalls gern im Bereich internationaler Zusammenarbeit tätig sein.