Hund am Arbeitsplatz Tierwelten: Feli darf mit Frauchen zur Caritas Meppen

Von Carola Alge


Meppen. Das Hinweisschild an Raum 1.6 der Caritas im Haus der Sozialen Dienste am Domhof in Meppen verrät es bereits: Hinter dieser Tür erwartet den Besucher eine Doppelbesetzung: Uta Grönniger und Vierbeiner Feli. Die Wohnungslosenhilfe ist auf den Hund gekommen. Seit mittlerweile zwei Jahren.

„Tierische Helferin in der ambulanten Wohnungslosenhilfe“, steht auf dem Schild. Daneben ist ein kleines Foto der vierjährigen Border-Collie-Hündin zu sehen. Seit 2014 begleitet sie ihr Frauchen täglich zur Arbeit. Für Uta Grönniger eine optimale Situation. Seit ihrem Einstieg bei der Caritas vor zwei Jahren ist Feli im Job dabei, 30 Stunden pro Woche.

Gestört hat der Vierbeiner bisher nicht

Gestört hat der Vierbeiner bisher nicht. Im Gegenteil. Wer den Raum betritt, erlebt eine meist auf ihrer roten Caritas-Decke oder unter dem Schreibtisch liegende Hündin, die vor allem Ruhe ausstrahlt. Sie springt Besucher nicht hektisch an, fordert nicht aufdringlich Streicheleinheiten, ignoriert den verlockenden Duft der Plätzchen auf dem Tisch, an dem Uta Grönniger ihre Beratungsgespräche führt.

Ausgiebige Spazierrunde vor der Arbeit

Bevor der Arbeitstag um 8 Uhr beginnt, dreht die 32-Jährige mit ihrer Hündin eine ausgiebige Spazierrunde, ist mit ihr manchmal mit dem Fahrrad unterwegs – wie eben die meisten Hundebesitzer . Ausgelastet geht es in die erste Etage der Caritas. Die kennt Feli mittlerweile genauso aus dem Effeff wie auch den Tagesablauf ihres Frauchens mit festen Sprechzeiten für Klienten, Gesprächsterminen, Hausbesuchen, Büroarbeit. Fast immer darf die Hündin dabei sein. Die Menschen, ob Besucher oder Kollegen, mögen Feli.

Bekannt wie ein bunter Hund

In der ambulanten Wohnungshilfe der Caritas ist sie mittlerweile ein kleiner Star. „Sie ist bekannt wie ein bunter Hund“, schmunzelt ihre Besitzerin. Spontan muss die Sozialpädagogin an einen ehemaligen Klienten denken, der regelmäßig vorbeischaut. So erst vor ein paar Tagen. Er kommt mit ein paar Leckerlis, setzt sich mit Feli in die Besucherecke im Flur, streichelt sie, redet mit ihr.

Leckerlis gibt es auch eine Etage höher. Die Glastür dorthin liebt Feli. Wenn die sich öffnet, weiß die Border-Collie-Hündin: Jetzt geht es nach oben in die Buchhaltung, wo eine Kollegin Grönnigers in einem Behältnis immer etwas zu knabbern hat. Und natürlich Streicheleinheiten.

„Sie ist unser Sonnenschein“

Von denen bekommt die Hündin täglich jede Menge. Wenn sie zum Beispiel mal zwischendurch in Büros von Grönnigers Kollegen vorbeischaut. So wie gerade bei Wilhelm Berkenheger. „Sie ist unser Sonnenschein, unser belebendes Element“, sagt er, während er sich für einen kurzen Moment von seinem Aktenberg abwendet und Feli über den Rücken tätschelt.

Anerkennung und Liebkosungen

Anerkennung und Liebkosungen sind Felis „Gehalt“. Manchmal „arbeitet“ sie nämlich auch. Wenn sie zum Beispiel im Eingangsbereich der Beratungsstelle freundlich, aber zurückhaltend Besucher und Hilfesuchende begrüßt. Oder wenn sie dank ihres guten Riechers für die Situation bei einem Beratungsgespräch in Grönnigers Büro reagiert, das kein Beratungsgespräch werden kann, weil die Person stark alkoholisiert ist, laut wird. Feli wendet sich dann ab, signalisiert durch ihre Körperhaltung: Jetzt traue ich mich gerade nicht zu dir. Eine Reaktion, die die Sozialarbeiterin wunderbar aufgreifen kann, um der Person über den Hund klarzumachen: Schau, dein Verhalten löst Beklemmung aus, es ist nicht richtig.

Hündin zeigt tiefes Mitgefühl

Die Border-Collie-Hündin ist oft dabei, wenn Uta Grönniger Wohnungslose berät. „Zu mir kommen Menschen, die viele Sorgen haben, verzweifelt sind und Beratung, aber auch Zuwendung brauchen.“ Genau das ist Felis Spezialgebiet. Sie reagiert sehr einfühlsam , „vor allem, wenn jemand bei mir in der Beratung traurig ist“. Dann zeige die kleine Hündin tiefes Mitgefühl, lege ihren Kopf in den Schoss der anderen Person und versuche so auf ihre Weise zu trösten. Selbst bei Wohnungslosen, zu denen der Kontakt eher schwierig ist, „hilft“ die vierjährige Hündin. „Durch sie kommt man ins Gespräch. Den Hund zu streicheln hat für viele eine beruhigende Wirkung.

Chef von der Idee begeistert

Das weiß Grönnigers Chef zu schätzen. Sofort rannte sie bei Marcus Drees , Geschäftsführer des Caritasverbands für den Landkreis Emsland, offne Türen ein, als sie ihn um Erlaubnis fragte, „Feli“ mit zur Arbeit bringen zu dürfen. Er war von der Idee, „Feli“ in die Beratungsarbeit Uta Grönnigers einzubinden, angetan. „Gerade in der ambulanten Wohnungslosenhilfe haben wir es mit Menschen zu tun, für die Tiere und insbesondere Hunde oft eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen. Ich erlebe Feli in ihrer ‚Arbeit‘ als einen Türöffner.“ Durch ihre ruhige und sensible Art, auf die Menschen zuzugehen, ermögliche sie in vielen Situationen eine „erste niederschwellige Kontaktaufnahme für die Menschen, die sehr oft in einer sehr schwierigen Lebenssituation zu uns kommen.“

Gewinn für die Einrichtung

Drees sieht Feli nicht nur für die Besucher der Caritas-Einrichtung in Meppen als einen Gewinn, sondern auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Für Letztere ist sie längst fester Teil des Teams. Sie darf selbst an Dienstbesprechungen teilnehmen, zum Beispiel an Infoständen der Caritas in Sachen „Öffentlichkeitsarbeit“ unterwegs sein. Und sie hat ihr (fast) eigenes Türschild.