Pferd mit Genfehler Deutschlands kleinster Friese kommt aus Meppen

Von Markus Pöhlking


Meppen. Er ist ein Zufallsprodukt. Und gewissermaßen ein Fehler der Evolution: Nur 1,19 Meter beträgt das Stockmaß von Little Willy, einem Friesenhengst. Normalerweise müsste es bei 1,70 Meter liegen. Seit fast neun Jahren lebt der pfiffige Liliputaner bei der Familie Bieler in Meppen.

Der Grund für den Kleinwuchs Little Willies ist ein rezessiv vererbtes Gen. Sind Vater und Mutter Träger, kommt das Fohlen mit Zwergenwuchs zur Welt, was etwa bei einem Prozent aller Geburten der Fall sei. Ein hohes Alter erreichen Tiere wie Little Willy normalerweise nicht: Häufig geht Kleinwuchs mit organischen Dysfunktionen einher, die Lebenserwartung ist kurz. Zudem seien sie schlicht Schandflecke im Stammbaum. „Derartige Missbildungen sind unbeliebt bei Haltern“, sagt Andreas Bieler, auf dessen Hof Willy lebt. Pferde mit entsprechendem Phänotyp erwartet in aller Regel kein angenehmes Schicksal. Viele Zwerge würden, da für die Zucht ungeeignet, kurz nach der Geburt beim Schlachter oder beim Tierarzt regelrecht entsorgt. Mit pränataler Diagnostik würde der Geburt entsprechender Tiere mittlerweile oft vorgebeugt.

Schlauer als andere Pferde

Dass Little Willy mehr Glück beschienen war, ist zunächst mal dem Internet zu verdanken: Bielers Frau Marijan fand den jungen Hengst vor knapp 8 Jahren im Netz offeriert, als er vier Monate alt war. Der Preis war niedrig, die Bilder rührend: „Wir haben gedacht, wir geben ihm eine Chance“, erinnert sich Andreas Bieler. Pferde hielt die Familie zu dem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren. Die Bielers entschlossen, ihn in eine Gruppe mit zwei anderen Hengsten zu geben. Der Beziehungsaufbau entwickelte sich normal. „Uns fiel aber schnell auf, dass Willy sich von den beiden anderen deutlich unterschied“, erzählt Bieler. „Er war sehr neugierig und mutig, verhielt sich schlauer als andere Pferde seines Alters.“ Nachrichten aus Meppen und dem Emsland auf noz.de

Durchschnittliche Lebenserwartung: 2 Jahre

Als Willy anderthalb Jahre alt wurde, lief er das erste Mal im Geschirr, mit zwei Jahren wurde er das erste Mal vor eine Kutsche gespannt. Ohne Probleme. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines kleinwüchsigen Friesen liegt bei zweieinhalb Jahren. Etwa in dem Alter avancierte Little Willy zu einer Berühmtheit auf verschiedenen Pferdeschauen in der Region. Bei der Pferdesportgemeinschaft Lähden oder dem Westernfestival in Hilter zum Beispiel. Besonders Kinderherzen flogen und fliegen dem Friesenzwerg zu. „Unseres Wissens ist Willy der kleinste Friesenhengst, den es in Deutschland gibt“, unterstreicht Andreas Bieler den Sonderstatus des kleinen Friesen.

„Völlig unbefangen“

Die Bielers haben über die Jahre mehrere Zeitungsartikel gesammelt: Fotos zeigen Little Willy, wie er unter einer großflächigen Deutschlandfahne durch galoppiert. Oder eine zur Kutsche umfunktionierte Schubkarre zieht: „Andere Pferde tasten sich langsam und über Jahre an solche Aufgaben heran. Willy ist bei allem völlig unbefangen.“

Bei bester Gesundheit

Gut möglich, dass ihm der Instinkt Angst schlicht fehle, kann sich Mariejana Bieler vorstellen. Die Entscheidung, ihm eine Chance zu geben, hat die Familie nie bereut: Mittlerweile ist Little Willy fast neun Jahre alt. Und bei bester Gesundheit: Die üblichen Behandlungen und Untersuchungen eines Hengstes seines Alters, mehr habe die Krankenakte nicht vorzuweisen. Neben Little Willy lebt mittlerweile ein zweiter Zwerg im Stall der Bielers: Binky, ein amerikanisches Minipferd, kommt gen-bedingt auf ein Stockmaß von 72 Zentimetern. An Aktivität steht Binky Little Willy in nichts nach. In keinerlei Hinsicht: „Beide sind Hengste. Und beide verhalten sich auch so“, bringt es Andreas Bieler auf den Punkt.


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