„Les Misérables“ auf Wunschliste Im Musical weitere Zukunft der Freilichtbühne Meppen

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Meppen. „Cabaret“, „Rocky Horror Show“, „Ein Käfig voller Narren“, „Im weißen Rössl“ – die Liste der Erfolgsmusicals auf der Meppener Freilichtbühne ist lang. In diesem Genre sieht die künstlerische Leiterin Iris Limbarth auch die Zukunft der Bühne.

Seit zehn Jahren ist Limbarth Regisseurin der Meppener Freilichtbühne . Den Job übernahm die Wiesbadenerin 2006 spontan, aus einer Not heraus. Der damalige künstlerische Chef, Peter Jahreis , hatte seinerzeit zum zweiten Mal die „Rocky Horror Show“ auf den Spielplan gesetzt, war mitten in den Planungen und ersten Proben, als der Theatermann aus Münster plötzlich die Regie aufgab und die langjährige künstlerische Zusammenarbeit mit den Meppenern beendete (wir berichteten). Spontan übernahm Limbarth. Neu war ihr die Meppener Bühne nicht. Schon 2000 übernahm sie die Choreografie für die „Rocky Horror Show“, als die zum ersten Mal in Meppen lief und zum Publikumsrenner wurde. Jahreis hatte die Inszenierung des Stücks am Wiesbadener Theater gesehen, für das Limbarth damals wie heute tätig ist – und war begeistert.

Nicht viel Zeit

Viel Zeit für die Umsetzung von „Rocky“ blieb Limbarth vor zehn Jahren nicht. Normalerweise hat man dafür ein Jahr Vorlauf, um das Bühnenbild zu planen, die Kostüme zu erfinden, die Besetzung zu besprechen und das Ganze auch noch zu inszenieren. Limbarth hatte nur ein paar Monate. Turbo-Arbeit auf allen Kanälen im Zeitraffer war gefragt. „Die kurze Zeit war die Herausforderung, aber der Vorteil war, dass ich das Stück natürlich sehr gut kannte“, sagt Limbarth heute.

Musical um Fran ’n’ Furter und Co.

Das Musical um Fran ’n’ Furter und Co. kam in Meppen erneut an. Die Besucher warfen, wie es sich für das Stück gehört, Reis und Toilettenpapier, tanzten vor ihren Plätzen ausgelassen den „Time Wharp“.

In den letzten Jahren gab es viele Stücke der Meppener Freilichtbühne, die vor allem tänzerisch immer anspruchsvoller wurden. Stepptanz at its best gibt es aktuell im Hauptstück „42nd Street“. Ist das, was die Spielschar und ihre Gastsolisten hier leisten, noch zu steigern? Von Iris Limbarth kommt ein klares: Ja. „Wir haben mittlerweile ein sehr gutes Ensemble in Meppen. Durch gezieltes Fördern des Nachwuchses schon beim Kinderstück und dadurch, dass wir immer weiter an uns arbeiten, können wir die Messlatte auch höher legen.“

Reinschauen: Ein Besuch in der Schneiderei der Mppener Freilichtbühne

Neben der künstlerischen Weiterentwicklung bemüht sich die Bühne, für Abwechslung zu sorgen. Bestes Beispiel dafür ist die entstaubte Wiederauflage des „Weißen Rössls“ von 2015, nachdem es ein Jahr zuvor mit „Hair“ ein absolutes Kontrastprogramm gab.

Hervorragende Unterstützung

Musicals, ob stark tänzerisch geprägt wie bei „42nd Street“ oder eher komödiantisch wie beim „Rössl“, bergen auf einer Amateurbühne die Gefahr, vor allem gesanglich schnell Schiffbruch zu erleiden. Den erlitten die Meppener bis dato nicht. „Wichtig ist natürlich auch da die Kontinuität. Man muss, unterstützt durch Fachleute, permanent an sich arbeiten“, sagt Limbarth. Hervorragende Unterstützung erfährt sie dabei vor allen Dingen durch den musikalischen Leiter Jason Weaver. Aber auch das Miteinander mit den Gastsolisten empfindet die Regisseurin als Hilfe für das Ensemble. „An ihnen kann man sich messen. Sie übernehmen so eine Art Vorbildfunktion. Ihnen möchte man nacheifern.“

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Ein Musical ausschließlich mit hiesigen Darstellern zu präsentieren könnte sich Limbarth durchaus vorstellen. Die Bühne habe viele Talente. Bei anspruchsvollen Rollen setzt sie allerdings weiter „auf Unterstützung von außen“.

Viele Steppszenen

Die ist auch mit Blick auf die Kürze der Zeit hilfreich, in der ein Musical in Meppen erarbeitet wird. Normalerweise beginnen im Februar die musikalischen, ab Mitte März die szenischen und choreografischen Proben. Etwa drei Monate später muss das Stück, muss das Musical sitzen. Für „42nd Street“ war der Vorlauf länger. Um die vielen Steppszenen einzustudieren, begann das Training bereits im November. Einmal wöchentlich.

Vorbereitungen für 2017

Auch für die Spielzeit 2017 laufen die ersten Vorbereitungen. Die Verhandlungen für die Aufführungsrechte laufen. Dass am Ende dieser Gespräche mit Verlagen nicht immer das Wunschstück steht, ist in der Branche üblich. Die Aufführungsrechte für Erfolgsmusicals wie „Mamma Mia“ zu bekommen ist nahezu utopisch. An die Vergabe von Spielrechten auch für Freilichtbühnen sind jede Menge Auflagen geknüpft. Dass ein Stück zum Beispiel nicht an einem der großen Musical-Theater läuft und/oder dass ein Live-Orchester zur Verfügung steht.

„Les Misérables“ auf der Wunschliste

„Les Misérables“ wäre eins dieser großen Musicals, das Limbarth wahnsinnig gerne in Meppen inszenieren würde. „Ich fände das ganz toll, aber dafür bekommt nicht mal eine Profibühne die Rechte.“ Es gebe im Prinzip vier große Verlage, die Musicals anbieten: Felix Bloch Erben, Rodgers and Hammerstein Theatricals und Gallissas in Berlin und Musik und Bühne in Wiesbaden. Sie alle arbeiten mit Original-Verlagen in den USA oder London zusammen und müssen dort immer erst die Erlaubnis einholen, ob ein Theater die Rechte bekommt. Viele Stücke seien leider nicht frei für Amateur-Produktionen. Sie dürften nur von Profiproduktionen aufgeführt werden.

Daneben gibt es Produktionsfirmen, die die Exklusivrechte für ein Musical gekauft haben. BB Promotion in Mannheim zum Beispiel besitzt die Rechte für „West Side Story.“. Wo diese Werke aufgeführt werden, dürfen andere Theater im Umkreis von 100 Kilometern das Stück nicht spielen. Außerdem dürfen bestimmte Stücke nur mit Livemusik und nicht mit Musik vom Tonband aufgeführt werden. „Viele Stücke kommen deswegen für uns gar nicht infrage“, bedauert Limbarth das schon ein bisschen.

Verlage sehr kooperativ

In der Regel erlebt sie die Verlage allerdings als sehr kooperativ. „Wir haben mittlerweile auch gute Kontakte zu allen Verlagen, und sie schätzen unsere Arbeit sehr. Sie bemühen sich immer, uns zu helfen und alles möglich zu machen.“ Deshalb ist die Regisseurin zuversichtlich, auch in den kommenden Jahren „immer wieder tolle Stücke auf dem Spielplan zu haben“.

Gemeinschaftliches Erarbeiten

Sie setzt auf eins der „vielen guten, neuen Musicals. Und auf das, was die Meppener Freilichtbühne für sie ist: „Ein toller Verein, der so viele Möglichkeiten bietet.“ Ob auf der Bühne, im Chor oder hinter der Bühne, das gemeinschaftliche Erarbeiten bringe „trotz aller Arbeit, die man leisten muss, großen Spaß“.

Weitere Talente entdecken und fördern

Den will Limbarth dem Publikum mit ihrem Ensemble weiter bereiten. Sie möchte „viele weitere Talente entdecken und fördern“. Und zahlreiche neue Besucher für die Bühne begeistern, die nach einer Aufführung vor allem mit dem Gefühl nach Hause gehen: Es hat Spaß gemacht.


Termine des Hauptstücks „42nd Street“

Das aktuelle Hauptstück „42nd Street“ ist noch bis zum 3. September auf der Meppener Freilichtbühne zu sehen. Die Termine: Samstag, 30. Juli, Freitag, 5. August, Samstag, 6. August, Samstag, 13. August (jeweils 20 Uhr), Sonntag, 14. August, 16 Uhr, Freitag, 19. August, Samstag, 20. August, Freitag, 26. August, Samstag, 27. August, Freitag, 2. September, Samstag, 3. September, jeweils 20 Uhr. Karten für Erwachsene kosten zwischen zehn und 17,50 Euro. Nähere Informationen/Reservierung: Tel. 0 1802/8812188. Karten gibt es auch bei der Meppener Tagespost.

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