Keine Angst, aber „mulmiges Gefühl“ Meppener sehen Terrorentwicklung mit Sorge

Von Carola Alge


Meppen. Nizza, Würzburg, München, Ansbach– die Terroranschläge und Amokläufe häufen sich. Nimmt die Angst unter der Menschen zu, Opfer eines Anschlags zu werden? Wir haben mit Passanten in der Meppener Innenstadt gesprochen. Von übermäßiger Angst sprach niemand, wohl aber von mulmigen Gefühlen.

„Jein“, sagt Melanie Hülsmann. Die 34-jährige Meppenerin fühlt sich in der Kreisstadt schon noch recht sicher. „Hier passiert so schnell nicht“. Allerdings sieht die Hausfrau ihrem nächsten Tripp nach Berlin in drei Wochen mit „mulmigen Gefühlen entgegen“. Ihr Vetter mit Familie lebt dort, ein einwöchiger Besuch ist lange ausgemacht. „In einer Großstadt kann natürlich schnell etwas passieren. Das haben wir ja in München gesehen.“ Mit der eigenen Familie, sprich Mann und zwei Kindern , will sie in nächster Zeit auf jeden Fall in keine Großstadt fahren.

Nicht einschüchtern lassen

Peter Heberle sieht das vom Grundsatz ähnlich. „Das Potenzial ist dort eher da.“ Einschüchtern lassen möchte sich der Auszubildende aber nicht. „Das wollen diese Durchgeknallten doch nur. Dass wir in Angst und Schrecken leben und allem fern bleiben, was Leben ausmacht“, sagt der 19-Jährige.

„Was ist das für eine Welt im Moment?“

„Was ist das für eine Welt im Moment?“, fragt Heinrich Sure. Der Pensionär aus Haren denkt dabei nicht nur an die Täter mit islamistischem Hintergrund und Amokläufer wie in München . „Gucken Sie mal rum. Erdogan wird zum Diktator. Trump wäre ein Diktator in Amerika, will wieder Mauern bauen. Und so viele Menschen bejubeln das“, schüttelt der 69-Jährige den Kopf.

„Nicht mehr so sicher“

„Nicht mehr so sicher“ findet Jennifer Will Deutschland zurzeit allgemein. Die 15-jährige Schülerin aus Lathen verfolgt das Thema Anschläge intensiv. Natürlich nehme die Angst ein bisschen zu, „aber wir leben hier noch ziemlich sicher.“

Vorwürfe an die Bundesregierung macht Peter van der Vriet. „Es wurde viel zu viel Polizei abgeschafft. Wo sieht man denn noch Beamte?“, beklagt der 70-Jährige den Stellenabbau. Auch in Meppen müsse man immer mehr Angst haben. Nicht vor Terroranschlägen . „Aber wenn man abends zum Beispiel in der Rathauspassage unterwegs ist, fühlt man sich nicht unbedingt sicher. Da hocken Viele, trinken Alkohol, pöbeln einen an. Ich könnte mich wehren, andere aber nicht unbedingt.“

„Ganz fürchterlich“

Übermäßige Angst hat Renate Brundiek nicht. „Wenn’s passiert, passiert es“, ist die Einstellung der 73-jährigen Meppenerin. Die jüngsten Anschläge allerdings findet sie „ganz fürchterlich und schlimm.“ Es sei unendlich traurig, dass in München „so viele Kinder und Jugendliche sterben mussten.“ Sie fordert ein härteres Durchgereifen der Regierung: „Das geht so nicht weiter.“

„Schrecklich.“ Helga Gudat denkt an die Angehörigen der Toten. „Es ist traurig um die jungen Menschen.“ Sicher fühlt sie sich zurzeit nicht wirklich. „Wenn ich zum Beispiel in der MEP bin, gucke ich mich schon um, wer da so ist“, gibt die Meppenerin zu.

Wohin führt das?

„Das ist alles nicht mehr normal. Wohin führt das?“ Falko Wirtz sieht die Entwicklung „schon mit Sorge“. Der 35-jährige Stadtreiniger fühlt sich in Meppen sicher. Sich in Großstädten aufzuhalten, sei aber „sicher ein komisches Gefühl“.

Das sieht Salvatore Befumo ähnlich. Der Italiener lebt seit 33 Jahren in Meppen. Alle kämen hier gut miteinander klar – Deutsche und Ausländer. Warum es vermehrt Anschläge gibt, ist für den 63-Jährigen nicht nachzuvollziehen. Die Entwicklung verfolgt er „mit Sorge“. Er kann es nicht nachvollziehen, dass junge Leute auf diese Weise andere junge Menschen in den Tod ziehen.