Blick in die Schneiderei Hier laufen Fäden der Freilichtbühne Meppen zusammen

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Meppen. Rrrrrrrrrrr. Das monotone Geratter von Nähmaschinen erfüllt den hellen Raum im Untergeschoss des Kostüm- und Maskentrakts der Meppener Freilichtbühne. In der Bühnen-Schneiderei herrscht Hochbetrieb.

Vorsichtig schieben zwei Frauen dünnen Stoff unter den Nadeln durch. Zwei andere sortieren Garn, Knöpfe und Reißverschlüsse in die vielen kleinen Schatullen im Regal gegenüber des großen Arbeitstisches in der Mitte.

Hier in den Katakomben sind pro Saison 14 Frauen im Einsatz, die dafür sorgen, dass die Bühnenkostüme stets in Schuss sind. Auch an diesem Nachmittag, obwohl aktuell keine Aufführung des Kinderstücks „Der Zauberer von Oz“ oder des Musicals „42nd Street“ ansteht. Zu tun gibt es immer etwas. Die Garderobe muss ausgebessert werden. Mehr als 6500 Kostüme sind hier im Laufe der Jahrzehnte durch die Hände der ehrenamtlichen Helferinnen gegangen.

Eins der Urgesteine

Eins der Urgesteine dieser guten Geister im Hintergrund ist Elisabeth Acquistapace . Seit fast 40 Jahren näht, stopft, ändert sie hier. Spaß macht ihr die Arbeit noch immer. „Wir sind alle positiv bekloppt“, lacht die Meppenerin und blickt einen Moment durch ihre Brille weg von dem Silberstulpen des Zauberers auf, an dem sie Querlaschen ausbessert. Der viele Regen hat sie während der Aufführungen ausgeleiert.

Regen einer der größten Arbeitsbeschaffer

Der Regen ist einer der größten Arbeitsbeschaffer für sie und die anderen 13 Frauen in der Schneiderei, in der an den Wänden überall Schnittmuster und Kostümskribbel hängen. Da muss schon mal in der Pause eine klitschnasse Dorothy-Darstellerin samt Kostüm getrocknet werden. Oder wenn Petrus beim Musical wieder sämtliche Schleusen öffnete, werden die empfindlichen Federn der Fächer aus einer der Revue-Szenen mit Föhnen getrocknet, damit sie nicht verkleben.

Lange Saison für die Helferinnen

Die Saison ist für die Schneiderei lang. Über 90 der 250 Kostüme des Kinderstücks haben die Meppenerinnen selbst genäht. Dazu kommen Schneeflocken, Mohnblumen und andere optische farbenfrohe Hingucker. Alles wird genau nach Entwürfen von Gewandmeisterin Helgard Klaßen-Seifert für das Kinder- und von Heike Korn für das Hauptstück geschneidert. Die liegen bis Februar vor – und ab dann rattern die Nähmaschinen auf Hochtouren. Drei Tage die Woche, drei bis vier Stunden lang. Langeweile kommt da gar nicht erst auf. „Wir haben so viel Spaß, kennen uns gut, treffen uns auch außerhalb der Bühne“, erzählt Ulrike Hartung. Mit 15 Jahren kam sie in die Bühnen-Schneiderei. Seit mittlerweile 34 Jahren werkelt sie hier.

Nette Anekdoten

Nette Anekdoten zum Thema Kostüme und Pannen kennt sie viele. Aus dem legendären „Käfig voller Narren“ zum Beispiel. Hauptdarsteller Rainer Luhn trug darin mehrere Korsagen-Kostüme, die er mitbrachte. Seine Figur und einige der viel Fleisch zeigenden Outfits passten nicht immer. Auf dem Rücken des Künstlers mussten Hartung und andere Helferinnen die Bänder, die den Stoff zusammenhielten, extrem stramm schnüren. So stramm, dass bei manchen der schnellen Kostümwechsel nur eins half: „Die Bänder mit der Schere aufschneiden, raus mit ihm und rein in eine neue Korsage, dann wieder fest hinten schnüren.“ Zwei bis drei Minuten Zeit waren dafür – und eine Panne – vorprogrammiert. Bei einem der Umzüge schafften es die Frauen hinter der Bühne nicht, die Bänder auf dem Rücken des Musicaldarstellers zu binden. Hinten quasi halb nackt stürmte er kurzerhand so auf die Bühne, drückte das etwas von Kostüm vorn mit den Händen an die Brust.

Alle Hände voll zu tun

Pannen wie diese gab es beim aktuellen Hauptstück bisher nicht. 320, teilweise opulente Kostüme halten die Helferinnen dafür in Schuss. Während jeder Aufführung gibt es deshalb eine Art Bereitschaft in der Schneiderei. Die hat insbesondere in der 20-minütigen Pause alle Hände voll zu tun. Hier fehlt ein Knopf, da ist plötzlich ein Reißverschluss kaputt und muss in Windeseile ausgewechselt werden, und dort sitzt eine Manschette nicht mehr.

Improvisieren

Improvisieren ist das Zauberwort. Beste Dienste leistet außerdem in diesen Situationen die gute alte Sicherheitsnadel. Von denen liegen in einem Kästchen in der Regelwand reichlich. Fein sortiert neben Garn, Knöpfen und Co. Ein bisschen schaut es hier aus wie in einem Krämerladen anno dazumal. Durcheinander gibt es nicht. „Überblick ist die halbe Miete“, schmunzeln Herma Schnieders, in Sachen Kostüme verantwortlich für das Abendstück, und Elisabeth Acquistapace. Den Silberstutzen hat sie inzwischen ausgebessert. Feierabend ist trotzdem noch nicht. Auf dem Tisch liegt unter anderem noch eine Pumphose. Der daran geheftete Zettel ist der Auftrag: „Bund enger“, ist darauf handschriftlich neben anderen Hinweisen vermerkt. Und wieder rattert eine der Nähmaschinen.

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