Ist das Testament gültig? Nachlassgericht Meppen: Wenn Erben nicht erben wollen

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Ingrid Gerdelmann arbeitet im Nachlassgericht im Amtsgericht Meppen. Foto: Julia MauschIngrid Gerdelmann arbeitet im Nachlassgericht im Amtsgericht Meppen. Foto: Julia Mausch

Meppen. Montagmorgen in Meppen. Die Sonne scheint, Ingrid Gerdelmann sitzt an ihrem Schreibtisch im Amtsgericht. Geht ihre Tür auf, lächelt sie die Kunden freundlich an. Keine Spur von Trauer ist in ihren Augen zu sehen, obwohl das Thema – mit dem sie sich tagtäglich im Nachlassgericht beschäftigt – ein trauriges Thema ist: der Tod.

2001 ist Elfriede P.* verstorben. Elfriede P.* war kinderlos, ihre eigenen Eltern längst verstorben. Alleine verbrachte sie ihren Lebensabend, zu ihren Geschwistern hatte sie kaum Kontakt, das Verhältnis war angespannt. Vor 15 Jahren verstarb Elfriede*, aber noch heute liegt die Akte im Schrank hinter dem Schreibtisch von Ingrid Gerdelmann. „Das ist ein unendlicher Fall“, sagt die Justizfachangestellte. Zwar habe Elfriede P* ein Vermögen gehabt, wer nun aber der Erbe ist, das ist bis heute ungeklärt. Zwar gibt es eine Erbengemeinschaft, da die jedoch verstreut wohnen , sich nicht vertragen und wichtige Dokumente fehlen, konnte bis heute kein Erbschein ausgestellt werden.

Helfer für traurige Angelegenheiten

Es ist eine verzwickte Sache, bei der auch Gerdelmann und ihre Kollegen wenig tun können. „Wir wollen der Familie dabei gerne helfen, aber wichtige Dokumente fehlen einfach“, sagt Gerdelmann. Sie und ihre Kollegen Magdalene Schumacher, Christel Kessens, Raimund Bürsken sowie die Rechtspflegerinnen Marina Heinen und Lisa Schlichtenhorst verstehen sich eben als Helfer. Tagtäglich rufen bei ihnen Menschen an, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben, oder sich mit dem eigenen Tod beschäftigen, oder einfach mit jemanden über den eigenen Schmerz reden wollen. Das Erben und Vererben klingt leichter gesagt, als getan. Vieles muss im Vorfeld beachtet werden. Auch dann, wenn die Person, die gerne vererben möchte, noch lebt. Stichwort: Testament.

Nur die Handschrift zählt

Szenen, wie sie in amerikanischen Filmen gerne gezeigt werden, wo ein Notar an einem Tisch sitzt und das Erbe auf die Nachkommen aufteilt, gibt es hier nicht. Hier läuft alles einfacher, ja, geregelter. Laut Gerdelmann nimmt das Amtsgericht Testamente entgegen und bewahrt sie gegen eine Gebühr auf. „Aber sie müssen handschriftlich verfasst werden“, betont die Justizfachangestellte. Wichtig ist auch, dass das Datum notiert wird, wann das Testament aufgesetzt wurde und man mit Vor- und Zunamen unterschreibt. Ein mit dem Computer verfasstes Dokument ist nicht wirksam, es sei denn, es wurde von einem Notar verfasst. „Zurückgerufen werden können die Testamente jederzeit“, sagt Ingrid Gerdelmann. Etliche Hunderte Testamente bewahrt das Amtsgericht auf. Da ein Testament nicht seine Gültigkeit durch Zeitablauf verlieren kann, werden die Dokumente im Amtsgericht in Meppen in Tresoren aufbewahrt, in Sicheren, denn: „Sie müssen ja geschützt werden, falls mal ein Feuer ausbricht.“

Wenn der Tod plötzlich eintritt

Nicht jeder setzt ein Testament auf. „Dann tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein“, sagt Gerdelmann, die sich mit diesen Angelegenheiten seit mittlerweile 16 Jahren beschäftigt. Angehörige müssen dann einen Erbschein beantragen. Damit dann alles reibungslos über die Bühne geht und es nicht wie im Fall von Elfriede P. zu Komplikationen kommt, benötigt das Amtsgericht eine Reihe von Dokumenten:

  • Die Sterbeurkunde des Erblassers im Original oder beglaubigter Form
  • Namen und Anschrift der gesetzlichen Erben
  • Alle Personenstandsurkunden, die die gesetzliche Erbfolge nachweisen
  • Sterbenachweise von möglichen Erben, die aber bereits verstorben sind
  • Ein gültiger Personalausweis der Person, die erben will
  • Angaben zum Vermögen der verstorbenen Person zum Zeitpunkt des Todes

Schulden! Will man jetzt noch erben?

Wer nicht Erbe sein will, kann die Erbschaft auch ausschlagen. Meist kommt dieser Fall zustande, wenn „der Verstorbene beispielsweise Schulden hinterlassen hat“, sagt Ingrid Gerdelmann. Niemand ist verpflichtet, ein Erbe anzutreten, muss dabei aber besondere Fristen einhalten. „Sechs Wochen haben Erben Zeit, persönlich zu erklären, auf den Nachlass zu verzichten“, sagt die Expertin. Die Frist beginnt, wenn der Angehörige oder Verwandte von dem Erbe Kenntnis bekommen hat. Aber was ist, wenn sich der Erbe im Ausland aufhält? „Da gilt dann eine sechsmonatige Frist.“

*Name von der Redaktion geändert


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