Erste Aufführung 1951 Viel Improvisation beim Start der Meppener Freilichtbühne

Von Carola Alge


Meppen . Pyrotechnik, Beschallungsanlage und Spots neuester Generation – wer heute Inszenierungen der Meppener Freilichtbühne besucht, erlebt Hightech vom Feinsten. Kaum jemand kann sich heute vorstellen, wie dort vor Jahrzehnten technisch improvisiert werden musste.

Am 26. November 1950 im „Hotel Germania“ ins Leben gerufen, fanden die Gründungsväter an der heutigen Spielstätte einen Schießstand vor, für den die Böschung, auf der die Freitreppe zur Bühne führt, der Kugelfang war. In atemberaubendem Tempo schaffte es der Verein unter dem Vorsitz von Dr. Carl Knapstein, hier innerhalb von drei Monaten eine Bühne nach griechischem Amphitheatervorbild zu errichten. Alle nur erdenklichen Behelfsmittel und viel Eigenleistung waren gefragt.

Absolutes Chaos

Während dieser Zeit herrschte natürlich das absolute Chaos. Es brachte den Intendanten, der die Proben für „Das Kätchen von Heilbronn“ möglichst früh an Ort und Stelle durchführen wollte, an den Rand der Verzweiflung. „In 14 Tagen soll Premiere sein“, beklagte sich Karl-Edin Büscher. In einem Schreiben an den Vorstand lehnte er „mit dem heutigen Tage jede künstlerische Verantwortung“ ab.

Erste Aufführung am 14. Mai 1951

Die erste Aufführung auf der Meppener Freilichtbühne , bei der die Stromversorgung für die teils aus Konservendosen gebauten Scheinwerfer durch Notstromaggregate kam, da es damals Elektrizität nur in der Innenstadt gab, fand dennoch programmgemäß am 14. Mai 1951 statt. Es wurde, so die Presse damals, eine Vorstellung, in der „das Fräulein Augustin vom Markt“ die Zuschauer als „Kätchen“ in dem Kleist-Werk bezauberte.

Mehrheit der Mitwirkenden noch nie auf der Bühne

Trotz dieses gelungenen künstlerischen Starts war der Anfang nicht leicht. Die Mehrheit der Mitwirkenden hatte noch nie auf einer Bühne gestanden, musste erst mit dem Theater vertraut gemacht werden. Es vergingen knapp zehn Jahre, bis die Bevölkerung ihre Freilichtbühne akzeptierte, ja ins Herz schloss. So nun auch von außen getragen, bildete sich eine Gemeinschaft, die sich vor allem durch Idealismus auszeichnet.

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Miteinander und Füreinander

Wie groß dieses Miteinander und Füreinander ist, zeigte sich beispielsweise 1957. Adolf Wüstefeld, der im „Meineidbauer“ die Hauptrolle spielte, stürzte bei der Generalprobe in den Orchestergraben und zog sich beim Aufprall auf den Zementboden schlimme Verletzungen zu. Dennoch: Am nächsten Tag stand er bei der Premiere auf der Bühne.

Tief Mitte der 1970er Jahre

Ein Tief folgte Mitte der 1970er-Jahre. Immer mehr Menschen zogen den heimischen Fernseher der Naturbühne vor. Der Vorstand dachte ernsthaft ans Aufhören, doch die Lobeshymnen, die bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen erklangen, ließen die Resignation wieder verfliegen. Außerdem stellten Stadt, Kreis und Land höhere Zuschüsse in Aussicht. Heute zählt der Verein 380 Mitglieder , die durchschnittlich 120 Stunden aktiv im Jahr auf der Bühne tätig sind.

Liebe zum Schauspiel

Die Liebe zum Schauspiel, in der Gemeinschaft etwas zu erarbeiten, Kontakt zu Menschen, Zufriedenheit über die freiwillig erbrachte Leistung – das sind ihre Motoren. Gewürdigt wurde dieses hohe unentgeltliche Engagement 1989 durch die Verleihung des „Kulturpreises Emsland“. Mit Hermann Lause („Schtonk“) brachte die Meppener Bühne einen später bundesweit bekannten Fernseh- und Theaterschauspieler hervor.

Viele Anekdoten

Anekdoten aus den vergangenen Jahrzehnten gibt es unzählige. Zum Beispiel an an eine große Suchaktion im Jahr 1992, als das „Weiße Rössl“ auf dem Programm stand. Für die Rolle des Leopold hatte Regisseur Peter Jahreis Heinz Hellberg verpflichtet. Eine Aufführung sollte bereits um 18 Uhr beginnen. Die Mitwirkenden hatten sich darauf eingestellt und kamen pünktlich gegen 17 Uhr zur Bühne. Nur einer verließ zu diesem Zeitpunkt die Bühne, Heinz Hellberg. Gegen 17.45 Uhr starteten die Verantwortlichen der Bühne eine Suchaktion, setzten Streifenwagen der Polizei in Bewegung, um nach einem weißen Passat Kombi mit Wiener Kennzeichen zu suchen. Über Lautsprecherdurchsagen in sämtlichen Meppener Supermärkten wurde die „Fahndung“ unterstützt – ohne Erfolg.

Suche nach Hauptdarsteller

Schließlich traf ihn Roswitha Schulte, ein Bühnenmitglied, in einem Kiosk. „Was machst du denn hier, die Aufführung hat doch längst begonnen“, starrte sie den Schauspieler an. Als er begriffen hatte, was los war, drückte er die im Kiosk für seine Freundin ausgesuchten Utensilien Schulte in die Hand, ließ sie bezahlen und brauste mit dem Auto zur Bühne. Dort angekommen, stürzte er in die Garderobe, wo seine erste Frage war: „Wo ist mein Haarspray?“ Danach konnte die Aufführung beginnen.

1996 Feuer auf der Bühne

Einen herben Schlag musste die Meppener Bühne im Sommer 1996 verkraften. Ein 20-jähriger angetrunkener Meppener legte ein Feuer. Lager- und Requisitenhallen brannten vollständig nieder. Spaziergänger hatten das Feuer im Esterfelder Forst bemerkt und Feuerwehr sowie Polizei alarmiert. Ein weithin sichtbarer Rauchpilz stand über dem Bühnengelände. Der Spielbetrieb ging kurz darauf dennoch weiter.

Amüsant nach den Aufführungen

Amüsant geht es oft nach den Aufführungen zu. So auch bei der „Zirkusprinzessin“ Anfang Juli 1996. Einige Chordamen hatten die Idee, sich von Flaschenresten aus den heimischen Barfächern zu befreien. Es dauerte nicht lange, und im Getränkeraum sammelten sich die verschiedensten Spirituosen vom Mandellikör bis zum edlen Calvados. An der langen Tafel in der Klause durften nur Frauen Platz nehmen, Männer waren vom Restetrinken ausgeschlossen. Ein männlicher Tischnachbar verschwand darauf in dem Fundus, suchte sich den weiten Rock der Witwe Bolte samt großem Umschlagtuch heraus und zog ihn an. Seinen Kopf schmückte eine graue ungekämmte Perücke, die er mit einem Kopftuch festgebunden hatte. Nachdem der Gute in der Klause ein Tänzchen vorgeführt hatte, wurde er in der Frauenrunde herzlich begrüßt, durfte am Tisch Platz nehmen und seinen geliebten Calvados genießen.

1,5 Millionen Zuschauer

Insgesamt annähernd 1,5 Millionen Zuschauer haben die 147 Inszenierungen der Meppener Freilichtbühne gesehen. Seit 1990 („Anatevka“) werden hier als Hauptstück Musicals präsentiert. Zu den erfolgreichsten gehören „Ein Käfig voller Narren“, „Cabaret“ mit Witta Pohl , das „Weiße Rössl“ aus 2015 und „Die Rocky Horror Show.“