Ostafrikanische Flüchtlinge Auch im Emsland verbreitet: Khat, die unbekannte Droge

Das Flugzeug transportierte die Droge Khat. Archivfoto: Dai KurokawaDas Flugzeug transportierte die Droge Khat. Archivfoto: Dai Kurokawa

Meppen. Kaum jemand kennt die Droge Khat. Dabei taucht sie auch immer mal wieder im Emsland auf. Da die Kaudroge vor allem bei Flüchtlingen aus Ostafrika beliebt ist, könnte ihre Bekanntheit bald steigen.

Wenn von Khat die Rede ist, wissen wohl nur die wenigsten, was damit gemeint ist. Die Kaudroge ist im Vergleich zu anderen Drogen eher unbekannt und unter Europäern wenig verbreitet. Und trotzdem findet sie immer mal wieder ihren Weg ins Emsland.

In Meppen sollten sich vor Kurzem zwei Drogenschmuggler vor dem Schöffengericht wegen Khat-Besitzes verantworten. Aus ungeklärten Gründen waren die gebürtigen Somalier nicht erschienen. Im Oktober 2014 wurden sie dabei erwischt, wie sie mit der Droge von den Niederlanden nach Deutschland einreisten.

Khat ist eine in Ostafrika und dem Nahen Osten verbreitete Kaudroge. Gekaut werden die frischen Blätter und jungen Zweige der Pflanze. In Deutschland und seit wenigen Jahren auch in den Niederlanden ist der Konsum von Khat verboten. Vorher galt die Pflanze dort als Gemüse und konnte straffrei konsumiert werden. In Deutschland ist der Besitz nach dem Betäubungsmittelgesetz schon länger unter Strafe gestellt.

Ähnlich wie Cocablätter

„Khat stillt den Hunger, steigert den Antrieb und unterdrückt die Müdigkeit“, sagt Manfred Rabes von der niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen. Im Vergleich zu Kokain habe Khat eine wesentlich geringere Wirkung, sie sei eher mit den Cocablättern vergleichbar. Das Besondere an Khat sei, dass seine Wirkung von der Frische der Blätter abhänge, so Rabes: „Je frischer die Blätter, desto stärker die Wirkung.“

Der Drogenexperte weist daraufhin, dass die Kaudroge in den Ländern am Horn von Afrika kulturell akzeptiert sei. „So wie in Deutschland Alkohol weitgehend akzeptiert ist, gilt dies auch für Khat in Somalia und anderen Staaten“, sagt der 64-Jährige.

Nun sind unter der aktuellen Flüchtlingsbewegung auch Ostafrikaner zu finden. 2015 kamen nach Syrien und Afghanistan die meisten Flüchtlinge aus Somalia. Viele Afrikaner kommen über das Mittelmeer nach Europa und stranden an der italienischen Küste. Dort zählte das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen im letzten Jahr 12.433 Somalier – die drittgrößte Gruppe. Da stellt sich die Frage, ob Khat auch im Emsland bald häufiger vorkommen wird.

Khat im Emsland

Zwar ist der Schmuggel der Kaudroge seit dem Verbot in den Niederlanden zurückgegangen, doch das Land der Tulpen und Windmühlen bleibt immer noch ein bedeutender Umschlagplatz für Drogen jeglicher Art. Zumal Khat vorwiegend in die skandinavischen Länder geht und der Streifen von Salzbergen bis Papenburg eine dafür gern genutzte Transitstrecke ist.

Auch einer der in Meppen angeklagten Drogenschmuggler befindet sich in einem Asylverfahren in Schweden. Werden die Khat-Transporte also angesichts der gestiegenen Flüchtlingszahlen bald zunehmen?

Achim van Remmerden glaubt das eher nicht. „Wir hatten ja im letzten Herbst und Winter einen großen Zuzug von Flüchtlingen, seitdem ist uns kein Fall von Khat-Konsum oder -Schmuggel bekannt geworden“, sagt der Polizei-Pressesprecher aus Lingen. Und überhaupt: In den Regionen Emsland und Grafschaft Bentheim spiele Khat „absolut keine Rolle“. Das sagen auch seine Zahlen: Seit 2010 gab es nur sechs Rauschgiftdelikte im Zusammenhang mit der Kaudroge – in den meisten Fällen waren Einheimische beteiligt.

Flüchtlinge und Drogen

Und trotzdem gibt es auch immer wieder Hinweise auf Flüchtlinge, die mit Drogen umgehen. Im Herbst letzten Jahres wurde zum Beispiel bekannt, dass in dem Erstaufnahmelager in Hesepe bei Osnabrück Drogen konsumiert werden. Flüchtlinge hatten sich in einem offenen Brief über die dortigen Zustände beschwert.

Auch wenn die allermeisten Flüchtlinge wohl Besseres im Kopf haben, als sich mit Drogen zu befassen, kann auch Bernd Mesovic von der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl nicht bestreiten, dass es vereinzelt Drogenkonsum und -schmuggel unter Flüchtlingen gibt. Oftmals werden sie allein aus finanziellen Gründen in das Drogengeschäft gedrängt.

Wie sich die Verbreitung von Khat in Zukunft entwickeln wird, lässt sich noch nicht absehen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass man demnächst noch öfters von der Droge hören wird – die bis vor Kurzem noch als Gemüse galt.


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