Umfrage in der Innenstadt Wenig Sympathien für Johnson in Meppen

Von Markus Pöhlking


Meppen. Boris Johnson ist neuer britischer Außenminister. Viele Menschen sehen die Personalentscheidung der britischen Premierministerin kritisch: Bei einer Straßenumfrage in der Meppener Innenstadt überwogen Skepsis und Unverständnis im Meinungsbild.

Es sind klare Worte, die Hajo Grossmann in der Meppener Innenstadt zur Personalie Johnson bemüht: „Für mich ist der Mann, um es mal im regionalen Duktus auszudrücken, ein echter Torfkopp“. Der 66-jährige aus Sögel hält die Ernennung Johnsons zum Außenminister für einen Fehler: „Der hat das Land doch völlig unnötig in den Brexit geritten. Und jetzt soll er Großbritannien in der Welt vertreten?“ Gerade für die anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU sei Johnson der „komplett falsche Mann.“ Den von Johnson befürworteten Brexit hält Grossmann für einen Fehler: „Offenbar hat man damit der Jugend im Land ein Stück Perspektive geraubt“, glaubt er. Zudem könne die Entscheidung das Konstrukt Großbritannien in einen Scherbenhaufen verwandeln, wenn es zum Austritt Schottlands und Nordirlands aus der Union komme.

„Eine Katastrophe“

Ebenfalls kritisch äußert sich Tamara Meyer zu der Personalentscheidung: „Ich finde, das ist eine Katastrophe.“ Johnson erscheine ihr kaum geeignet, das Amt auszufüllen: „Ganz ehrlich, mich erinnert er eher an einen Comedian als an einen Politiker.“ Mit ihrem Mann war die 39-jährige Hausfrau gerade erst im Urlaub auf der Insel. Die Folgen des Brexit, so ihre Beobachtung, seien derzeit noch wenig präsent in der Öffentlichkeit. „Im persönlichen Kontakt äußern aber viele Briten Unbehagen“, sagt sie.

Zwiespältige Gefühle

„Ich vermisse bei ihm vor allem Werte wie Geradlinigkeit und Ehrlichkeit“, sagt Andreas Bieler. Der 49-jährige Außendienstmitarbeiter aus Meppen hält wenig von Boris Johnson. „Nun ist er Außenminister. Ob er in dem Amt was taugt oder nicht, wird sich zeigen.“ Das Johnson die Briten aus der EU führen wird, bewertet Bieler zwiespältig: „Sie haben sich so entschieden. Das mag aus unserer Perspektive schlecht sein, aber man muss das akzeptieren.“ Für die EU sei es vielleicht gar nicht so schlecht, einen „Rosinenpicker“ loszuwerden – andererseits drohe in Europa nun möglicherweise ein Erdrutscheffekt, an dessen Ende weitere Austritte stehen könnten. Weiterlesen: So reagiert das Netz auf den neuen britischen Außenminister

Paradoxe Entscheidung

Von einem „mulmigen Gefühl“ spricht Annette Rump: „Es ist schon paradox, dem Mann jetzt diesen Posten anzutragen, nachdem er vor dem Amt des Premierministers gekniffen hat.“ Die 65-jährige aus Rheine ist gemeinsam mit ihrer Freundin Liese Sender unterwegs. Die 76-jährige Sender zeigt sich generell verwundert über die Ereignisse in Großbritannien: „Ich bin in meinem Leben viel gereist. Die Briten habe ich immer als sehr weltoffen wahrgenommen, daher wundert mich die Entscheidung zum Brexit sehr.“ Andererseits, so sagt sie, machten die Briten seit jeher ihr eigenes Ding: „Wenn das dann allerdings in eine Entscheidung mündet, die offenbar von der Jugend des Landes nicht mitgetragen wird, ist das schon problematisch.“

Verständnis für Personalentscheidung

Ein guter Kenner der britischen Seele ist Richard Spies: Der 73-jährige ist mit einer Engländerin verheiratet, pro Jahr reist er mehrmals auf die Insel. „Ich halte von Johnson überhaupt nichts, da er ein Populist ist“, sagt der aus dem westfälischen Datteln stammende Spies. Die Entscheidung, ihn zum Außenminister zu machen, könne er aber grundsätzlich verstehen: „Ich kann mir vorstellen, dass Theresa May versucht, ihn mit dem Amt ein wenig an die Leine zu nehmen und so das Risiko künftiger Solo-Läufe Johnsons zu minimieren.“

Fortsetzung einer fragwürdigen Politik

Für Hans Hillmann ist die Ernennung Johnsons die Fortsetzung einer fragwürdigen Politik: „Der Brexit war eine sehr knappe Sache“, ruft der 65-jährige in Erinnerung. Mit Johnson als Außenminister würde die Distanz zur EU sicher nicht kleiner. „Ich weiß nicht, ob die Briten sich derzeit wirklich einen Gefallen tun“, zeigt sich der Handelsvertreter skeptisch.