Über 100 Laiendarsteller Feldlager und Scharmützel begeistern Meppener

Von Georg Hiemann

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Meppen. Das Gelände beim Meppener Emsland Archäologie Museum an der Koppelschleuse hat sich am Wochenende in ein großes Feldlager verwandelt. Höhepunkt an beiden Tagen war ein Scharmützel während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, an dem sich Soldaten, Milizen und Indianer beteiligten.

Die Laiendarsteller kamen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden. Capitaine Krückeberg, mit bürgerlichem Namen Marcus Stickdorn aus Löhne, schilderte die Situation für das geplante Scharmützel. Im Frühjahr 1781 verbündeten sich die Franzosen mit den Rebellen und überwinterten in der Nähe von Hartford, damit bedrohten sie New York.

Indianische Scouts

Die britisch-deutsche Armee ließ die Franzosen durch indianische Scouts beobachten, die sich aber auf die Seite der Aufständischen schlugen. So kam es zum überraschenden Überfall auf das Feldlager. Am Ende schlugen aber die Briten die Franzosen und Rebellen in die Flucht. Natürlich wurde auch die „Arbeit“ in einem Feldlazarett sehr realistisch dargestellt.

Alle spielen ohne Gage

„Von den Darstellern bekommt keiner eine Gage. Wir sind alles Idealisten und fahren oft Hunderte Kilometer zu solchen Veranstaltungen“, berichtete Marcus Stickdorn. Die Darsteller kommen aus allen Berufsgruppen, vertreten sind alle Altersklassen. Manche machen schon seit über 40 bzw. 50 Jahren mit. „Dieses Hobby macht uns Spaß und wir bereiten anderen Spaß. Außerdem ist es immer wieder eine geistige Zeitreise für uns Darsteller, denn wir probieren und leben aus, was sonst nur durch Bücher oder Studien erworben werden kann“.

Lebendige Geschichte

Gleichzeitig lasse man Geschichte lebendig werden und erfülle so einen Bildungsauftrag, den keine Schule erfüllen könne. Wenn auch die Gefechtsdarstellung an beiden Tagen das Highlight war, so boten die Laiendarsteller wesentlich mehr. Sie ließen den Alltag, das Leben als Soldaten, Bürger, Händler, Handwerker und Indianer lebendig werden und erinnerten an den damaligen Soldatenhandel sowie an die gemeinsame deutsch-amerikanische Geschichte. Die Besucher erlebten, wie Soldaten exerzierten, Indianer feilschten, Handwerker werkelten, Siedler ihrem Tagewerk nachgingen.

Historische Hochzeit

Gerne beantworteten die Darsteller die vielen Fragen der Besucher. Patrizia Klenk aus Österreich lernte zum Beispiel bei so einem Event ihren künftigen Mann kennen und wird am 13. August im Schloss Eichenzell in Fulda heiraten. Hier treffen sich jährlich über 700 Laiendarsteller aus Europa, um Geschichte lebendig werden zu lassen. Damit sind ihr schon einmal über 700 Hochzeitsgäste sicher. Und natürlich wird das Hochzeitskleid selbst genäht und der amerikanischen Mode aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges entsprechen. Stolz erzählte Patrizia auch, dass auch sonst das gesamte Outfit der Laiendarsteller selbst gemacht und originalgetreu genäht wird. Hildegard Gall aus Dortmund ist bereits seit 1975 dabei und will „auf jeden Fall dabei bleiben“.

Lagerleben pur

Helga Dubois aus Klein Hesepe: „Wir sind bei so einem Event völlig aus dem Alltag raus und auf das Lagerleben eingestellt. Keine Hektik, kein Stress, kein Handy, leben und kochen wie vor 240 Jahren“. Sie trug übrigens wie auch Anke Bastian aus Neuss ein weißes Häubchen. „Die Haube auf dem Kopf zeigt an, dass man eine ehrbare verheiratete Dame ist. Wer keine Haube trägt, gilt als leichtes Mädchen und ist verrufen“. Stefan Kleinhaus und Christoph Bettermann aus Warburg bereiteten sich intensiv auf die bevorstehende Schlacht vor. Beide gehören zum Infanterieregiment Nr. 1 von Winterfeld. „Wir sind ausgeschickt worden, um die rebellischen Truppen zu vernichten.“ Und mit Inbrunst fragte er: „Wie wollen die künftig ohne unseren König Georg III. auskommen?“

Authentische Darstellungen

Wie hatte Marcus Stickdorn alias Capitaine Krückeberg gesagt: „Wir schlüpfen wirklich in unsere Rollen und leben diese dann auch.“ An der Koppelschleuse spielten über 100 überzeugte Historiendarsteller auf höchstem Niveau. Und wer Zeit zum Fragen und Zuhören mitgebracht hatte, lernte viel Neues und Interessantes. Natürlich konnten die Besucher an beiden Tagen auch die Sonderausstellung „Dreispitz, Skalp & Spitzenhäubchen – die amerikanische Freiheitsbewegung 1776“ im Archäologie Museum besuchen.


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