Schadensfall in Meppen Sanierung des Grundwassers kostet 13 Millionen Euro

Von Tobias Böckermann


Meppen. Die Sanierung des mit der Chemikalie Trichlorethen belasteten Tiefengrundwassers bei Meppen kostet mindestens 13 Millionen Euro. Das hat eine Sprecherin der Bundeswehr auf Anfrage mitgeteilt.

Auf der damaligen Erprobungsstelle, der heutigen WTD 91, hatte sich vor etwa 40 Jahren ein Unfall im Wärme-Kälte-Haus ereignet. Dabei waren Tausende bis Zehntausende Liter der krebserregenden Chemikalie ausgetreten und teilweise im Boden versickert. Außerdem war Trichlorethen wohl zusätzlich über Jahre unkontrolliert aus der Anlage ausgetreten.

Das Wärme-/Kältehaus diente der Erprobung von Munition unter extremen Temperaturbedingungen. Die Bundeswehr war bisher nicht in der Lage, die Ursache der Bodenbelastung „abschließend zu klären“ – der Hergang wurde der Meppener Tagespost aber von Augenzeugen geschildert. Seit Ende der 1990er Jahre wird dort –bis vor kurzem praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit - saniert.

Über den Fortgang der Arbeiten haben sich Kreisbaurat Dirk Kopmeyer und Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein jetzt vor Ort informiert. Der Landkreis Emsland hatte mit der Bundeswehr eine Verbindlichkeitserklärung über weitere Maßnahmen geschlossen.

Zielwert 100 Mikrogramm

Was Kopmeyer und Knurbein bei der WTD 91 erfuhren, unterlag dem Vernehmen nach dem Aktenvermerk „nur für den Dienstgebrauch“, war also zunächst geheim. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Meppener Tagespost nun aber doch Einzelheiten mit.

Demnach sind seit 2007 sechs Sanierungsbrunnen in Betrieb genommen und eine Bodensanierung durchgeführt worden. Damit konnten 2000 Kilogramm Trichlorethen entfernt werden und damit 200 Kilogramm mehr als vor zwei Jahren angenommen. „Die Sanierungszielwerte wurden bereits lokal erreicht“, schreibt die Sprecherin der Bundeswehr und zwar auf dem WTD-Gelände in mehr „mehr als dreiviertel der Messstellen“. Sanierungszielwert sind 100 Mikrogramm Trichlorethen pro Liter, ein Mikrogramm entspricht einem Millionstel Gramm.

Insgesamt werden rund 90 Messstellen auf dem WTD-Gelände und im Stadtgebiet betrieben. Eine an der WTD-Grenze weise aktuell einen Spitzenwert von etwa 17.000 Mikrogramm pro Liter im Tiefengrundwasser auf. 2014 seien hier aber noch 21.000 Mikrogramm detektiert worden, sagt die Sprecherin. Weitere Messstellen zeigten „deutlich geringere Konzentrationen“ im niedrigen vierstelligen Bereich.

Keine Gefahr für Anwohner

Untersuchungen außerhalb des Geländes der WTD 91 hatten zwischenzeitlich ergeben, dass sich das Trichlorethen im Grundwasser über das WTD-Gelände hinaus in westlicher/südwestlicher Richtung Borken ausgebreitet hat. Eine Gefahr für Anwohner besteht dadurch nicht.

Dennoch soll eine weitere Ausbreitung der Chemikalie verhindert und das belastete Grundwasser saniert werden. Die Bundeswehr wird deshalb vier weitere Abwehrbrunnen installieren, die ab Anfang 2017 Grundwasser pumpen – insgesamt schaffen alle Brunnen 590.000 Kubikmeter pro Jahr.

Die gesamten Maßnahmen werden durch das Kompetenzzentrum Baumanagement Hannover durchgeführt. Die Gesamtinvestitionssumme aller bisherigen und weiteren Maßnahmen schätzt das Amt auf 13 Millionen Euro.

Kreisbaurat Dirk Kopmeyer äußerte sich auf Anfrage zufrieden mit der nun angekündigten, zunächst aber eher schleppend verlaufenen Sanierung. „Der Landkreis hat den Plan des Bundes, der die Sanierung der Grundwasserverunreinigung im 2. Grundwasserleiter beschreibt, Ende des vergangenen Jahres für verbindlich erklärt und damit die erforderlichen Maßnahmen und auch das Überwachungsprogramm festgesetzt“, sagte er. „Wesentlich ist der Bau von vier Sanierungsbrunnen an der Grundstücksgrenze der WTD. Damit soll verhindert werden, dass weitere Schadstoffe das Gelände der WTD verlassen, aber auch eine Sanierung der Verunreinigungen außerhalb des Geländes erfolgt. Es ist nun am Bund die erforderlichen Maßnahmen zügig umzusetzen. Wir gehen davon aus, dass dies bis zum Ende des Jahres möglich sein wird.

Die Einschätzung des Bundes, dass die Trinkwassergewinnung der Wasserwerke in der näheren und weiteren Umgebung nicht gefährdet sei, werde vom Landkreis Emsland geteilt. Auch sei keine Gefahr für die oberflächennahe Entnahme von Wasser zur Gartenbewässerung zu sehen, da die Verunreinigung 40 bis 50 Meter unter dem Gelände liege.


Trichlorethen, auch Trichlorethylen genannt, ist eine farblose, klare Flüssigkeit. Sie riecht nach Chloroform und ist unentzündlich. Sie wirkt als starkes Lösungsmittel. Auf der ehemaligen Erprobungsstelle in Meppen wurde sie in großen Mengen im Kälte-Wärme-Haus eingesetzt, vermutlich als Kühlmittel. Trichlorethen ist giftig, krebserregend und wirkt bei Einatmung narkotisierend. Auch wenn es in Meppen ins Grundwasser gelangt ist, birgt es nach Einschätzung von Experten keine akute Gefahr, da es bis ins Tiefengrundwasser rund 40 Meter unter der Erde durchgesickert ist. Dieser Grundwasserleiter wird in der Regel nicht genutzt.