Antrag im Umweltausschuss Artenvielfalt auch im Emsland in Gefahr



Meppen. Der Vorsitzende des Umweltausschusses im emsländischen Kreistag, Ulrich Willde, hat eine Landkreisinitiative zur Förderung der biologischen Vielfalt vorgeschlagen. Der Umweltausschuss lehnte ab – allerdings wurde deutlich, dass die Biodiversität auch im Emsland gefährdet ist.

Meppen. Der SPD-Politiker hatte beantragt, eine „Landkreisinitiative zur Förderung der Biodiversität, der Biotopvernetzung und der Verringerung der Bodenerosion“ zu starten. Begründung: Der Kreis sei zwar in vielerlei Hinsicht auf den genannten Gebieten tätig, es fehle aber bislang der durchschlagende Erfolg. „Die biologische Vielfalt geht weiter zurück“.

Wilde forderte deshalb die Schaffung und Verbesserung von Biotopverbunden – also die Vernetzung von wertvollen Lebensräumen etwas durch Hecken oder entlang von Bächen. Diese Linienbiotope sollten dabei helfen, die biologische Vielfalt zu stärken und auch die Bodenerosion, die im Frühsommer regelmäßig zu Beeinträchtigungen der A 31 führe, zu stoppen. Dies sei – ebenso wie die Verbesserung der Böden durch weniger Monokulturen – auch im Interesse der Landwirtschaft.

Ludger Pott, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, bestätigte: Der Landwirtschaft kommt eine Schlüsselrolle bei der biologischen Vielfalt zu. Zunächst sei aber festzuhalten, dass es im Emsland noch eine ganze Reihe Gebiete mit ausgesprochen hoher Artenvielfalt gebe, was man an der Ausweisung der deutschlandweit sehr seltenen Hot Spot - Gebiete sehe.

Auch legten Landkreis und Kommunen bei Ausgleichsmaßnahmen hohen Wert auf Nachhaltigkeit und Biotopvernetzung. Diesem Ziel diene auch die Rückgewinnung von Ackerrandstreifen . Und die Naturschutzstiftung erwerbe wertvolle Schutzflächen.

Dennoch müsse festgestellt werden, dass die Stärkung der biologischen Vielfalt nicht überall erreicht werde. Dies gelte vor allem auf intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen, aber auch in deren Umgebung. Ursache sei – auch hohem wirtschaftlichem Druck in der Landwirtschaft geschuldet - der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, mehr noch aber die stetige Anreicherung von Nährstoffen in der Landschaft, die das natürliche Pflanzengefüge zerstöre. „Nährstoffarme Gewässer- und Wegränder sind nahezu nirgendwo mehr anzutreffen. Ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht erkennbar.“ Die gerade erschienene Neufassung der Roten Liste der Brutvögel Niedersachsens zeige zum Beispiel einen weiteren dramatischen Rückgang der Wiesenvögel.

„Nicht im Ermessen des Landkreises“

Dennoch betonte Pott, dieser Entwicklung entgegenzuwirken liege nicht im Ermessen und in den Möglichkeiten des Landkreises, sondern sei Sache der EU-Politik. Zahlreiche Programme zur Renaturierung oder zur Etablierung von regional typischem Saatgut werden durchgeführt. Sie wirkten aber in der Regel nur dort, wo die öffentliche Hand den Zugriff auf die Fläche erhalte. Die Verwaltung schlug dem Ausschuss vor, die beschriebenen Aktivitäten im Emsland weiterzuführen und sobald neue Ansätze erkennbar seien, konkrete Beschlüsse zu fassen. Eine grundsätzlich neue Strategie sei nicht notwendig.

Dem widersprachen Ulrich Wilde und Michael Fuest (Grüne). Das Bemühen erkenne man durchaus an, es reiche aber noch nicht aus. Wilde empfand den Beschlussvorschlag als „weichgespült“. Der Landkreis sei durchaus in der Lage, mehr zu tun.

Josef Kruse (CDU) verwies auf das vielfältige Bemühen der Landwirtschaft um besseren Erosionsschutz oder punktgenaue Düngung nach Bedarf. Die Schuld alleine bei den Landwirten zu suchen, sei ihm zu einfach gedacht.

Letztlich konnte sich der SPD-Vorschlag nicht durchsetzen. Vier Abgeordnete stimmten dafür, zwölf dagegen. Festzustellen war aber, dass der Verlust der Artenvielfalt allen Konventionen und Vereinbarungen zum Trotz auch im Emsland nicht gestoppt worden ist.


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