Konzert in Gustav-Adolf-Kirche Peter Orloff und die Schwarzmeerkosaken in Meppen

Von Petra Heidemann

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Meppen. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Klassik, Gregorianik und russischer Volksmusik hat Peter Orloffs Schwarzmeerkosaken-Ensemble in der Meppener Gustav-Adolf-Kirche das Publikum wieder einmal stimmgewaltig in seinen Bann gezogen.

Bereits eine Stunde vor Konzertbeginn waren die vorderen Bankreihen besetzt mit Menschen, die sich angeregt über ihre persönlichen „Orloff-Erinnerungen“ austauschten, was die Erwartungshaltung hinsichtlich des „eigenen Lieblingsliedes“ steigerte.

Peter Orloff eroberte in den 60er- bis 80er-Jahren als Schlagersänger die Hitparaden. Aber auch für andere Sänger textete und komponierte er erfolgreich und übernahm 1993 die Leitung der Schwarzmeerkosaken. Dieses eröffnete mit Klängen aus der Borodin-Oper „Fürst Igor“ zunächst ohne Orloff, erst im Schlussakkord gesellte er sich, auftrittswirksam durch den Mittelgang kommend, dazu. Anliegen seines Ensembles sei es, „sich unvergesslich in die Herzen zu singen“. Wie stets, forderte er in Anbetracht des Aufführungsortes das Publikum beim Vaterunser von Rimsky-Korssakow zum Aufstehen und zu innerer Andacht auf. Unterhaltsam, nicht frei von Pathos, führte Orloff durch das Programm und betonte, Musik sei der Politik voraus, sei in seinem Ensemble doch das gemeinsame Wirken von Menschen aus Russland und der Ukraine eine Selbstverständlichkeit.

Imposant und zart-melancholisch

Der erste Teil des Konzerts umfasste unter anderem Schuberts „Ave Maria“, den „Gefangenenchor“ aus der Verdi-Oper „Nabucco“, das gesanglich höchst dramatisch gestaltete Schwanensee-Motiv (Tschaikowsky) und endete sakral mit dem Abschlussgebet der russisch-orthodoxen Kirche. Als besonderes Genussstück war Puccinis „Nessun dorma“ aus „Turandot“ zu bezeichnen. Vladimir Kuzmenkos kraftvoll strahlender Tenor, meisterte bravourös die hohe Schlusspassage dieser Parade-Arie großer Tenöre und faszinierte die Zuhörer – unangebracht und unnötig allerdings Orloffs Hinweis, das habe, „wenn überhaupt, Pavarotti nur in seinen besten Tagen geschafft.“

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Temperamentvoll, urgewaltig und mitreißend, aber auch zart-melancholisch und voller Weite und Sehnsucht tauchte der zweite Teil des Abends in die Welt des russischen Volksliedes ein und ließ die Zuhörer verträumt lauschen, aber auch begeistert rhythmisch klatschen und mitstampfen. Slava Kripakovs rauchiger Gesang transportierte im Zusammenspiel seiner Bassbalalaika mit Irina Kripakovas Domra und Ilya Kurtevs mächtigem Knopf-Akkordeon (259 Knöpfe) authentisch die Atmosphäre ausgelassen gefeierter Kosakenfeste.

Auch im Ensemble unverwechselbar

Dagegen rührte Igor Ishchaks Falsettstimme mit ihrem warmen Sopranklang an. Auch im Chor schwebte sie über dem Ensemblevortrag. Imposantes Auftreten und ein ebenso imposanter Bass kennzeichneten den Theologen Stefan Arininsky. Leider blieb der profunde Bass von Stefan Wassillew ohne Solo. Oleg Kulyeshovs und Fjodor Kunitskys Tenorstimmen gaben nicht nur den gesungenen Glockentönen große Strahlkraft. Die Baritone von Ognian Wladimirow und dem Dirigenten Nasko Kirtscheff übertrafen sich gegenseitig, und auch Peter Orloffs Bariton kann noch immer überzeugen.

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Neun opernbühnenerfahrene Solisten, auch im Ensemblevortrag deutlich in ihren individuellen Stimmcharakteristika einzeln unverwechselbar wahrzunehmen, erzeugten – ohne jeden technischen Verstärker – einen in sich stimmigen, gewaltigen Klangkörper. Und auch die Instrumentalisten hatten geradezu Orchesterwirkung. Nicht aufhören wollende stehende Ovationen ließen die Künstler nicht ohne schmetterndes „Kalinka“ gehen. Erst das von Ensemble und Publikum gemeinsam gesungene „Guten Abend, gute Nacht“ ließ den Abend ausklingen.


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