„Herzensangelegenheit“ für Wissenschaftlerin Julia Siebert neu beim Kinderschutzbund Meppen

Von Heiner Harnack

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Julia Siebert gehört ab Juni zum Team des Kinderschutzbundes in der Emsstraße in Meppen. Foto: Heiner HarnackJulia Siebert gehört ab Juni zum Team des Kinderschutzbundes in der Emsstraße in Meppen. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Beim Kinderschutzbund Emsland-Mitte in Meppen arbeitet ab 1. Juni die Erziehungswissenschaftlerin Julia Siebert, um den Beteiligten von häuslicher Gewalt Lösungswege aufzuzeigen. Sie erklärt, wie Vergangenes bewältigt werden und wie eine Beziehung ohne psychische oder physische Gewalt ablaufen kann.

Julia Siebert sitzt im grauen Hosenanzug im Konferenzraum des Kinderschutzbundes und erklärt zu Beginn des Gesprächs mit unserer Redaktion: „Um wirksamen Kinderschutz hinzubekommen, bedarf es zweier elementarer Dinge: die Beratung in Notsituationen und das Zusammenlaufen eines guten Netzwerkes.“ Bei der Tragik und der Schwere aller Schicksale müssten die Fachleute im Umfeld eine Sicherheit im Umgang mit bestimmten Themen bekommen.

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Siebert hat in Hildesheim Sozialpädagogik und soziale Arbeit studiert, was mit einem Anerkennungsjahr an einer Gesamtschule in Hannover einherging. Danach, so erzählt die gebürtige Lingenerin weiter, sei sie in die Beratungsarbeit in einem Kinderdorf im Raum Detmold eingestiegen. „Nach meiner Rückkehr habe ich die Kultur und das Emsland wieder schätzen gelernt.“ Sie bildete sich weiter zur Kinder- und Jugendtherapeutin und absolvierte eine Coachingausbildung mit den Schwerpunkten Gesprächstherapie und hochbegabte Kinder.

Starker Praxisbezug

„Ich habe mit unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Intellekten und Herkunftsgeschichten zu tun gehabt“, resümiert die junge Wissenschaftlerin aus ihrem Erfahrungsschatz. Das sei für sie „ein wunderschönes Potpourri“ gewesen, sagte Siebert. Wichtig sei ihr: „Wissenschaft muss praktisch funktionieren.“ Sie selbst sei eine eher schlechte Grundlagenforscherin und Statistiken finde sie nachrangig, gibt sie zu. „Wissenschaft muss den Menschen dienlich sein“, dies habe für sie Priorität.

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Ihre Kenntnisse konnte Siebert vor ihrer neuen Tätigkeit in der Kreisstadt über fünf Jahre als Familientherapeutin und als Sachverständige für Gerichte anwenden, wo es um den Schwerpunkt der Kindeswohl-Gefährdung ging, berichtet Siebert. „Hier kann ich mich wohlfühlen“, sagt sie zu ihrer neuen Stelle, auch wenn der neue Arbeitsmittelpunkt mit sexuellen Übergriffen und Gewalt dies nicht nahelegt.

Scham überwinden

Häufig hätten Familienmitglieder selbst Gewalt erfahren müssen, was dann zu ihrer Normalität wurde. Deshalb sei die Schwelle, selbst zum Täter zu werden, für viele sehr niedrig, erklärt sie. Ein Kind verstehe nicht, dass der Mensch, der für sein Wohl verantwortlich ist, es misshandele. Der wesentliche Schritt sei es, über Scham und Ängste hinwegzukommen, um Hilfe aufzusuchen, erklärt die Expertin. Der Weg über eine Anzeige bei der Polizei stehe dann eher hinten an. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, den Betroffenen, die viel Leid erleben und versuchen, ihre Wege zu finden, damit zurechtzukommen, eine Unterstützung zu geben.“ Für elementar wichtig halte Siebert es, den Misshandelten immer wieder zu sagen: „Du bist nicht nur Opfer von Gewalt, du bist auch noch jemand anderes!“


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