Ein Porsche als Non plus Ultra Meppener weltweit als Fahrzeugtester unterwegs

Von Heiner Harnack

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Bei schwierigen Fahrten auch im feuerfesten Anzug unterwegs: Volker Micklei testet Fahrzeuge in der ganzen Welt. Foto: Heiner HarnackBei schwierigen Fahrten auch im feuerfesten Anzug unterwegs: Volker Micklei testet Fahrzeuge in der ganzen Welt. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Volker Micklei hat vor vielen Jahren seinen Traumberuf gefunden: Der 55-Jährige ist Testfahrer und chauffiert vom Pkw bis zum Omnibus sämtliche Fahrzeugtypen über fast alle Kontinente.

Micklei arbeitet für ein süddeutsches Unternehmen. Jetzt sitzt er im Keller seines Hauses in der Meppener Neustadt und legt gerade eine Pause bei dessen Umbau ein. Hier wohnt er mit Ehefrau Tanja und den beiden Söhnen Davin und Collin. „Als kleiner Junge bin ich mit meinem Kettcar gegen ein Schaufenster gefahren, da die Kette abgesprungen war und ich nicht mehr bremsen konnte“, erinnert sich der Mittfünfziger. „Natürlich geriet das zunächst wieder in Vergessenheit“, sagt er, aber auch, dass das ein Auslöser für seine spätere

Leidenschaft gewesen sein könnte.

Umschulung

Im Rahmen einer späteren Umschulung habe er einen Busführerschein gemacht, was ihn zunächst nach Wolfsburg verschlagen habe. „VW benötigte Mitarbeiter und technisches Verständnis konnte ich durch viele Reparaturen am Bus vorweisen.“ Natürlich könne man nicht einfach aufs Gaspedal treten und dann sei man schon Testfahrer. „Hier gibt es eine Menge Qualifikationen und Lehrgänge, bevor man alles fahren darf“, zeigt Volker Micklei auf, dass der Job nichts mit der oft den Fahrern unterstellten Rasermentalität zu tun habe.

Ein Audi 80 ohne Servolenkung, Klimaanlage und ABS sei sein erstes Testfahrzeug gewesen, erinnert er sich weiter. „Fährt man einen Prototypen, für den man wieder weitere Qualifikationen benötigt, zu Bruch, entsteht ganz schnell ein Millionenschaden“, rechnet Micklei vor. Bis auf eine verbogene Felge im Laufe seiner 26-jährigen Tätigkeit hat er bis zum heutigen Tage noch nichts kaputt gefahren, erzählt er stolz.

13 tödliche Unfälle

Auch im Privatleben achte er auf jede Geschwindigkeitsbegrenzung penibelst. Seine Frau fahre da schon etwas resoluter im Straßenverkehr, sagt der Mann, der bereits mehr als vier Millionen Kilometer in der ganzen Welt unterwegs war und errechnete 420.000 Liter Kraftstoff verfahren hat. 13 Kollegen habe er durch tödliche Unfälle verloren, eine gewisse Gefahr also vorhanden.

„Wir überprüfen auch das Interieur der Fahrzeuge, das Entertainmentprogramm, die Spaltmaße oder den Sitz der Lampen“. Micklei erzählt, dass in den USA und Süddeutschland bereits Strecken existierten, auf denen Lkw autonom, also selbstständig fahren dürften. Dieses Them werde auch in Deutschland kommen, ist er sich sicher. „Natürlich ist immer noch der Fahrer dabei“, sagt er.

Trend autonomes Fahren

Die Entwicklungszeiten für neue Autos haben sich von rund acht Jahren auf heute etwa drei Jahre verkürzt, berichtet er, was natürlich mit den heutigen Möglichkeiten von Computern zu tun habe. Für Erprobungen der Fahrzeuge in extremer Hitze ist Micklei regelmäßig in Dubai, Arizona oder Texas unterwegs. Zu Kältetests geht es in den europäischen Norden. „Mein Lieblingsauto bleibt der Porsche 911-Turbo in der Cabrio-Version“, schwärmt er von einem der besten Fahrwerke, das er je habe fahren dürfen.

Eine äußerst mulmige Situation sei während des Terroranschlags auf den Brüsseler Flughafen am 22. März entstanden. „Wir waren auf dem Hinweg am Airport Zaventem vorbei gekommen“, sagt Micklei. Von den Anschlägen selbst habe er nichts mitbekommen, da er schon nach Luxemburg zum Übernachten weiter gefahren war. Das aber habe die Firma, die den Kontakt kurzzeitig verloren hatte, in Alarmzustand versetzt. Danach sei die Order gekommen, sofort abzubrechen. „Sicherheit steht bei uns immer an erster Stelle“, erzählt der Autotester zum Schluss und setzt sich in die Familienkutsche, um zum Einkaufen zu fahren. Als Nächstes geht es dann in die Schweiz, um dort ein Fahrzeug für Testfahrten in Portugal zu übernehmen.


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