Tradition der Hölting-Bürger-Schützen Holzgerichtsprozess in Meppen gegen Hans Többe

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Holzprozess unter der Hölting-Eiche: Der Delinquent Johann „Hans“ Többe (rechts) zollte dem Hohen Gericht nicht besonders viel Respekt. Foto: Christiane AdamHolzprozess unter der Hölting-Eiche: Der Delinquent Johann „Hans“ Többe (rechts) zollte dem Hohen Gericht nicht besonders viel Respekt. Foto: Christiane Adam

Meppen. Unter einer alten Eiche bei der Höltingmühle, dort wo die Hase und der Dortmund-Ems-Kanal aufeinandertreffen, führt der Hölting-Bürger-Schützenverein Meppen 1410 auf amüsante Weise die Tradition des Holthings (ordentliches Holzgericht) fort, die im fünfzehnten Jahrhundert ihren Ursprung hat.

Mit Johann „Hans“ Többe ist am Pfingstmontag ein besonders renitenter Angeklagter vom Hohen Gericht zu Meppen als Wiederholungstäter verurteilt worden. „Der hier vorgeführte Premierleutnant der Többe war bereits 1985 wegen schlitzohrigem Wetten peinlichst abgeurteilt worden. Da er dies nicht unterlassen hat, gilt er als Wiederholungstäter und hat besonders harte Strafen zu erwarten“, lautete die Begründung des Oldermanns und Richters Arno Fillies.

Nachdem der stellvertretende Schießoffizier Hermann Kerkhoff das anwesende Volk auf die bevorstehende Verhandlung vorbereitet hatte, walteten der Oldermann und sein Gerichtsschreiber Wilhelm Lüken ihrer Ämter. Der Spediteur Többe wurde von der Stadtwache vorgeführt; allerlei Delikte und ein lasterhafter Lebenswandel im Allgemeinen wurden ihm vorgeworfen. Sonderlich beeindruckt war der Delinquent indes nicht, und viel Respekt zeigte er ebenfalls nicht. Das Hohe Gericht duzend, schlug er die Vorwürfe samt und sonders in den Wind. „Bekennt Ihr Euch schuldig oder nicht schuldig?“ „Unschuldig!“

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Allerlei Anekdoten aus dem Leben des Hans Többe wurden vom Gericht vorgetragen. Beispielsweise habe er einmal einen Mitfahrer aus dem LKW geworfen. Dies habe nur daran gelegen, dass sich dieser nicht an das Rauchverbot habe halten wollen, verteidigte sich der Beschuldigte. Außerdem sei er ja immerhin mit Hilfsgütern vom Roten Kreuz unterwegs gewesen. „Sie haben schlimme Geschichten angerichtet, aber Sie erzählen immer von Hilfe!“, wies ihn der Richter zurecht. „Ja, schnallen Sie das nicht, ich bin ein guter Mensch!“, entrüstete sich der Angeklagte.

Verurteilt eine Eiche zu pflanzen

Der Hauptanklagepunkt, den Oldermann Fillies anführte, war die Missachtung von Gerichtsauflagen. Diese hätten 1985 gelautet, dass der damals bereits verurteilte Többe eine deutsche Eiche zu pflanzen habe. Stattdessen habe er eine rote billige amerikanische Eiche gepflanzt. Mit der Auflage, einige soziale Dinge in den nächsten Wochen für seine Mitmenschen zu tun, „und dass er eine deutsche Eiche, eine Stieleiche, pflanzt, wird er auf sechsjährige Bewährung verurteilt“, lautete die Urteilsfindung.

Dem Publikum gab der Oldermann noch Folgendes mit auf den Weg: „Denkt daran, der Wald ist unser Hüter. Ein Baum ist in einer Minute geschlagen und braucht einhundert Jahre, um in den Himmel zu wachsen.“ Damit erinnerte er daran, dass ein Holthing im Gegensatz zum heutigen heiteren Spektakel ursprünglich eine durchaus ernste Angelegenheit war, die Fragen wie das unberechtigte Fällen von Bäumen und das widerrechtliche Weidenlassen von Vieh behandelte.

Das nächste Holthing findet im Jahr 2018 statt. Weitere Informationen zu Verein und Brauchtum unter www.hoelting-meppen.de


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