100.000 Euro Schadensersatz Nach Tankerunfall in Lingen: Stiftung zum Schutz der Ems

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Meppen. Der Landesfischereiverband Weser-Ems hat gemeinsam mit zwölf emsländischen Mitgliedsvereinen die Stiftung „Emsländische Gewässerlandschaften“ zum Schutz und zur Pflege der Ems und deren Seitengewässer ins Leben gerufen. In ihrer Form ist diese Stiftung einzigartig in Niedersachsen.

Im Rahmen einer Feier im Vereinsheim des Fischereivereins Meppen 1888 wurden noch einmal die Ziele definiert: Laut Satzung will die Stiftung Vorhaben fördern, „die geeignet sind, die Ems und deren Seitengewässer sowie die angrenzenden Uferregionen im Sinne einer naturnahen Entwicklung zu erhalten und zu verbessern“. Bernhard Pieper, Präsident des Landesfischereiverbandes und Vorstandsmitglied der Stiftung, betonte: „Jetzt können auch die kleineren Vereine Projekte zum Gewässer- und Uferschutz durchführen, die nicht die finanziellen Mittel für solche Maßnahmen besitzen.“

Gelder aus Schadensersatzprozess

Dass sich die Stiftung der Gewässerlandschaft im Einzugsgebiet der mittleren Ems verschrieben hat, ist kein Zufall. Denn die Gelder „von knapp 100000 Euro“ für die Stiftung stammen aus dem Schadenersatzprozess, zu dem es aufgrund einer Umweltkatastrophe in Lingen kam. Am 28.März 2011 war ein Tankschiff in Lingen explodiert. Der Tanker, der 900.000 Liter Superbenzin geladen hatte, war gesunken und löste ein großes Fischsterben im Dortmund-Ems-Kanal zwischen Lingen und Meppen und später auch bis Dörpen aus. Daraufhin verklagte der Landesfischereiverband im Namen der zwölf Mitgliedsvereine von Lingen bis Dörpen die Verursacherfirmen. Es folgte ein langer Prozessmarathon. Präsident Pieper sagte: „Wir haben uns schließlich auf die Summe geeinigt.“ Auch Jens Salva, Biologe des Fischereiverbandes Weser-Ems wies auf die schwierige Beweislage und Schadensermittlung mit „diversen Gutachten“ hin. Zugleich erinnerte er an das „massive Fischersterben“seinerzeit. Bis heute sei der Fischverzehr aus der Ems „nur eingeschränkt erlaubt“.

Renaturierungen der Flüsse

Nun dient die Schadensersatzsumme aus dem Tankerunglück als Stiftungskapital dazu, im mittleren Emsbereich die Natur zu verbessern. Der Stiftungsvorstand betont ausdrücklich, dass es den Vereinen nicht darum geht, Fische auszusetzen, die man gerne fangen möchte. Vielmehr will man die Gewässerlandschaft aufwerten und in einen gesunden, natürlichen Zustand versetzen. Durch die Stiftungsgelder sollen beispielsweise Renaturierungen von Gewässern durchgeführt werden, ausgebaute Gewässer wieder natürliche Verläufe bekommen, die Durchgängigkeiten von verbauten Gewässern wieder hergestellt werden, die Emsauen und die zuführenden Seitengewässer eine strukturelle Aufwertung erfahren.

Zustiftungen ausdrücklich erwünscht

Beispielhafte Projekte sind die Schaffung von Altarmstrukturen in Dalum-Groß Hesepe, die Herstellung der Durchgängigkeit des Hakengrabens in Rühle oder die Erneuerung der Fischtreppe in Herbrum. „Gerade die Durchgängigkeit der Ems im unteren Bereich istein ganz wichtiges Ziel“sagte Pieper. Dabei hoffen nicht nur die fünf Vorstandsmitglieder des Kuratoriums, Bernd Pieper, Hans-Dieter Boven, Norbert Rogge, Georg Schomaker und Siegfried Rothlübbers, dass sich weitere Firmen, Verbände und Privatpersonen mit „Zustiftungen“ am Gewässerschutz beteiligen. „Schon lange wissen auch die Natur- und Umweltverbände unsere Renaturierungsmaßnahmen wertzuschätzen“, sagte Biologe Salva.


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