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Nach Protesten von Eltern und Schülern Abi 2016: Mathe-Prüfung soll anders bewertet werden

Von Julia Mausch

Der Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen hat die Aufgaben im Mathematik-Abitur 2016 scharf kritisiert. Foto: dpaDer Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen hat die Aufgaben im Mathematik-Abitur 2016 scharf kritisiert. Foto: dpa

Osnabrück. Nachdem der Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen die Aufgaben im Mathematik-Abitur 2016 scharf kritisiert hat, äußert sich jetzt das Kultusministerium, räumt möglicherweise Fehler ein – und kündigt einen anderen Bewertungsmaßstab der Klausur an.

„Zu umständlich formuliert, zu schwierig und viel zu umfangreich“, der Verband fand am Mittwoch harte Worte zum Thema „Mathe-Abi 2016“. Zahlreiche Eltern, Schüler und Lehrer hatten bei Geschäftsführerin Petra Wiedenroth ihren Unmut geäußert. Nicht nur leistungsschwächere Schüler waren am 29. April entsetzt über die Prüfung, selbst Schüler, die die Vorprüfungen mit Bestnoten abgeschlossen und sogar an Bundeswettbewerben in Mathematik teilgenommen hatten, waren fassungslos. ( Weiterlesen: Schüler protestieren gegen Mathe-Abi 2016 ) Kritisiert wurde vor allem:

  • Aufgaben waren vom Schwierigkeitsgrad her zu hoch
  • Aufgaben waren zu komplex, in der Zeit nicht erfassbar und vollständig lösbar
  • Aufgaben wurden thematisch in den Kerncurricula (KC) nicht behandelt
  • Aufgaben waren durchgängig mit zu viel Text überfrachtet

Kritik, die das Kultusministerium nicht in allen Punkten nachvollziehen kann. „Die Aufgaben waren anspruchsvoll, aber vom Schwierigkeitsgrad leistbar“, betont Susanne Schrammar, Sprecherin des Niedersächsischen Kultusministeriums. Die Aufgaben der Klausur seien von einer erfahrenen Fachkommission erstellt worden, zudem seien erfahrene Pädagogen als „Nachrechner“ im Einsatz gewesen.

Fachkommission Mathematik hat Aufgaben überprüft

Trotz der, wie es das Kultusministerium bezeichnet, „Qualitätskontrollen“ habe das Ministerium im Nachgang an die Klausur eine „Vielzahl von Beschwerden“ erhalten. Neben dem Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, wurde in den Briefen vor allem bemängelt, dass die Aufgaben den Vorgaben des Kerncurriculums nicht entsprechen, sprich, dass im Abitur Stoff abgefragt wurde, der gar nicht erlaubt war. Dieser Kritik widerspricht Susanne Schrammar: „Eine erneute Überprüfung durch die Fachkommission Mathematik kommt zu dem Ergebnis, dass die Aufgaben den Vorgaben des Kerncurriculums entsprochen haben.“

Kultusministerium räumt Fehler ein

Eines räumt die Fachkommission aber ein: „Hinsichtlich des Umfangs der Aufgaben war möglicherweise die Aufgabendichte für die vorgegebene Zeit etwas zu hoch. Dies ist jedoch eine Grenzfallentscheidung.“ Grund, dass Schüler womöglich schlechter abschneiden, als zuvor in den Vorklausuren? Für den Verband der Elternräte auf jeden Fall: Laut Petra Wiedenroth geht man davon aus, dass die Prüfung Ergebnisse hervorbringt, die erheblich unter dem Durchschnitt liegen. „Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis der Abiturnote im Durchschnitt mindestens drei Punkte unter der bisherigen Leistung liegt.

Entscheidung: Bewertungsmaßstab wird angepasst

Um das zu verhindern, hat das Niedersächsische Kultusministerium am Mittwoch beschlossen, den Bewertungsmaßstab für diese Klausur anzupassen. „Details wurden dazu noch nicht festgelegt. Wir werden uns dazu mit den entsprechenden Fachleuten und Schulen rückkoppeln, damit es zu einer anspruchsvollen und leistungsgerechten Bewertung kommen kann“, sagt Sprecherin Susanne Schrammar. Dass hinter den anspruchsvollen Aufgaben eine Strategie steckt, diesen Vorwurf seitens des Elterverbandes bezeichnet Susanne Schrammar als „absurd und unsinnig“. Verbandssprecherin Petra Wiedenroth hatte einst gesagt, dass sie glaubt, dass die Matheprüfung so anspruchsvoll war, „damit das Anwahlverhalten in diesem Fach zurückgeht und dann das Ministerium keine Personalprobleme mehr hat“. Susanne Schrammer betont jedoch, dass seit 2008 die Zahlen der Prüflinge angestiegen ist. Zwei Drittel aller Prüflinge legen eine schriftliche Abiturprüfung im Fach Mathematik ab. „Das wird vom Kultusministerium ausdrücklich begrüßt und unterstützt.“