Meppen als Standort? Im Emsland soll Alt-Katholische Gemeinde entstehen

Von Reinhard Fanslau

Maik Barwisch (links) und Reinhold Lampe machen sich im Emsland für die Alt-Katholiken stark. Foto: Reinhard FanslauMaik Barwisch (links) und Reinhold Lampe machen sich im Emsland für die Alt-Katholiken stark. Foto: Reinhard Fanslau

Meppen. Bis vor einem Jahr war Reinhold Lampe Pfarrer der Alt-Katholischen Gemeinde in Karlsruhe. Nun ist er pensioniert und zurück in seine Heimatstadt Meppen gezogen. Ruhestand heißt für ihn nicht, untätig zu sein. Der Geistliche ist dabei, im Emsland eine Alt-Katholische Gemeinde für das Emsland aufzubauen. Entscheidende Hilfe bekommt er dabei von Pfarrer Meik Barwisch aus Wilhelmshaven.

Was bedeutet eigentlich alt-katholisch? „Der Begriff ist irreführend. In diesem Fall ist das Alte das Neue. Wir müssten uns eigentlich neu-katholisch nennen. Wir sehen uns als Reform-Katholiken“, erklärt Barwisch und ergänzt: „Wir haben uns geöffnet. Das gefällt der römisch-katholischen Kirche aber nicht immer“. Und das sind die wichtigsten Punkte, in denen sich alt-katholisch und römisch-katholisch unterscheiden.

Kein Zölibat

Bei den Alt-Katholiken gibt es kein Zölibat . Frauen können seit 1998 das Sakrament der Priesterweihe empfangen. Für Geschiedene gibt es die Möglichkeit, erneut kirchlich zu heiraten. Homosexualität wird uneingeschränkt toleriert. Mit der evangelischen Kirche gibt es seit 1985 eine Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zum Abendmahl. Letztendlich stellen die Alt-Katholiken die Unfehlbarkeit der Kirche und ihrer Mitglieder infrage und lehnen die Machtansprüche des Papstes ab.

Utrechter Konvention

All dies und andere Grundpfeiler des Alt-Katholizismus gehen zurück auf die „Utrechter Konvention der alt-katholischen Kirchen“ von 1889. Darin heißt es, dass sich die alt-katholischen Bischöfe zu dem bekennen, was sie als den „alten katholischen Glauben der alten ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends“ ansehen. Dass sie damit einen Minderheitenglauben vertreten, ist auch den Lampe und Barwisch bewusst. Zurzeit gibt es „nur“ 16000 Altkatholiken in ganz Deutschland. Dennoch sehen die beiden Pfarrer gute Chancen, auch im Emsland eine alt-katholische Gemeinde aufzubauen. „Wir haben viel Zulauf von Mitgliedern aus anderen Gemeinden, die bei uns aber noch nicht eingetreten sind“, sagt Barwisch.

Gemeinsamer Gottesdienstort gesucht

Es fehlt noch an einem dauerhaften gemeinsamen Gottesdienstort. Ab und an feiern die Alt-Katholiken ihren sonntäglichen Gottesdienst in der Lioba-Kapelle, der kleinen Krankenhauskapelle im St. Bonifatius Hospital in Lingen. Diese ist sehr klein und bietet nur 20 Mitgliedern Platz. Viel hänge davon ab, wie weit die Wege für die Mitglieder sein werden, wenn ein dauerhafter Ort für Gottesdienst und Gemeinde gefunden sind. Im Moment sind diese weit. „Wir sind nicht nur alt-katholische Pfarrer, sondern auch Fahrer“, scherzt Barwisch, der zu den Gottesdiensten, Besprechungen und sonstigen Treffen vor Ort aus Wilhelmshaven anreist.

Meppen als Standort?

Meppen wäre als Standort günstig, weil es in der Mitte des Emslandes ist und die Wege für alle weniger weit wären. In der Kreisstadt würden die Alt-Katholiken auch gerne mal einen Gottesdienst abhalten, und zwar in der Gymnasialkirche in der Stadtmitte. „Aber uns haben sie gesagt, dass der Landkreis das aus denkmalschützerischen Gründen nicht zulassen könne“, stellt Lampe fest. Der Dechant in Lingen brachte schnell und unbürokratisch die Lioba-Kapelle ins Spiel.

Keinen Druck ausüben

Das ist aber keine Dauerlösung, die Alt-Katholiken suchen weiter. Der ideale Standort wäre der, „wo das Leben tobt; da wo sich die Gemeindemitglieder zusammentun und ihren katholischen Glauben leben können. Denn bei uns gestalten der Kirchenvorstand und die Gemeindemitglieder das Gemeindeleben und nicht der Pfarrer“, sagt Pfarrer Barwisch. Ebenso wie der Lingener Dechant habe Bischof Bode in Osnabrück stets ein offenes Ohr für die Interessen der Alt-Katholiken. Zuständig ist er jedoch nicht für sie. Mit Bischof Matthias Ring in Bonn haben sie ihren eigenen obersten Repräsentanten.

Genau ansehen

Die beiden alt-katholischen Pfarrer wollen beim Aufbau ihrer Gemeinde im Emsland keinen Druck ausüben und niemanden von anderen Gemeinden abwerben, im Gegenteil: „Wir zwingen niemanden, bei uns Mitglied zu werden. Wir ermutigen Interessierte vielmehr, dass sie sich unsere Kirche und unsere Gruppen genau ansehen, bevor sie beitreten.“