Razz als Headliner Publikum feiert Bands bei Festival RüRo Indoor in Meppen

Von Tim Gallandi und Julia Kleene

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trg/jukl Meppen. Mit der emsländischen Indierockband Razz und dem Münchner Bluesbarden Jesper Munk als doppelte Headliner haben am Samstagabend mehr als 1000 Besucher das Festival RüRo Indoor in Meppen gefeiert. Die dritte Auflage des Benefiz-Ereignisses war wieder von gitarrenorientierten Rocksound geprägt.

Es war kurz nach Mitternacht im Saal Kamp, als Schwaden aus Trockeneisnebel von der Bühne Richtung Zuschauerraum waberten und die elektronischen Klänge von „The Blood Engine“ aus den Boxen krochen. Das Stück bildet das Finale des Razz-Debütalbums „With Your Hands We‘ll Conquer“; live dagegen verwenden es Lukas Bruns, Niklas Keiser, Christian Knippen und Steffen Pott seit einiger Zeit als Intro ihrer Gigs. Das Heimspiel der Band aus dem mittleren Emsland, ohnehin RüRo-Stammgast und nun erstmals als Headliner gelistet, bildete ein Highlight des Konzertmarathons zugunsten verschiedener Hilfsprojekte in Afrika.

Aber der Reihe nach: Los ging es am frühen Abend mit A Place To Fall. Die Newcomer aus Meppen heizten mit ihren energiegeladenen Songs das Publikum auf. „Es ist immer sehr besonders für uns, in der Heimatstadt aufzutreten“, sagte Frontmann Sebastian Molleker. Die Postcore-Band hatte zwei gute Gründe zum Feiern: Zum einen veröffentlichten sie ihr neues Album „Lost Myself“, zum anderen hatten sie am Abend zuvor einen Bandcontest gewonnen und sich so den ersten Slot auf dem Abifestival 2016 in Lingen gesichert.

Animal Antics zeigen vollen Einsatz

Animal Antics, die Band aus dem niederländischen Groningen, bewies auf der Bühne, dass sie sowohl fetzige Rocksongs als auch gefühlvolle Balladen performen kann. „Das ist das erste Mal, dass wir in Deutschland auftreten“, sagte der Leadsänger der vierköpfigen Indie-Pop-Band, Tim Peters van Ton. Er ist nach einem Studium des Songschreibens in England nach Holland zurückgekehrt, um mit früheren Klassenkameraden eine Band zu gründen. Bei ihrem Auftritt zeigten sie vollen Einsatz und animierten das Publikum zum Feiern. Laute Gitarren und nach eigener Aussage „die Balance auf der dünnen pinken Linie zwischen unkonventioneller Frische und Poprock“ zeichnen die Band aus.

Sprung ins Publikum

Die Garagerockband Afterpartees machte ihrem Namen alle Ehre und nutzte die Bühne, um eine riesige Party zu feiern. Der niederländische Sänger Niek Nellen sprang mit dem Mikrofon über die Absperrung und performte im Publikum. Die spektakuläre und dynamische Bühnendarbietung begeisterte die Zuschauer und verbreitete eine ausgelassene Feierstimmung. Die fünfköpfige Band riss mit ihrer Musik mit: Immer mehr Zuschauer bewegten sich von der Bühne zur Theke.

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Vervollständigt wurde die Phalanx der Combos von jenseits der Grenze durch Taymir. Das 2013 gegründete Quartett aus Den Haag hatte bereits Live-Erfahrung beim Pinkpop-Festival sowie auf einer Tournee durch die USA gesammelt. Rein äußerlich könnten Sänger Bas Prins, der mit eingegipster rechter Hand auftrat, und Gitarrist Mikkie Wessels als Neffen von Noel und Liam Gallagher durchgehen. Von britischer Prägung und mit 60er-Jahre-Infusion betankt ist auch ihr energiegeladener Rock‘n‘Roll, in den sie ab und zu ein paar Keyboardtöne schleuderten. Der Aufforderung, den Refrain ihrer Single „Aaaaah“ mitzusingen, kam das Publikum nach. Ging auch ganz leicht, denn Text und Titel waren identisch.

Zudem verblüffte Schlagzeuger Isai „Johnny Ray“ Reiziger, der mit seinem temporeichen Spiel wie eine Kreuzung aus The-Who-Drummer Keith Moon und dem Duracell-Hasen wirkte. Im Laufe ihres Auftritts erhöhten Taymir die Schlagzahl und kamen gegen Ende fast schon punkig herüber.

Jesper Munk hat den Blues

Deutlich entspannter begann anschließend der erste der beiden Headliner des Abends. Jesper Munk ist Sohn einer Dänin und eines Deutschen, hat aber, rein musikalisch gesehen, eine schwarze Seele. Von Rhythm & Blues sowie Soul sind seine bisherigen zwei Alben beeinflusst, und in Meppen starteten der 23-Jährige und seine Begleitmusiker Clemens Graf Finck von Finckenstein (Schlagzeug) und Sasseh Söllner Bobo (Bass) mit einer Reihe von Balladen. Zwischen Gitarre und E-Piano wechselnd, testete Munk die Wirkung einiger neue Stücke und präsentierte Coverversionen wie „Death Don‘t Have No Mercy“. All das forderte von den Besuchern im immer voller werdenden Saal Aufmerksamkeit. Eine Atempause zwischen dem ausgelassenen Feiern.

Später brachte Munk noch Bluesrock ins Spiel, Musik im Stil von The Dead Weather, dem Nebenprojekt von White-Stripes-Frontmann Jack White, Musik wie ein Marsch durch die Sümpfe Louisianas. Eine beeindruckende Vorstellung des Mannes, dessen Stimme wie Schmirgelpapier Ähnlichkeiten mit der von Niklas Keiser aufweist.

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Dass die stimmliche Färbung des Razz-Frontmanns den Sound der emsländischen Indierocker maßgeblich charakterisiert, war sicher einem Großteil der RüRo-Besucher bekannt. Ohnehin boten Songs wie „Black Feathers“, „Youth And Enjoyment“ oder „Turning Shadows“ jede Menge Gelegenheiten zum Mitsingen. „You‘re turning away...“, gab Niklas Keiser vor, ehe die Menge lauthals „...it breaks me“ ergänzte.

Also alles wie gewohnt bei Razz? Nicht ganz. „Wir sind fleißig dabei, neue Songs zu schreiben“, verriet der Sänger, ehe die Band ein paar dieser neuen Werke, etwa „If There Was A Light“, vor Publikum erprobte. Mit eingängigen Gitarrenriffs, wuchtigem Rhythmus und markanten Instrumental-Finals machten die Stücke neugierig auf das nächste Razz-Album.

Benefiz für Kalba

Der Erlös des Benefiz-Indoorfestivals „Rüt’n’Rock“ fließt in die ghanaische Gemeinde Kalba. „Wir möchten nicht nur Geldgeber sein, sondern eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen“, sagte Mitorganisator Tim Becker. Mit der Spende werden Projekte zur Förderung der Bildung, Infrastruktur und medizinischen Versorgung realisiert. Zudem wird auf die Erhaltung und Wartung bereits finanzierter Gebäude Wert gelegt.

Abgerundet wurde das dritte RüRo Indoor durch eine Aftershowparty. Auf dem Programm standen DJ-Sessions mit Dennis Concorde und Totze Trippi, auch bekannt als Beatsteaks-Bassist Torsten Scholz.


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