20 Jahre Landschaftspflege Verein Land Unter aus Meppen feiert Jubiläum



Meppen. Der Meppener Naturschutz- und Landschaftspflegeverein Land Unter hat sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Hauptaufgaben sind die Erhaltungszucht des Bentheimer Landschafes und die Pflege seltener Kulturlandschaften.

Vorsitzender Tobias Böckermann blickte einer Pressemitteilung zufolge während der Generalversammlung im Meppener Kossehof kurz auf die Geschichte des Vereins zurück. Danach habe eine kleine Gruppe Interessierter schon 1994 damit begonnen, im Raum Fullen/Versen Bentheimer Landschafe zu halten. „Damals war die Rasse noch akut vom Aussterben bedroht“, sagte Böckermann. „Gleichzeitig standen die Reste der einst großen emsländischen Heidegebiete zwar unter Naturschutz, aber die Erkenntnis, dass diese Lebensräume aus Menschenhand weiter genutzt werden müssen, um sie zu erhalten, hatte sich noch nicht überall durchgesetzt.“

140 Mitstreiter

Also habe man Schafe gekauft und sie ein paar Hektar Heide- und Moorflächen abfressen, also pflegen lassen. So wurde die Wiederbewaldung dieser Kulturlandschaft verhindert und Platz für seltene, auf Offenland spezialisierte Tiere und Pflanzen geschaffen. 1996 folgte die Vereinsgründung mit 30 Mitgliedern, heute habe der Verein Land Unter rund 140 Mitstreiter, von denen 70 zur Generalversammlung erschienen. Rund 60 Bentheimer Landschafe werden reinrassig im Herdbuch gehalten.

Aus anfänglich gut zehn Hektar Pflegeflächen wurden netto 40, darunter das Naturschutzgebiet Versener Heidesee, das sich zu einem Kleinod der heimischen Natur entwickelt hat. Dank einer einmaligen Kombination aus nährstoffarmem See und umgebender Heide habe man allein dort 134 Tierarten festgestellt, von denen 50 auf der Roten Liste stünden. Nicht alle leben dauerhaft hier, sie nutzen aber den See zumindest als Teillebensraum. Hervorzuheben seien Flussuferläufer, Bekassine, Schlingnatter und Kreuzotter.

104 Pflanzenarten

Von 104 Pflanzenarten am Heidesee stehen 32 auf der Roten Liste. Einige sind hochspezialisiert und leben nur in derartigen Heideweihern, darunter der Gemeine Igelschlauch, der am Heidesee seinen größten Bestand im Raum Weser-Ems hat. Und die Vielästige Glanzleuchteralge gibt es in ganz Deutschland sogar nur an vier Wuchsorten. Außerdem kümmert sich der Verein im Fullener Wald um einen der größten Orchideenbestände des Emslandes und in Groß Berßen um eines der ältesten Heidegebiete der Region.

1000 Lämmer

Auch im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Tierzucht sei man erfolgreich gewesen, teilte der Vorstand mit. So seien viele der insgesamt rund 1000 im Vereinsbestand geborenen Lämmer nach ganz Deutschland und in die Niederlande zur Zucht verkauft worden. Und das Bentheimer Landschaf als alte Rasse der Grafschaft und des Emslandes habe einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht – auch dank zahlreicher Führungen mit mehreren 100 Teilnehmern. Die Gründung des Archehofes im Emsland Moormuseum zählte der Verein zu seinen Erfolgen.

Sorgen bereitet die geplante Errichtung wolfsabweisender Zäune an allen Pflegeflächen. Die Kosten lägen nur für den Heidesee im mittleren fünfstelligen Bereich, sagte Vorsitzender Böckermann. Die Finanzierung gestalte sich trotz der Unterstützung durch den Landkreis und die Staatliche Moorverwaltung schwierig, da das Land Niedersachsen bisher keine Entscheidung über eine beantragte Förderung getroffen habe.

Kassenwart Jürgen Scholz dankte allen Mitstreitern und Helfern, die sich über Jahre engagiert hätten, darunter besonders Bernadette Gels und Christine Gößling-Preuß. Aus dem Vorstand ausgeschieden ist nach 16 Jahren Björn Korff. Nach der Neuwahl gehören dem Gremium Carsten Marien, Günter Wester, Jürgen Scholz, Markus Paetzold und Tobias Böckermann an.


Das Bentheimer Landschaf ist vor 200 Jahren vor allem in der Grafschaft Bentheim, im Emsland und in den Niederlanden gezüchtet worden. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es bereits bis zu 20 000 Schafe dieser Rasse. 1970 waren es noch 50 Zuchttiere, die alle im Emsland gehalten wurden. Derzeit gibt es bundesweit mehr als 2000 Zucht- und 8000 Gebrauchstiere. Ein Buch zum Thema ist im Handel erhältlich.

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