Bestürzung beim SV Hemsen Meppen: Flüchtling Sami wird nach Italien geschickt

Flüchtling Sami Moringa aus Eritrea. Er musste Meppen-Hemsen jetzt Richtung Italien verlassen. Archivfoto: Carola AlgeFlüchtling Sami Moringa aus Eritrea. Er musste Meppen-Hemsen jetzt Richtung Italien verlassen. Archivfoto: Carola Alge

Meppen. Flüchtling Sami Moringa (Nachname von der Redaktion geändert) hat den Meppener Ortsteil Meppen-Hemsen verlassen müssen. Der Mann aus Eritrea muss nach Italien zurückkehren. Es ist das Land, in dem er bei seiner Flucht den ersten Fingerabdruck hinterlassen hat.

Der Landkreis Emsland bestätigte entsprechende Informationen unserer Redaktion. Danach wurde er am Montagmorgen von der Polizei von seiner Wohnung in Meppen-Hemsen abgeholt, um ihn nach Italien zu überstellen. Es greife, so Kreis-Sprecherin Anja Rohde, das Dubliner Abkommen, wonach der Staat, in den der Asylbewerber nachweislich zuerst eingereist ist, das Asylverfahren durchführen muss. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe somit angeordnet, den Flüchtling nach Italien zu überstellen.

Keine Zuständigkeit

In Fällen dieser Art, bei denen Flüchtlinge an andere EU-Mitgliedstaaten auf der Grundlage des Dublin-Abkommens überstellt werden, habe der Landkreis Emsland als Ausländerbehörde keine Zuständigkeit und Möglichkeit der Einflussnahme. Die Rücküberstellung liege in der Zuständigkeit des Bundesamtes. „Die Landesaufnahmebehörde war vor Ort für die Rückführung zuständig“, so die Sprecherin.

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Aus dem engen Bekanntenkreis Samis heißt es, er sei morgens einfach abgeholt worden, habe schnell seine Sachen packen müssen und hätte keinen seiner Freunde mehr sehen und sich von ihnen verabschieden können. Plötzlich sei er einfach aus einem Umfeld herausgerissen geworden, das für ihn schon zur neuen Heimat geworden sei. Er wäre so gerne geblieben, sagen Freunde des 21-Jährigen.

In Vereinen aktiv

Sami Moringa lebte seit Frühjahr 2015 im Meppener Ortsteil Hemsen. Der 21-jährige Flüchtling aus Eritrea fühlt sich dort wohl, war in Vereinen aktiv, engagierte sich in der Jugendarbeit. Der junge Mann wollte, wie er im Januar im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte, sich schnell integrieren, begann zeitnah mit einem Deutschkurs. Er wollte und will die Chance, die Deutschland Flüchtlingen bietet, nutzen. Bei den Nachbarn war der junge Mann, der in seinem Heimatland um sein Leben fürchten muss und deshalb nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, beliebt.

Mehrmonatige Odyssee

Moringa hatte eine mehrmonatige Odyssee hinter sich. Wie viele kam er in einem der zahlreichen Flüchtlingsboote über das Mittelmeer nach Deutschland. Er flüchtete mit Mutter und Schwester aus Eritrea in den Sudan. Die Frauen starben in Libyen. Sein Vater ist Moslem und Offizier. Im Sudan sind die humanitären Zustände in den Flüchtlingslagern katastrophal. Die dort lebenden Menschen sind von Hunger geplagt und von Seuchen bedroht. Diese hoffnungslose Situation war für den jungen Mann der Grund zu flüchten. Dorthin, wo er ein menschenwürdiges Leben erwartete, nach Europa.

Als hilfsbereit bekannt

Er wurde registriert und in ein Grenzdurchgangslager gebracht. Von dort ging es für ihn gemeinsam mit sieben weiteren Männern in die Meppener Nordgemeinden. Dort bewohnte er mit fünf Sudanesen und zwei Männern von der Elfenbeinküste ein Einfamilienhaus. Der Stürmer der 2. Mannschaft des SV Hemsen war in dem Ortsteil als hilfsbereit bekannt, stand in seiner Freizeit anderen Flüchtlingen im Meppener jam zur Seite. Er wollte, so im Gespräch mit uns im Januar, eine Ausbildung beginnen, allen zeige, „dass man mit Geschick, Fleiß und gutem Willen eines Tages ungeachtet der Hautfarbe oder der Religion dazugehören kann“.

Unterstützung bekam Sami von vielen. Auch von Klaus Bandowksi, Vorsitzender des SV Hemsen. Er versucht, den Kontakt mit Sami zu halten. Helfen könne man ihm leider nicht mehr. Bandowski ist „bestürzt über diese Aktion.“ Es bedürfe jetzt ausführlicher Informationen, sagte er auf Anfrage.

Wertvoller Spieler und Sportkamerad

Mit Sami verliere der SV Hemsen nicht nur einen wertvollen Spieler und Sportkameraden, sondern darüber hinaus auch noch einen Freund und Nachbarn. Im Sportverein habe die Nachricht von der Abschiebung große Betroffenheit ausgelöst. „Besonders die rücksichtslose Art und Weise gibt einem das Gefühl, dass hier die Menschlichkeit endgültig verloren hat. Die Nacht- und Nebelaktion ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich um Integration bemühen, inclusive des Abgeschobenen“, so der Vorsitzende. „Dass ein so liebenswerter Mensch nicht bleiben darf, kann eigentlich nicht sein. Das ist doch ein Fehler im System“, klagt Bandowski.. Enttäuscht ist er vom Landkreis Emsland und dem BAMF. „Sie haben uns keine Gelegenheit gegeben, dass wir uns von unserem Freund verabschieden können. Da hätten wir uns von unserem Landkreis hier vor Ort ein größeres Entgegenkommen erhofft.“


Registrierung nach dem Dublin-Verfahren

Das sogenannte Dublin-Verfahren regelt unter anderem, dass Asylbewerber in dem Land registriert werden, in dem sie die Europäische Union betreten. In dem Verfahren wird der Staat festgestellt, der für den Asylantrag zuständig ist. Damit wird sichergestellt, dass jeder Asylantrag nur von einem Mitgliedstaat inhaltlich geprüft wird.

Zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird ein Gespräch mit dem Antragsteller geführt.

Stellt sich dabei heraus, dass der Asylantrag in einem anderen Mitgliedstaat zu bearbeiten ist, ergeht ein Übernahme- oder Wiederaufnahmeersuchen an den betreffenden Mitgliedstaat. Stimmt dieser zu, erhält der Antragsteller hierüber einen Bescheid. Sodann vereinbaren die Mitgliedstaaten in der Regel die Modalitäten der Überstellung. Rechtsgrundlage des Verfahrens ist nunmehr die Dublin-III-Verordnung.

In dieser Verordnung wird auch geregelt, dass ein Asylbewerber in dem EU-Mitgliedstaat seinen Asylantrag stellen muss, in dem er den EU-Raum erstmals betreten hat. Dort hat auch die Registrierung und die Durchführung des Asylverfahrens zu erfolgen.

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