Meppen misst Äcker neu aus Wegeseitenräume schon wieder illegal umgepflügt

Von Matthias Engelken


Meppen. Weit über 14 Hektar betrug die Gesamtfläche der Ackerseitenräume, die Meppener Landwirte illegal bewirtschaftet hatten und die im vergangenen Jahr neu eingemessen wurden. Doch jetzt, zur Ansaatzeit, stellt die Stadtverwaltung fest: Ein großer Teil der Grenzpflöcke ist verschwunden, viele ausgewiesene Flächen wurden erneut unter den Pflug genommen.

Es ist Frühjahr. Zeit zur Einsaat. Das wissen die Landwirte. Seit Wochen nutzen sie das frühlingshafte Wetter, richten ihre Äcker her, pflanzen Kartoffeln, haben Getreide ausgesät und bereiten die Flächen für die Maisaussaat vor. Auch die Stadt Meppen ist dabei, standorttypische Wildpflanzen an ihren zurückgewonnenen Wegeseitenräumen auszusäen.

Im vergangenen Jahr hatte sie sich am vom Landkreis Emsland ins Leben gerufenen Wegeseitenraumprogramm beteiligt. Bisher illegal bewirtschaftete Seitenräume wurden dazu erfasst und aus der nicht rechtmäßigen Nutzung genommen. Die alten Grenzen wurden mit grauen Pfosten markiert. Vorteil für die Stadt: Sie darf die Flächen als Kompensationsmaßnahme anrechnen lassen und muss bei Bau- und Erschließungsmaßnahmen kein zusätzliches Land erwerben, auf dem der Eingriff in die Natur ausgeglichen würde.

Nicht alle Landwirte machen mit

Ein großer Aufwand, der jetzt Früchte tragen sollte mit der Einsaat einheimischer Gewächse. Der Haken: Längst nicht alle Landwirte machen mit. „Wir schätzen, dass gut 40 Prozent unserer ausgewiesenen Wegeseitenräume trotz Begrenzung erneut unter den Pflug genommen wurden“, kritisiert Klaus Keller, Fachbereichsleiter für Liegenschaften bei der Stadt Meppen. Dabei hätten er und seine Kollegen betroffene Landwirte angeschrieben und deutlich sichtbar die Pflöcke aufgestellt. Aber er räumt auch ein: „Wir sind im vergangenen Jahr zu spät mit der Ausweisung angefangen, alles war bepflanzt, später in der Ernte sind einige Begrenzungsfläche unter die Erntemaschinen geraten“.

Doch die Vielzahl der nicht wieder aufgefundenen Pflöcke macht ihn stutzig. Rund 1000 Stück wurden gesetzt. Nur noch ein Teil davon steht. Das ärgert Keller. Aber er bleibt gelassen. Denn jetzt ist Zeit der Aussaat. Und die wird von der Stadt nun rigoros durchgeführt. Auch dort, wo Landwirte bereits Getreide ausgesät, oder Kartoffeln gepflanzt haben. „Unser Mitarbeiter ist angewiesen, entlang der Grenzen seine Saat auszubringen. Die Flächen werden einfach gefräst und von uns neu eingesät“, ist Keller zuversichtlich, dass die Landwirte nun doch noch einsichtig sind.

Lieber gemeinsam statt gegeneinander agieren

Denn das ist ihm wichtig: „Wir wollen gemeinsam mit den Bauern agieren, nicht gegeneinander“. Deshalb schreckt er auch vor rechtlichen Schritten zurück. Noch. Denn, wenn er oder seine Kollegen später Zuwiderhandlungen sehen sollten, etwa eine erneute Unterpflugnahme oder Anzeichen von Spritzungen so würden weitere Schritte folgen.

Schon jetzt sind Steuergelder für einen eigens im vergangenen Jahr eingestellten Mitarbeiter, der Kartierung und Bepflockung ausgegeben worden. „Zum Glück sind alle Daten GPS-technisch erfasst, die erneute Kennzeichnung ist jetzt nicht mehr so aufwändig“, geht Keller von einem geringen Mehraufwand an Kosten aus. Doch der lohnt sich. Nicht nur für die Stadt.

„Aus Sicht der Jäger sind Wegeseitenräume, aber auch Gewässerrandstreifen wichtige Strukturelemente zum Erhalt und zur Schaffung von natürlichen Lebensräumen für die heimische Tierwelt“, sagt Hubert Brandewiede. Er ist Vorsitzender der Jägerschaft Meppen und arbeitet eng mit Keller zusammen. Denn durch dichten Wuchs bilden sich Biotope, in denen, angefangen bei Insekten, über diverse Vogelarten und Kleintiere bis hin zu Rehwild viele Lebewesen Raum, Nahrung und Deckung finden. Deshalb hofft Brandwiede auch auf die Mithilfe seiner Waidmannskollegen. „Sehen unsere Jäger Zuwiderhandlungen der Landwirte, so sollen sie die Stadt oder ihre Hegeringsleiter informieren.“