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Drei Männer verunglücken in Meppen Geldautomat gesprengt – Mutmaßlicher Täter stirbt bei Unfall


tb/trg/jar Meppen. Drei Männer aus den Niederlanden haben am frühen Mittwochmorgen in Meppen einen Geldautomaten gesprengt und sind auf der Flucht gegen einen Lkw und einen Baum gerast. Ein Mann verstarb, ein weiterer wurde lebengefährlich verletzt. Ein Dritter wurde dank aufmerksamer Zeugen gefasst.

Von Tobias Böckermann, Tim Gallandi und Janine Richter

Die drei Männer stammen nach ersten Erkenntnissen von Staatsanwaltschaft Osnabrück, Polizei und Landeskriminalamt sämtlich aus den Niederlanden. Sie sind Mitte 20 und sollen aus dem Raum Utrecht stammen. Dort vermutet die Staatsanwaltschaft Osnabrück einen losen Verbund von Straftätern, die zwar niederländische Staatsbürger sind, aber einen nordafrikanischen Migrationshintergrund haben sollen und für zahlreiche Automatensprengungen verantwortlich sein könnten. (Weiterlesen: Automaten-Sprengungen in der Region: Was wissen wir bisher?)

Drei Täter, die zuvor einen Geldautomaten in der Haselünner Straße in Meppen gesprengt hatten, sind am frühen Mittwochmorgen gegen 4.25 Uhr auf ihrer Flucht Richtung Niederlande verunglückt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück handelt es sich um Niederländer. Laut Polizei kam der extrem PS-starke dunkelgraue Audi RS 4 Avant vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit in einer lang gezogenen Rechtskurve auf dem Schullendamm, einer innerörtlichen Erschließungsstraße im Stadtteil Esterfeld, ins Schleudern und kollidierte zunächst auf der Gegenfahrbahn mit der Zugmaschine eines Lastwagens. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie nicht von Polizeifahrzeugen verfolgt. Danach prallte der Wagen auf der linken Straßenseite mit der Fahrerseite gegen einen Baum. Am Fahrzeug war ein Kennzeichen aus dem Landkreis Nienburg/Weser angebracht. Sie waren in der Nacht in Meppen entwendet worden. Der Audi ist im Februar in Nordrhein-Westfalen gestohlen worden.

Dritter Täter wurde durch Taxifahrer gefasst

Während der Fahrer im Auto eingeklemmt wurde und später gerettet werden konnte, kam für den Beifahrer jede Hilfe zu spät. Er starb noch im Unfallwagen. Der Fahrer musste mit hydraulischen Spreiz- und Schneidgeräten sowie einer Seilwinde aus dem Fahrzeug befreit werden. Laut der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Meppen dauerte dies eine halbe Stunde. Mit lebengefährlichen Verletzungen und nach notärztlicher Versorgung vor Ort kam der Fahrer mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der Lastwagenfahrer erlitt einen Schock, blieb aber unverletzt.

Eine Bewohnerin des Gebäudes, in dem die Sparkasse im Untergeschoss untergebracht ist, hatte den Einbruch um kurz nach vier Uhr morgens bemerkt und umgehend die Polizei informiert. Sie hatte sich unbestätigten Angaben zufolge auch das Kennzeichen des Wagens notiert und drei Täter gemeldet. Umgehend wurden zahlreiche Polizeikräfte aus der Umgebung zusammengezogen, die nach dem sich unmittelbar an die Automatensprengung anschließenden Unfall nach dem dritten Täter fahndeten. Er floh leicht verletzt zu Fuß, möglicherweise mit einem Teil der Beute. Die genauen Umstände sind noch unklar, aber vermutlich ist der Mann an der Kirche St. Maria zum Frieden in Esterfeld einer Arbeitnehmerin aufgefallen, die eine vorbeifahrende Streife auf sich aufmerksam machte. Außerdem soll der Mann ein Taxi bestellt haben, die Fahrerin wurde aber misstrauisch. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter schließlich im Bereich der Marienkirche an der Schlaunstraße fest.

Sparkassenfiliale bleibt vermutlich diese Woche geschlossen

Die Sparkassenfiliale an der Haselünner Straße bot am Mittwochmorgen ein Bild der Verwüstung. Vor- und Innenraum waren mit Trümmern übersät; Splitter verteilten sich weit über den Gehweg der viel befahrenen Straße.

Durch den Druck der Gasexplosion waren mehrere Fensterscheiben zerstört und die Rahmen aus der Verankerung gerissen worden. Der Geldautomat im Inneren der Filiale wurde völlig auseinandergerissen. Laut Feuerwehr musste auch eine Einsatzgruppe mit Gasspürgeräten anrücken, um an der Filiale zu messen und gegebenenfalls zu sichern. Später waren Mitarbeiter einer Tischlerei sowie einer Metallbaufirma damit beschäftigt, die Trümmer zu beseitigen und die Geschäftsstelle gegen Eindringlinge zu sichern.

„Wir können froh sein, dass bei der Explosion niemandem etwas passiert ist“, sagte Georg Schröer, Marketingleiter der Sparkasse Emsland, am Mittwochvormittag unserer Redaktion. Wie hoch der Sachschaden ist, vermochte er noch nicht zu sagen, kündigte aber an, dass die Geschäftsstelle mindestens bis Ende dieser Woche geschlossen bleiben muss.

Zur Höhe der erbeuteten Geldsumme konnten Schröer und die Polizei ebenfalls noch keine Angaben machen. Das Geld konnte von der Polizei im Fluchtfahrzeug sichergestellt werden. Die Täter hatten es in Plastiksäcken verstaut und es handelte sich dem Augenschein nach um eine erhebliche Summe.

Sonderkommission des LKA ermittelt

Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und Spuren gesichert. Auch waren Mitarbeiter der Sonderkommission des Landeskriminalamtes Niedersachsen vor Ort, die landesweit das Aufsprengen von Geldautomaten bearbeiten. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen handelt es sich bei den Tätern um Niederländer. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück beabsichtigt, gegen die beiden Täter beim Amtsgericht in Meppen Haftbefehle unter anderem wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit gewerbsmäßigen Diebstahls im besonders schweren Fall zu erwirken.

Der Schullendamm war zwischen der Abfahrt B70 und der Marienstraße stundenlang komplett für die Bergungs- und Ermittlungsarbeiten gesperrt. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, auch im Fernverkehr, da der Schullendamm als eine der Haupteinfahrtsstraßen für den Berufsverkehr dient.

Bei dem Überfall in Meppen gingen die Räuber nach demselben Muster vor wie immer: Sie jagten den Automaten mit einem entzündeten Gasgemisch in die Luft. Danach griffen sie die Beute ab und flüchteten in mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Niederlande. „Wir sind froh, dass keine weiteren Unbeteiligten bei diesem Unfall verletzt worden sind“, sagte LKA-Sprecherin Stephanie Weiß. Schon bei früheren Taten wurden stark motorisierte Fahrzeuge der Marke Audi verwendet, so auch Ende 2015 in Haren-Erika, als es einem Zeugen gelungen war, Täter und Tatfahrzeug auf der Flucht zu filmen.


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Insgesamt 23 Geldautomatensprengungen dieser Art gab es in den vergangenen Monaten in Niedersachsen; 17 Sprengungen passieren seit Mitte 2015 im Landkreis Emsland und in der Grafschaft Bentheim. In Niedersachsen war es der sechste Fall seit Jahresbeginn. Schon im Dezember 2015 habe es die Festnahme von drei Männern gegeben, danach seien die Sprengungen aber trotzdem weiter gegangen, teilte das Landeskriminalamt heute mit. „Wir gehen davon aus, dass es noch mehr Täter gibt“, hieß es. Bereits Anfang Februar hatte die Polizei nach einem schweren Verkehrsunfall am Niederrhein bei Kamp-Lintfort geprüft, ob die drei Opfer für Geldautomaten-Sprengungen in Nordrhein-Westfalen verantwortlich waren. Bei dem Unfall starben damals zwei Niederländer, ein dritter wurde schwer verletzt.

In 2016 hat allein das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen schon mehr als 20 Angriffe auf Geldautomaten registriert.

Welche Vorfälle auf die verunglückten Niederländer zurückgehen, wird derzeit ermittelt. Schon bei früheren Taten wurden stark motorisierte Fahrzeuge der Marke Audi verwendet.

Auch bundesweit nimmt die Zahl der gesprengten Geldautomaten zu. Laut Bundeskriminalamt (BKA) wurden deutschlandweit 132 Fälle registriert.

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