Gelungener Komödienabend „Das Lächeln der Frauen“ im Meppener Theater

Von Petra Heidemann


Meppen. Schauspielerisch brillant und in der direkten Ansprache des Publikums authentisch und glaubhaft haben Julia Stinshoff und Hubertus Grimm „Das Lächeln der Frauen“ auch auf die Gesichter der Meppener Theaterbesucher, ob weiblich oder männlich, gezaubert.

Die Meppener Theaterbühne präsentierte sich vor Pariser Fensterkulisse als Vierfach-Schauplatz. Die einzelnen Szenen stellten sich lichtgesteuert sowohl synchron als auch getrennt dar, waren geschickt miteinander verwoben und aufeinander bezogen. Räumlich davon abgesetzt, an der Bühnenrampe, vollzogen sich dagegen die direkte Ansprache des Publikums, die inneren Dialoge und die gespielten Erinnerungen.

Bravouröse Leistung

Julia Stinshoff als Aurélie Bredin und Hubertus Grimm als André Chabanais, beide mehrfache Preisträger, sind bekannt aus zahlreichen Fernsehfilmen und populären TV Serien. Sie füllten ihre Rollen bis in kleinste Detail. Da saß jede noch so kleine Nuance in Stimme, Bewegung und Mimik - nicht nur im eigentlichen Handlungsverlauf und im scheinbar spontanen Austausch mit dem Publikum. In faszinierender Weise ließ Grimm in seinen erzählten Passagen die nicht anwesenden „mitwirkenden“ Figuren ausgesprochen lebendig werden. Durchgängig spannend meisterten beide die unglaubliche Textmenge, die es zu bewältigen galt, mal als Szene, mal an eine in Spiel verwandelte Lesung erinnernd - eine bravouröse Leistung.

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Aurélie, die das Restaurant „Le Temps des Cerises“ von ihrem Vater übernommen hat, fällt mitten im tiefsten Liebeskummer ein Buch in die Hände: „Das Lächeln der Frauen“ von Robert Miller, so der Name des Autors in der Komödie. Satz für Satz erkennt sie darin sich und ihr eigenes Leben, ihr Denken und Empfinden wieder. Das kann nur Schicksal sein. So setzt sie alles daran, den scheuen Schriftsteller Robert Miller kennenzulernen - ein schwieriges Unterfangen, denn der Lektor André blockt sie ab. Kein Wunder, ist er doch selbst der Autor, der sich hinter dem Pseudonym Miller verbirgt, weil sein Chef unbedingt einen englischen Autor verlegen möchte.

André hat Aurélie in ihrem Restaurant gesehen und sich von ihrem Lächeln zum Schreiben inspirieren lassen. Nun stehen also Lesungen an, für die er einen Miller aus dem Hut zaubern muss. Zugleich steht sich André als Lektor selbst dabei im Weg, sich der bezaubernden Aurélie zu nähern, welche nicht ihn, sondern den Autor treffen möchte.

Ein Roman im Roman

Turbulente Organisationsversuche zwischen Notebook, Telefon und Handy lassen die Handlungsfäden zum unentrinnbaren Spinnennetz werden zwischen Wahrheit, Fantasie und Lüge. Einziger Ausweg: ein zweites Buch, das diese Geschichte klärt und dessen „letzten Satz die Frau schreiben muss“, die André „an einem frühlingshaften Abend hinter dem Fenster eines kleinen Restaurants mit rot-weiß gewürfelten Tischdecken“ gesehen hat.

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„Das Lächeln der Frauen“ - ein Roman im Roman, in sich selbst verschachtelt, ein Autor, der sich darin gleich doppelt erfindet, eine junge Frau, die sich selbst darin entdeckt, ein Spiel auf mehreren Ebenen im Geschehen und im Bühnenraum. Am Ende schließt sich der Kreis von äußerer und innerer Handlung im Zusammenfinden der beiden Liebenden, eine alte, immer wieder neue Geschichte, die unter dem Verfremdungseffekt der Selbstbeobachtung Komplexität erfährt. Stinshoff und Grimm ist es durch ihre feinste Schauspielkunst gelungen, unverstaubt, klischeefrei und frisch all das amüsant und doch mit Tiefgang an die Zuschauer heranzubringen - wahrhaft „Roman-tisch“.


„Das Lächeln der Frauen“:

Die Bühnenfassung des Hamburger Schauspielers, Regisseurs und Autors Gunnar Dreßler basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Nicolas Barreau. Als deutscher Spielfilm von Gregor Schnitzler lief die in Paris angesiedelte Romanze 2014 im Fernsehen. Unter der Regie von Karin Boyd, die in „Mephisto“ an der Seite von Klaus Maria Brandauer die Tänzerin spielte, entstand die in Meppen gezeigte Inszenierung, für deren Bühnenausstattung Eva Humburg sorgte, die für ihre Arbeit schon mehrfach mit dem „Hamburger Bühnen-OSCAR“ ausgezeichnet worden ist.

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