Kerstin Schimanski hat sieben Kinder Alltagswahnsinn in Meppener XXL-Familie

Von Ann-Christin Fischer


Meppen. Kim Lea, Aimée, Marie-Sophie, Johann, Till, Mathilda, Madita. Das ist nicht die Handball-Mannschaft vom HSG Meppen-Twist. Das sind die sieben Kinder von Kerstin Schimanski.

Zwei Kinder machen Arbeit. Vier Kinder machen viel Arbeit. Aber was machen dann sieben Kinder ? „Sehr viel Arbeit, aber ich mache einfach, man muss sich nur organisieren können“, sagt Kerstin Schimanski über ihren Job als Familien-Managerin.

21 Waschmaschinen füllt die Mutter (37) pro Woche. Ein Einkauf liegt gerne mal bei 300 Euro, über zwölf Liter Wasser und Schorle gehen am Tag durch. Jeder Morgen beginnt um fünf Uhr und endet um 23 Uhr. Dazwischen liegen 18 Stunden, in denen sie halbtags arbeitet, das 250 Quadratmeter große Haus sauber hält, Kinder zur Schule oder zum Bahnhof bringt, wieder abholt, zum Sport oder zu Freunden bringt, wieder abholt, Hausaufgaben macht, sich um die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes kümmert - und nebenbei den neuesten Familienzuwachs, die kleine Madita, stillt. Das alles schafft die Emsländerin ohne Hilfe von außerhalb. Kerstin Schimanski ist alleinerziehend. Außerdem gehört Kerstin Trimpe (40) zur Familie, sie ist die Halbschwester ihres Ex-Mannes und macht das Kleinunternehmen perfekt. „Kerstin gehört zu uns, da sie im Rollstuhl sitzt und nicht mehr alles kann, kümmere ich mich um sie“, erzählt Kerstin Schimanski.

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Im Alltag ihrer Großfamilie ist immer etwas los, darum hat sie sich mit den Jahren zu einem Organisations-Talent entwickelt. Wenn sie um fünf Uhr morgens aufsteht, macht sie Frühstück für alle, stillt die Kleinste, kümmert sich um Kerstin und bringt um halb sieben Marie-Sophie (12) und Johann (11) zum Bahnhof. Ihre Devise im Stadtverkehr: Gas geben und Lücken ausnutzen, denn um viertel nach sieben muss sie sich auf den Weg zur Arbeit machen. Währenddessen bringt Kim Lea, die genau eine Minute älter als ihre Zwillingsschwester Aimeé ist, den achtjährigen Till zur Schule. Danach gehen die Zwillinge (18) zur Marienhausschule und die beiden Kleinsten, Mathilda (2) und Madita (vier Monate) verbringen den Vormittag bei einer Tagesmutter. Um etwa drei Uhr sind alle wieder zusammen. „Dann beginnt der Alltagswahnsinn“, erzählt die 37-Jährige. Freizeit? Kennt sie nicht. Lachen kann die Herzblut-Mutter über Frauen, die darüber klagen, nicht mehr genug Zeit für ihre Hobbys, den Friseur und Kaffeetrinken zu haben. „Den letzten Kaffee mit einer Freundin habe ich beim Tapezieren ihrer Wohnung getrunken.“

Kinder sehen Mutter als Heldin

Mit ihrem kleinen Fünf-Sitzer fährt sie Kilometer um Kilometer, wenn alle schwimmen gehen möchten, geht das nur in zwei Fuhren. Immer eine große Hilfe: Die mittlerweile volljährigen Zwillinge. „Kim und Aimeé unterstützen mich immer und ich bin ihnen sehr dankbar“, erzählt sie und grinst ihre beiden Großen an. Die sehen ihre Mutter als kleine Heldin. „Sie schafft alles und wenn es tief bis in die Nacht dauert“, berichtet Aimeé. Seit zwölf Jahren wohnt Familie Schimanski in ihrem Haus an der Markstiege zur Miete. Verstopfte Abflüsse, Renovierungen, selbst einen 40 Quadratmeter großen Teppich schleppte die zierliche Frau alleine bis ins Obergeschoss. „Bis auf die Heizungsanlage mache ich alles selbst, Handwerker kosten einfach zu viel“, erzählt sie und wird nachdenklich.

Von Vorurteilen und dem großen Glück des Kinderreichtums

Zwei Tage vor Weihnachten habe sie den Bescheid bekommen, dass sie, Kerstin und ihre sieben Kinder das Haus aufgeben müssen. „Wir wissen nicht wann, aber sicher ist, dass wir hier nicht wohnen bleiben dürfen.“ Jetzt sucht die Großfamilie ein neues Haus in Meppen und Umgebung. „Ich bin nicht anspruchsvoll, übernehme auch gerne Renovierungsarbeiten, es wäre nur toll, wenn Kerstin unbeschwert mit ihrem Rollstuhl durch das Haus fahren könnte“, meint Kerstin Schimanski. Sie habe schon so manche schwere Zeit überstanden, also auch diese. „Viele stempeln uns als asozial ab, nur weil wir eine große Familie sind. Meine Kinder sind alles für mich und sie haben alles, was andere auch haben.“

Die Vermieter legen Wert allerdings auf die Feststellung, dass ihre Mieterin in dem Haus in Meppen wohnen bleiben kann.


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